§218-Debatte

Die Debatte um Spätabtreibung wird in einer Zeit geführt, in der weißen deutschen Frauen die Verantwortung für die demografischen Zukunft der Nation aufgebürdet wird. Das geschieht durch moralischen oder finanziellen Druck und nicht erst seit gestern: Bereits 2006 hatte die Sozialministerin von Sachsen Helma Orosz gefordert, die finanzielle Unterstützung für Abbrüche zu reduzieren.
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Dass Frauen es sich zu einfach machen, ist das gängige Argument der Konservativen, denn die psychologische Zurichtung von Frauen zu sich aufopfernden und schuldig fühlenden Müttern ist Staatsräson. In einer Gesellschaft, in der Behinderung hauptsächlich als Kosten- und Karriereproblem gesehen wird und in der junge Mädchen schon bei der Rötelimpfung mit dem Bedrohungsszenario „behindertes Kind“ auf ihre Rolle als Hüterin der nationalen Gesundheit vorbereitet werden, gibt der Staat die Verantwortung für eine Spätabtreibung symbolträchtig an die einzelne Frau ab.

Sarah Diehl in der taz zur Debatte um §218
Die Gesetzesverschärfung ist ja inzwischen durch.