Archiv für April 2008

Bild

Das Bild eine eher mäßig-gut recherchierte Publikation ist, dürfte den meisten Mnschen klar sein. Immer wieder zeichnet sich dieses Batt durch diverse -ismen und -phobien aus. BildBlog-Betreiber Stefan Niggemeier hat in seinem eigenen Blog ein paar dieses Mechanismen mal genauer angeschaut. So berichtet er in dem Beitrag Heuchler den Fall eines aus dem Libanon stammenden „Deutschland sucht den Superstar“-Kandidaten. Dieser wurde duch Bild als Homosexueller „geouted“, später konnte dann die „Bild am Sonntag“ darüber berichten, dass eben jener Kandidat aufgrund des Outings um das Wohlergehen seiner Familie im Libanon fürchten muss. Dabei wird die Quelle des Outings nicht genannt.
Doch neben Homophobie gepaart mit falschem Mitleid, ist Bild sich auch nie zu schade rassistische Vorurteile zu schüren und zu fördern:
Wie Bild Ausländerfeindlichkeit fördert

Zum Abschluss dieses Posts jetzt noch ein sehr schön gemachtes Video, dass für den 1. Mai in Berlin mobilisieren will, wobei natürlich Menschen aus dem süddeutschen Raum eher nach Nürnberg fahren sollten.

Immer Ärger mit dem Spielzeug

Die Band plemo hat ein neues Video.
Das schöne daran ist: Das Video darf auch veröffentlicht werden. Das war bei dem vorangegangenen Video nicht der Fall gewesen. Da hatte die Firma playmobil etwas dagegen.
Das es Nutzungsbedingungen auch für Spielzeug gibt ist mir neu, aber mensch lernt halt nie aus.
Manchmal freut mensch sich dann aber sehr über den CCC.

Mehr Filme

Deutsche Produktionen in näherer Zukunft, die sich im weitesten Sinne mit Linksradikaler Politik beschäftigen:
Der Baader Meinhoff Komplex und 1. Mai – Helden der Arbeit.
Ob’s gut wird? Ich hab beiden, aber vor allem bei letzterem erhebliche Zweifel.

Eine Geschichte von 2 T-Shirts

Stellen wir uns mal gemeinsam etwas vor:
Es ist ein schöner Sommernachmittag. Am morgen habe ich ein Päckchen bekommen. Darin ist ein T-Shirt, das ich mir bestellt habe. Es könnte irgendein T-Shirt sein, z.B. so eins:
Refugees WelcomeVoller Freude darüber, dass meine Bestellung endlich angekommen ist, habe ich das T-Shirt gleich angezogen. Jetzt am Nachmittag mache ich einen Spaziergang durch die Stadt. Dort treffe ich zufällig eine Bekannte. Sie hat zufällig ebenfalls ein dunkles T-Shirt mit dem selben Logo an.
Plötzlich stoppt uns ein Polizist, stellt unsere Personalien fest, vielleicht werden wir sogar kurzfristig inhaftiert, und das alles laut Aussage des Polizisten wegen der T-Shirts.
Schlimm genug? Es kommt besser.
Einige Monate später kommt es zum Prozess und wir beide werden zu einem Jahr Haft verurteilt. Und das alles, weil wir beide das selbe T-Shirt anhatten.
Absurd?
Theoretisch wäre dies ab Oktober in jedem bayrischen Ort so denkbar. Den im neuen Bayrischen Versammlungsrecht gibt es dazu einen kleinen, leicht zu überlesenden Passus:

BayrVers
Art. 7, Abs. 3

Es ist verboten, öffentlich Uniformen, Uniformteile oder gleichartige Kleidungsstücke als Ausdruck einer gemeinsamen politischen Gesinnung zu tragen.

Art. 20, Abs. 2, Satz 3
Mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer entgegen Art. 7 Abs. 1 oder 3 Satz 1 eine Uniform, ein Uniformteil oder ein gleichartiges Kleidungsstück trägt.

Interessant, wenn mensch genau nachliest, weil erst dann wird bewusst: Das bezieht sich überhaupt nicht auf Versammlungen, sondern auf das bloße Auftreten in der Öffentlichkeit!
Na denn, prost Mahlzeit!

Battle In Seattle

Battle In Seattle ist die Verfilmung des Widerstands gegen die WTO-Tagung 1999 in Seattle.
Jetzt ist der Trailer veröffentlicht worden. Mehr Infos zum Film gibt es hier.

Hoch die promotionale Postmodernität!

Gefunden bei revolution .

Guy Debort

„Bis heute ging man allgemein davon aus, daß der Film zur Darstellung revolutionärer Theorie ein völlig ungeeignetes Mittel sei. Diese Ansicht ist verfehlt.“ -Guy Debort
(ausführliches Thema in der aktuellen Schnitt)

Immer schön der Reihe nach…

Zunächst einmal vorab: Ich liebe TV-Serien!
Lange habe ich davon eher wenig gehalten, aber das, was insbesondere in den USA zur Zeit an Serien produziert wird, ist oftmals um Dimensionen besser und komplexer, als vieles, was in den Kinos zu sehen ist.
Dazu hat die Jungle World jetzt auch eine Textreihe gestartet, ich bin gespannt auf die kommenden Beiträge.
Gleichzeitig bietet der JuWo-Text auch eine große Kritikfläche, die unkritische Lobhudelei auf die Serie 24. Ich muss zugeben, das auch ich die ersten 2 Staffeln gebannt verfolgt habe, aber bereits in Staffel 3 wurde das Schema doch sehr redundant. Wenn mensch über diese Serie spricht bzw. schreibt, darf aber nicht ihr inhaltlicher, ideologischer Gehalt außer acht gelassen werden, liefert 24 doch diverse Argumente für Folter und mehr Geheimdienste.

Aber eigentlich wollte ich jetzt gar nicht über 24 schreiben, sondern über Roots.
Als sämtliche Roots-Episoden 1977 innerhalb von einer Woche ausgestrahlt wurden, entstand ein Phänomen, das bis heute einzigartig ist. Roots war der Straßenfeger schlechthin. Die Finalfolge hatte eine Einschaltquote von 85%! US-Kneipen erlebten drastische Umsatzeinbrüche. Viele Sportsbars versuchten dem zu entgehen, indem sie selbst Roots zeigten. Ein unglaublicher Hype war entstanden.

Heute ist die entscheidende Frage: War der Hype gerechtfertigt?
Generell ist die Frage, wie sehr Hypes überhaupt gerechtfertigt sind. Mit der Erwartungshaltung, die sich vor dem ersten Sehen aufbaut, wenn mensch solche Geschichten liest, wird eine Serie nie mithalten können.
Festzuhalten ist, das Roots 1977 absolut den Nerv der Zeit traf. Debatten über Rassismus waren in den Vorjahren auf vielfältige Art und Weise u.a. durch das Civil Rights Movement angestoßen worden und wurden nun durch diese Serie breit in der Gesellschaft verankert.
Gibt es seitdem keinen Rassismus mehr in den USA?
Genau hier kann dann auch eine Kritik an der Serie ansetzen.
Roots erzählt die Geschichte des Afrikaners Kunta Kinte, der versklavt und in die USA verschifft wird. Die Erzählung folgt ihm und seinen nachfolgenden Generationen bis zur Befreiung durch die Abschaffung der Sklaverei.
Immer wieder schimmert der erhobene Zeigefinger durch, was anstrengend wäre, wenn die Geschichte nicht mit so großartigen SchauspielerInnen auf einer ganz persönlichen Ebene erzählt wird. Gleichzeitig wird mensch das Gefühl nicht los, das sich die (weißen) Produzenten und Regisseure der Serie permanent für Vergangenes entschuldigen, nur um sich dann mit dem Happy End freizusprechen. Eine Thematisierung von Rassismus als kontinuierliche Kategorie von Denk- und Handelsweisen der gesamten Gesellschaft wird zwar kurz vor Schluss ganz grob angerissen, aber zuletzt doch eher weichgespühlt. Allerdings ist hier zu bedenken, dass es später noch eine ebenfalls hochgelobte Fortsetzung Roots – Die nächsten Generationen gab, die ich noch nicht gesehen habe.
In Anbetracht der Entstehungszeit und in Anbetracht dessen, das es sich um eine absolute Mainstreamproduktion handelt, ist die Auseinandersetzung mit Sklaverei und Rassismus als einem entscheidenden Teil der US-Vergangenheit im Großen und Ganzen gelungen und die Serie auch wegen ihrer Spannung durchaus weiter zu empfehlen.

Free Tibet! Chicken!!!

Und ins Wochenende verabschiede ich mich mit einem feinen Musikvideo.
Disco Lies heißt das gute Stück und stammt vom alten Tierrechtsaktivisten Moby.

Deportation Business Class

Seit mehreren Jahren wird mit Kampagnen wie deportation class auf Europas grausame Abschiebemaschinerie aufmerksam gemacht, z.T. auch durchaus mit Erfolg. Aus Angst vor Imageverlust haben einige Airlines diese Flüge eingestellt.
In den letzten Jahren wurden europaweit diese Flüge oft zusammengepackt – wohl auch um Proteste schwieriger zu machen, aber vor allem um Kosten zu sparen.
Heinz Berger, ein Geschäftsmann aus Österreich, hatte nun die großartige Idee, diese gebündelten Flüge komplett über eine Abschiebefluglinie namens „Asylum Airlines“ im Rahmen des inzwischen sehr beliebten Konzepts des public-private-partnership abzuwickeln.
Aus ökonomischer Sicht eine durchaus rentable Idee. Erstmal braucht mensch sich so nicht um irgendwelche Imageprobleme scheren, und dann werden die Flugzeuge auch speziell für Massenabschiebungen umgerüstet. So sollen die Opfer Menschen, deren Asylantrag abgelehnt wurde, mit „Bügel[n] wie von Sesselliften“ fixiert werden. „Das hemmt nicht die Bewegungsfreiheit, aber das Randalieren stellt man ab.“, so Berger gegenüber der Frankfurter Rundschau.
So lässt sich auch einiges an Personal einsparen, bedenkt mensch, dass z.Zt. für jedeN der/die abgeschoben wird, 2 Beamten mitfliegen müssen.
Immerhin soll ein aber ein Catering geben.

Ein Essen mit Messer und Gabel kann er den „Schüblingen“ aus Sicherheitsgründen aber nicht anbieten. „Dann gibt es halt irgendwelche Brote“, meint Berger. „In sechs Stunden verhungert ja niemand.“
                                                    - Frankfurter Rundschau

Wenn das so nett ist, dann lässt mensch sich ja gerne abschieben.
Wie viele Flugzeuge er kaufen will, hängt jetzt nur noch von der „Stückzahl“ der Fracht ab, die er in Gesprächen mit diversen EU-Staaten evaluieren will.

Quellen:
http://no-racism.net/article/2484/
http://de.indymedia.org/2008/03/211434.shtml
http://jungle-world.com/artikel/2008/14/21479.html
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?em_cnt=1307371

Adorno sprach:

„Ich fürchte mich nicht vor der Rückkehr des Faschisten in der Maske des Faschisten, sondern vor dessen Rückkehr in der Maske des Demokraten.“ – Theodor W. Adorno

NATO-Gipfel an der Grenze

Der Gipfel zum 60jährige Nato-Jubiläum 2009 soll nach Wunsch von Deutschland und Frankreich in Straßburg und Kehl an der deutsch-französischen Grenze stattfinden. Das dürfte dann nach dem G8 letztes Jahr das nächste große Event für viele BerufsdemonstrantInnen werden.