Street Avantgarde

Was Avantgarde und revolutionär war, wurde integriert; was transzendieren sollte, zementierte einen Immanenzzusammenhang, aus dem für die Kunst kein Weg zu führen scheint. Kunst wird damit zum Betrug, leistet einen Beitrag zur „Aufklärung als Massenbetrug“ (Horkheimer / Adorno, Dialektik der Aufklärung). Was in ihr aufbewahrt wird, existiert nur noch als etwas, das in der Kunst aufzubewahren, nicht aber zu verwirklichen ist; ihr Versprechen wird von ihr im selben Moment gebrochen, weil sie, um die Möglichkeit der Einlösung zu erhalten, mehr sein müßte als Kunst. Ihr droht in der Moderne der Rückfall ins Design, in die Werbung; sie droht, vollends als Schmuck und Verschleierung der Verhältnisse, zur Barbarei zu werden, zum „Beweis“ dafür, daß sich in dieser Welt gut leben läßt.
Die Hoffnung knüpft sich an Benjamins Vorstellung, daß die Verhältnisse nur ein kleines Stück verschoben werden müssten, um den Bann zu brechen, um Alles so zu stellen, daß es sinnvoll ist. Die Idee ist also die, daß Street Art, etwa dadurch, daß sie mit der hergebrachten Isolation der Kunst in Museen und Gallerien bricht, vielleicht eben das Verhältnis von Kunst und Gesellschaft, wenn nicht auf den Kopf stellt, dann doch wenigstens so weit verrückt, daß Wege aus dem Verhängniss offenbar werden.

Aufstand der Zeichen? Zum Verhältnis von Street Art und Avantgarde.
(via rebel:art)