Immer schön der Reihe nach…

Zunächst einmal vorab: Ich liebe TV-Serien!
Lange habe ich davon eher wenig gehalten, aber das, was insbesondere in den USA zur Zeit an Serien produziert wird, ist oftmals um Dimensionen besser und komplexer, als vieles, was in den Kinos zu sehen ist.
Dazu hat die Jungle World jetzt auch eine Textreihe gestartet, ich bin gespannt auf die kommenden Beiträge.
Gleichzeitig bietet der JuWo-Text auch eine große Kritikfläche, die unkritische Lobhudelei auf die Serie 24. Ich muss zugeben, das auch ich die ersten 2 Staffeln gebannt verfolgt habe, aber bereits in Staffel 3 wurde das Schema doch sehr redundant. Wenn mensch über diese Serie spricht bzw. schreibt, darf aber nicht ihr inhaltlicher, ideologischer Gehalt außer acht gelassen werden, liefert 24 doch diverse Argumente für Folter und mehr Geheimdienste.

Aber eigentlich wollte ich jetzt gar nicht über 24 schreiben, sondern über Roots.
Als sämtliche Roots-Episoden 1977 innerhalb von einer Woche ausgestrahlt wurden, entstand ein Phänomen, das bis heute einzigartig ist. Roots war der Straßenfeger schlechthin. Die Finalfolge hatte eine Einschaltquote von 85%! US-Kneipen erlebten drastische Umsatzeinbrüche. Viele Sportsbars versuchten dem zu entgehen, indem sie selbst Roots zeigten. Ein unglaublicher Hype war entstanden.

Heute ist die entscheidende Frage: War der Hype gerechtfertigt?
Generell ist die Frage, wie sehr Hypes überhaupt gerechtfertigt sind. Mit der Erwartungshaltung, die sich vor dem ersten Sehen aufbaut, wenn mensch solche Geschichten liest, wird eine Serie nie mithalten können.
Festzuhalten ist, das Roots 1977 absolut den Nerv der Zeit traf. Debatten über Rassismus waren in den Vorjahren auf vielfältige Art und Weise u.a. durch das Civil Rights Movement angestoßen worden und wurden nun durch diese Serie breit in der Gesellschaft verankert.
Gibt es seitdem keinen Rassismus mehr in den USA?
Genau hier kann dann auch eine Kritik an der Serie ansetzen.
Roots erzählt die Geschichte des Afrikaners Kunta Kinte, der versklavt und in die USA verschifft wird. Die Erzählung folgt ihm und seinen nachfolgenden Generationen bis zur Befreiung durch die Abschaffung der Sklaverei.
Immer wieder schimmert der erhobene Zeigefinger durch, was anstrengend wäre, wenn die Geschichte nicht mit so großartigen SchauspielerInnen auf einer ganz persönlichen Ebene erzählt wird. Gleichzeitig wird mensch das Gefühl nicht los, das sich die (weißen) Produzenten und Regisseure der Serie permanent für Vergangenes entschuldigen, nur um sich dann mit dem Happy End freizusprechen. Eine Thematisierung von Rassismus als kontinuierliche Kategorie von Denk- und Handelsweisen der gesamten Gesellschaft wird zwar kurz vor Schluss ganz grob angerissen, aber zuletzt doch eher weichgespühlt. Allerdings ist hier zu bedenken, dass es später noch eine ebenfalls hochgelobte Fortsetzung Roots – Die nächsten Generationen gab, die ich noch nicht gesehen habe.
In Anbetracht der Entstehungszeit und in Anbetracht dessen, das es sich um eine absolute Mainstreamproduktion handelt, ist die Auseinandersetzung mit Sklaverei und Rassismus als einem entscheidenden Teil der US-Vergangenheit im Großen und Ganzen gelungen und die Serie auch wegen ihrer Spannung durchaus weiter zu empfehlen.


1 Antwort auf “Immer schön der Reihe nach…”


  1. 1 Dexter « medium – wenn schon n3rd, dann richtig! Pingback am 28. November 2009 um 3:05 Uhr
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