Ein Haufen (antisexistischer) Filme

Ich habe in letzter Zeit fleißig Filme geguckt. Zum einen die Rob-Zombie-Knaller Haus der 1000 Leichen und dessen Fortsetzung The Devil’s Rejects, beide unblutiger und dafür athmosphärischer als erwartet.

Dann hab ich noch Female Trouble von John Waters gesehen, den ich absolut weiterempfehlen kann, allerdings fällt mir nicht angemessenes ein, das ich gerade dazu schreiben kann.

Ausführlicher berichten möchte ich von 3 Filmen: But I‘m A Cheerleader und If These Walls Could Talk 1&2.

Die versuchte Rekonstruktion
des heteronormativen Normalzustands

Yeah! Ich bin so intellektuell, eine solche Überschrift zu wählen. Fakt ist, dass es genau darum geht in But I‘m A Cheerleader (mäßiger deutscher Titel: Weil ich ein Mädchen bin). Und doch ist der Film weniger intellektuell, sondern vor allem ein großer Spaß, der mit permanentem Augenzwinkern diverse Klischees dekonstruiert.
Hauptfigur des Films ist die junge Cheerleaderin Megan. Da es ihr keinen Spaß macht, wenn ihr gutaussehender, Football spielender Freund sie küsst, weil sie in ihrem Spind Fotos von jungen Frauen in Bikinis und nicht wie ihre Freundinnen von halbnackten Kerlen hat und weil in ihrem Zimmer ein Poster von Melissa Etheridge hängt, glauben ihre Eltern und Freunde, dass Megan lesbisch ist.

Deshalb wird sie zu True Directions geschickt, einen Umerziehungscamp für Homosexuelle. Dort sollen alle die ihnen zustehenden Geschlechterrollen lernen. Während die Jungs beigebracht wird, Football zu spielen, sich kräftig und so richtig männlich an den Sack zu packen und Autos zu reparieren, sollen die Mädchen Hausputz, Bügeln und Tischmanieren lernen.

Doch wo so viele Schwule und Lesben auf einem Haufen sind, bleiben die verbotenen Romanzen natürlich nicht aus.

Gesondert hervorzuheben ist dabei auch das großartige Produktionsdesign, wo es eben Klischees entsprechend nur zwei wirkliche Farben gibt: Rosa und Blau.

Wäre nicht die Grundkonstruktion des Films auf dem Konflikt schwul/lesbisch vs. heteronormative Spießerwelt aufgebaut, dann wäre es dies eine unterhaltsame aber belanglose Teeniekomödie. So aber schafft der Film geschickt die Balance zwischen leichtfüßigem Humor und der Vermittlung von Grundlagen der Gender Studies.

Top!

‚‘If men had babies, we wouldn‘t be having this
conversation. It would be a done deal.'‘

Dieses Zitat stammt von Cher. Sie hat bei einer der 3 Episoden von If These Walls Could Talk (auf deutsch: Haus der stummen Schreie) Regie geführt. Schwangerschaftsabbrüche im Kontext unterschiedlicher Zeiten ist das Thema.

1952: Die verwitwete Krankenschwester Claire (Demi Moore) ist schwanger und das nur 6 Monate nachdem ihr Mann starb. Nachdem der Versuch selbst abzubrechen scheitert, entschließt sie sich, sich von einem Kurpfuscher helfen zu lassen.

1974: Die Lehrerin und vierfache Mutter Barbara (Sissy Spacek) ist erneut schwanger. Dabei ist sie gerade erst in den Schuldienst zurück gekehrt und wollte sich eigentlich stärker auf ihre Karriere konzentrieren. Jetzt denkt sie darüber nach abzutreiben.

1996: Christine (Anne Heche) ist von ihrem Professor geschwängert worden. Der möchte, dass sie abtreibt. Doch vor der Klinik von Dr. Thompson (Cher) trifft sie auf eine Gruppe von ProLiferinnen, die sie überzeugen wollen, die Schwangerschaft auszutragen.

Neben den inhaltlichen Parallelen wird der Film als ganzes dadurch zusammen gehalten, dass alle Episoden im selben Haus spielen. Die hochkarätige Besetzung überzeugt auf ganzer Linie. Insgesamt wird ganz klar deutlich, dass die Entscheidung für oder gegen einen Abbruch ganz allein bei der jeweiligen Frau liegen sollte und kein Mensch das Recht hat, sich moralisch über diese Frauen und ihre konkrete Lebenssituation zu stellen.

Insebsondere die letzte Episoden mit den amerikanischen Lebensschützern ist dann auch für die aktuelle Situation in Deutschland durchaus interessant zu sehen, wird doch gezeigt, wie deren so genannte Gehsteigberatung funktioniert. Denn auch in Deutschland treten diese reaktionären Abtreibungsgegner_innen immer häufiger in Erscheinung, sei es durch eben solche Gehsteigberatung oder durch ihre 1000-Kreuze-Märsche.

Dabei zeigt der Film insbesondere, welch gewalttätiges Niveau der Kampf der ProLifer in den USA damals hatte (wie es heute aussieht, weiß ich gar nicht so genau), wenn sich die Ärztin eben nur mit schussicherer Weste auf den Weg in die eigene Klinik machen kann.

Einen lesenswerten Artikel über die Entstehung des Films gibt es bei der New York Times.

„What, do you think I was protecting *MY* right to screw frat boys?“

In der Quasi-Fortsetzung If These Walls Could Talk 2 (deutscher Titel: Women Love Women) wird zwar das selbe Grundkonstrukt mit 3 zeitlich versetzten Episoden, die im selben Haus spielen, verwendet, allerdings geht es diesmal um das Leben von Lesben.

1961: Nachden Edith (großartig: Vanesse Redgrave) ihre Lebenspartnerin Abby durch einen Unfall verloren hat, tritt plötzlich deren Familie (u.a. Paul Giamatti) in Ediths Leben. Da das Haus, das Edith und Abby gemeinsam abbezahlt haben, auf dem Papier Abby gehörte, soll Edith nun plötzlich ausziehen.

1972: Eine lesbische-feministische WG wird aufgrund ihres offenen Umgangs mit ihrer Homosexualität aus ihrer feministischen Uni-Gruppe geworfen. Dann verliebt sich Linda (Michelle Williams) in die Butch Amy (Chloë Sevigny), was den anderen so gar nicht ins politische Weltbild passt.

2000: Das paar Kal (Ellen DeGeneres) und Fran (Sharon Stone) hat sich entschlossen, ein Kind zu bekommen. Nachdem der ursprüngliche Plan, dass Fran von einem Schwulen befruchtet werden soll, scheitert, entscheiden sie sich für einen Spender von der Samenbank. Doch die die Entscheidung, welches denn jetzt das richtige Sperma ist, fällt schwer.

Inhaltlich und politisch ist im Einzelnen nichts schwerwiegendes gegen die Episoden einzuwenden, insgesamt stößt aber die Gesamtkonstruktion des Films arg an ihre Grenzen. Entstand im ersten Teil ein Spannungsverhältnis ja gerade aus den Verhältnis von Parallelen und Unterschieden der einzelnen Episoden, so sind die in der Fortsetzung behandelten Konflikte einfach zu unterschiedlich, als dass sich die einzelnen Episoden zu einem geschlossenen Ganzen zusammen fügen. Das mag der geänderten Themensetzung entsprechend vielleicht auch angemessen und gewollt sein, funktioniert aber nur eingeschränkt.
Dazu kam dann bei mir auch noch eine ganz subjektive Aversion gegen Sharon Stone.

So ist dieser Film zwar auch mal ganz interessant anzusehen, aber da gibt es sicherlich bessere Filme.
(das ist eine Aufforderung zum kommentieren, falls wer da gute Beispiele hat)


1 Antwort auf “Ein Haufen (antisexistischer) Filme”


  1. 1 In These Walls Could Talk 3 « medium – wenn schon n3rd, dann richtig! Pingback am 10. Dezember 2009 um 18:49 Uhr
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