Archiv für Februar 2009

Ein Tag zum feiern

…ist Freitags sowieso immer.
Aber heute gibt es doppelt Grund zum feiern:
Das Bayrische Versammlungsgesetz wurde gekippt!

Der digitale Brad

Ob der Film The Curious Case of Benjamin Button was taugt, weiss ich nicht. Aber was ich eben gelernt habe ist, das dort wirklich geniale, nicht wahrnehmbare Special-Effects zum Einsatz kommen.

Das habe ich in dem 20-Minütigen Vortrag von Ed Ulbrich von der FX-Firma Digital Domain gelernt.
Der Wahnsinn:

via /film

Polizeieinsatz Dresden

Bitter: Die Auswertung des Polizeieinsatzes vom 13. Februar in Dresden (via)

Leverage

Als Marx für Anfänger beschreiben die Serienjunkies die Serie Leverage.

Eine Gruppe von Einzelgängern, Dieben, jeder auf seinen eigenen Profit bedacht, findet zusammen, weil es ohne eine Gemeinschaft, ohne Zusammenhalt, ohne ein Für- und Miteinander einfach nicht geht. Das „Jeder für sich“ ist passé. Wer möchte, kann darin vielleicht sogar das Bilden von „Koalitionen gegen die Bourgoisie“ entdecken, welches Marx in seinem „Manifest der Kommunistischen Partei“ vorschwebt.
(…)
In die gleichermaßen spannenden wie lustigen Geschichten mit ihren sympathischen Hauptfiguren und ihrem emotional warmen Grundton ist eine beißende Gesellschaftskritik eingeschrieben, die mit der Vision eines sozialen, eines menschlichen Miteinanders ausbalanciert wird. Wer immer sich als Serienmacher in nächster Zeit an Kapitalismuskritik versuchen will – „Leverage“ ist dafür im Augenblick das Maß aller Dinge.

Klingt ganz nett. Mal sehen, wann ich eine Gelegenheit finde, mir das mal anzusehen.

Torpedo

In nur 42 Minuten erzählt Torpedo im hohen Tempo die Geschichte der fünfzehnjährigen Mia (Alice Dwyer) und zeigt in fragmentarischen Szenen Ihre Kollision mit der linksresignativen Kulturszene.

Was eine linksresignative Kulturszene genau sein soll, hab ich nirgendwo gefunden, aber der Trailer zu Torpedo sieht nicht schlecht aus.
Was mich erschreckt: Die Regisseurin Helene Hegemann ist gerade mal 16 und hat das Drehbuch bereits mit 14 geschrieben! Irgendwas mach ich falsch! (oder richtig?)

Gesammelter Kram #4

Ein Nazi hat sich die Markenrechte an Hardcore gesichert, das berichtet der Infoladen Ludwigsburg.
Das heißt, dass in Zukunft alle, die z.B. ein T-Shirt, auf dem dieser Begriff auftaucht, Kohle an diesen Fascho abgeben müssen. Noch ist Widerspruch möglich!
 
In Nürnberg sollen Hartz-IV-Empfänger_innen als VS-Spitzel arbeiten. Wer sich weigert, dem werden Gelder gestrichen, schreibt die Rote Hilfe.
 
Mal was lustiges: Ein demokratisches Schachspiel
 
Mäßiges Design, beim überfliegen aber recht umfangreicher und interessanter Inhalt:
Ein neuer Reader über rechte Hardcoremusik
 

„An bayerischen Schulen werden rechtsextremistische Verhaltensmuster von Schülern – Auftreten, Aussehen, Kleidung, gesamtes Verhalten – nicht geduldet, auch wenn keine unmittelbaren Verstöße gegen bisherige Schulregeln bzw. Schulrecht vorliegen. Mit folgenden Maßnahmen wird frühzeitig gegengesteuert: […]
- Verbot des Tragens von „Symbolen“, die eine rechtsextremistische Gesinnung signalisieren, an Schulen (z. B. Springerstiefel in Verbindung mit weißen Schnürsenkeln oder hochgekrempelten Jeans).[…]“

Das Bayerische Handlungskonzept gegen Rechtsextremismus ist nicht bloß ein absurder Witz, sondern vor allem totalitarismustheroretische Wahnsinn.
Eine detaillierte Kritik bei Indymedia

In Österreich wurde der Schwarze Amerikaner Mike B., Lehrer an der “International School of Vienna”, von zwei Drogenfahndern schwer misshandelt. Angeblich wäre es eine „Verwechslung“ gewesen, mit einem Dealer, der B. ähnlich sehen soll.
Mehr dazu bei Der schwarze Blog.
 
Beim Mädchenblog gibt es einen ausführlichen Artikel über die Konstruktion des Indefinitivum als neutrale Geschlechtsform für die deutsche Sprache.
 
Erster Erfolg für den neuen Tarantino-Streifen Inglourious Basterds: Die Faschos um Molau sind genervt und wollen den Film „sabotieren“.
Zu dem Film gibt es auch inzwischen einige schicke Poster. Hier mein Favorit, wohl eine Anspielung auf ein Zitat von Woody Allen:
Basterds
Die anderen Poster gibt es bei Empire.
via Affenheimtheater
 
Kommunismus ist sexy?
Aus gutem Grund habe ich mich dem absurden Contest um das „schönste“ Plakat, das dem Blogsport-Hype gefolgt ist, enthalten. Das Ganze schwankt ja auch irgendwie zwischen geschmacklos, absurd und latent bis offen sexistisch.
Dann bleib ich doch lieber n3rd:

Bild gefunden bei Exploding Plastic nach Inspiration durch Neatorama
 
Und last but not least: Die Nachrichten

via Spreeblick

Räumung Flughafen

Alarmstimmung bei Frankfurt: Die Waldbesetzung wird geräumt!

„We‘re all being doin‘ one thing…

and one thing only:
Killing Nazis!“

Dieser sehr leckere Trailer ist leider nicht direkt einbettbar.

[edit]
Nachdem der YouTube-Link gelöscht wurde gibts nun den vollen Trailer bei /film.
[edit]

„I want my scalps!“

Inglourious Basterds wird so dermaßen rocken!
Den ganzen Trailer gibt es dann wohl heute Abend.
Hier ein Ausschnit von den Tarantino Archives:

Sünde?


via redblog

Ulm, Hannover, Stalingrad!

Ulm, Hannover, Stalingrad! Mit dieser Parole endet der Aufruf die Nazis am 1. Mai in Ulm zu stoppen.

Ein Haufen (antisexistischer) Filme

Ich habe in letzter Zeit fleißig Filme geguckt. Zum einen die Rob-Zombie-Knaller Haus der 1000 Leichen und dessen Fortsetzung The Devil’s Rejects, beide unblutiger und dafür athmosphärischer als erwartet.

Dann hab ich noch Female Trouble von John Waters gesehen, den ich absolut weiterempfehlen kann, allerdings fällt mir nicht angemessenes ein, das ich gerade dazu schreiben kann.

Ausführlicher berichten möchte ich von 3 Filmen: But I‘m A Cheerleader und If These Walls Could Talk 1&2.

Die versuchte Rekonstruktion
des heteronormativen Normalzustands

Yeah! Ich bin so intellektuell, eine solche Überschrift zu wählen. Fakt ist, dass es genau darum geht in But I‘m A Cheerleader (mäßiger deutscher Titel: Weil ich ein Mädchen bin). Und doch ist der Film weniger intellektuell, sondern vor allem ein großer Spaß, der mit permanentem Augenzwinkern diverse Klischees dekonstruiert.
Hauptfigur des Films ist die junge Cheerleaderin Megan. Da es ihr keinen Spaß macht, wenn ihr gutaussehender, Football spielender Freund sie küsst, weil sie in ihrem Spind Fotos von jungen Frauen in Bikinis und nicht wie ihre Freundinnen von halbnackten Kerlen hat und weil in ihrem Zimmer ein Poster von Melissa Etheridge hängt, glauben ihre Eltern und Freunde, dass Megan lesbisch ist.

Deshalb wird sie zu True Directions geschickt, einen Umerziehungscamp für Homosexuelle. Dort sollen alle die ihnen zustehenden Geschlechterrollen lernen. Während die Jungs beigebracht wird, Football zu spielen, sich kräftig und so richtig männlich an den Sack zu packen und Autos zu reparieren, sollen die Mädchen Hausputz, Bügeln und Tischmanieren lernen.

Doch wo so viele Schwule und Lesben auf einem Haufen sind, bleiben die verbotenen Romanzen natürlich nicht aus.

Gesondert hervorzuheben ist dabei auch das großartige Produktionsdesign, wo es eben Klischees entsprechend nur zwei wirkliche Farben gibt: Rosa und Blau.

Wäre nicht die Grundkonstruktion des Films auf dem Konflikt schwul/lesbisch vs. heteronormative Spießerwelt aufgebaut, dann wäre es dies eine unterhaltsame aber belanglose Teeniekomödie. So aber schafft der Film geschickt die Balance zwischen leichtfüßigem Humor und der Vermittlung von Grundlagen der Gender Studies.

Top!

‚‘If men had babies, we wouldn‘t be having this
conversation. It would be a done deal.'‘

Dieses Zitat stammt von Cher. Sie hat bei einer der 3 Episoden von If These Walls Could Talk (auf deutsch: Haus der stummen Schreie) Regie geführt. Schwangerschaftsabbrüche im Kontext unterschiedlicher Zeiten ist das Thema.

1952: Die verwitwete Krankenschwester Claire (Demi Moore) ist schwanger und das nur 6 Monate nachdem ihr Mann starb. Nachdem der Versuch selbst abzubrechen scheitert, entschließt sie sich, sich von einem Kurpfuscher helfen zu lassen.

1974: Die Lehrerin und vierfache Mutter Barbara (Sissy Spacek) ist erneut schwanger. Dabei ist sie gerade erst in den Schuldienst zurück gekehrt und wollte sich eigentlich stärker auf ihre Karriere konzentrieren. Jetzt denkt sie darüber nach abzutreiben.

1996: Christine (Anne Heche) ist von ihrem Professor geschwängert worden. Der möchte, dass sie abtreibt. Doch vor der Klinik von Dr. Thompson (Cher) trifft sie auf eine Gruppe von ProLiferinnen, die sie überzeugen wollen, die Schwangerschaft auszutragen.

Neben den inhaltlichen Parallelen wird der Film als ganzes dadurch zusammen gehalten, dass alle Episoden im selben Haus spielen. Die hochkarätige Besetzung überzeugt auf ganzer Linie. Insgesamt wird ganz klar deutlich, dass die Entscheidung für oder gegen einen Abbruch ganz allein bei der jeweiligen Frau liegen sollte und kein Mensch das Recht hat, sich moralisch über diese Frauen und ihre konkrete Lebenssituation zu stellen.

Insebsondere die letzte Episoden mit den amerikanischen Lebensschützern ist dann auch für die aktuelle Situation in Deutschland durchaus interessant zu sehen, wird doch gezeigt, wie deren so genannte Gehsteigberatung funktioniert. Denn auch in Deutschland treten diese reaktionären Abtreibungsgegner_innen immer häufiger in Erscheinung, sei es durch eben solche Gehsteigberatung oder durch ihre 1000-Kreuze-Märsche.

Dabei zeigt der Film insbesondere, welch gewalttätiges Niveau der Kampf der ProLifer in den USA damals hatte (wie es heute aussieht, weiß ich gar nicht so genau), wenn sich die Ärztin eben nur mit schussicherer Weste auf den Weg in die eigene Klinik machen kann.

Einen lesenswerten Artikel über die Entstehung des Films gibt es bei der New York Times.

„What, do you think I was protecting *MY* right to screw frat boys?“

In der Quasi-Fortsetzung If These Walls Could Talk 2 (deutscher Titel: Women Love Women) wird zwar das selbe Grundkonstrukt mit 3 zeitlich versetzten Episoden, die im selben Haus spielen, verwendet, allerdings geht es diesmal um das Leben von Lesben.

1961: Nachden Edith (großartig: Vanesse Redgrave) ihre Lebenspartnerin Abby durch einen Unfall verloren hat, tritt plötzlich deren Familie (u.a. Paul Giamatti) in Ediths Leben. Da das Haus, das Edith und Abby gemeinsam abbezahlt haben, auf dem Papier Abby gehörte, soll Edith nun plötzlich ausziehen.

1972: Eine lesbische-feministische WG wird aufgrund ihres offenen Umgangs mit ihrer Homosexualität aus ihrer feministischen Uni-Gruppe geworfen. Dann verliebt sich Linda (Michelle Williams) in die Butch Amy (Chloë Sevigny), was den anderen so gar nicht ins politische Weltbild passt.

2000: Das paar Kal (Ellen DeGeneres) und Fran (Sharon Stone) hat sich entschlossen, ein Kind zu bekommen. Nachdem der ursprüngliche Plan, dass Fran von einem Schwulen befruchtet werden soll, scheitert, entscheiden sie sich für einen Spender von der Samenbank. Doch die die Entscheidung, welches denn jetzt das richtige Sperma ist, fällt schwer.

Inhaltlich und politisch ist im Einzelnen nichts schwerwiegendes gegen die Episoden einzuwenden, insgesamt stößt aber die Gesamtkonstruktion des Films arg an ihre Grenzen. Entstand im ersten Teil ein Spannungsverhältnis ja gerade aus den Verhältnis von Parallelen und Unterschieden der einzelnen Episoden, so sind die in der Fortsetzung behandelten Konflikte einfach zu unterschiedlich, als dass sich die einzelnen Episoden zu einem geschlossenen Ganzen zusammen fügen. Das mag der geänderten Themensetzung entsprechend vielleicht auch angemessen und gewollt sein, funktioniert aber nur eingeschränkt.
Dazu kam dann bei mir auch noch eine ganz subjektive Aversion gegen Sharon Stone.

So ist dieser Film zwar auch mal ganz interessant anzusehen, aber da gibt es sicherlich bessere Filme.
(das ist eine Aufforderung zum kommentieren, falls wer da gute Beispiele hat)