Die eigene Position reflektieren

Diverse große Medien und auch diverse Blogs haben in den letzten Tagen über einen Vergewaltigungsfall berichtet, der schon einige Jahre zurückliegt. Der Täter ist sehr prominent und der Fall ist durch aktuelle Vorkommnisse nun wieder ins Rampenlicht geholt worden.

Seitdem ich die erste Meldung dazu gelesen hatte, hab ich überlegt, ob und wie ich darüber bloggen kann.

Wie in jedem Fall, möchte ich das Konzept der Definitionsmacht beachten. Dazu ist es gerade aus der Distanz für mich als Blogger vor allem relevant, was die Betroffene will.
Dazu hab ich ein Statement von ihr gefunden:

I am no longer a 13-year-old child. I have dealt with the difficulties of being a victim, have surmounted and surpassed them with one exception…Every time this case is brought to the attention of the Court, great focus is made of me, my family, my mother and others. That attention is not pleasant to experience and is not worth maintaining over some irrelevant legal nicety, the continuation of the case.

Ein wichtiges Statement, das ich gerne weiterverbreite. Gleichzeitig gehe ich aber davon aus, dass durch die Medienpräsenz des Täters vermutlich die meisten Leser_innen dieses Posts eh schon wissen, von welcher Geschichte ich Rede.

Sollte ich daher überhaupt nichts dazu schreiben?
Macht es als kleiner, linker Blogger im Kontext der großen Medien, die alle darüber berichten, überhaupt einen Unterschied aus?
Soll ich den Täter klar benennen oder läuft das den Wünschen der Betroffenen entsprechend dem o.g. Zitat entgegen?
Inwieweit kann ich mich über die teilweise übelste Medienberichterstattung mit Victim-Blaming, Runterspielen der Vergewaltigung, etc öffentlich in meinem Blog auseinandersetzen, ohne eben genau die ganze Scheiße wieder aufzurollen?


4 Antworten auf “Die eigene Position reflektieren”


  1. 1 München Pervers 29. November 2009 um 21:52 Uhr

    Wäre es nicht als ersten Schritt auf dem Weg zu einem alternativen Herangehen die Quelle des zitierten Statements zu nennen?

  2. 2 medium 30. November 2009 um 17:42 Uhr

    Ist jetzt schon etwas her, daher müsste ich suchen. Das Problem war aber auch, dass die Betroffene bei der Quelle, die ich gefunden habe, mit vollem Namen genannt wurde, ich glaube es war auch sogar ein Foto von ihr dabei.

  3. 3 München Pervers 01. Dezember 2009 um 11:22 Uhr

    Finds nur problematisch, sich ‚medienkritisch‘ zu geben und dann eine Äußerung als Ausdruck der Definitionsmacht einer Betroffenen zu lesen, die höchstwahrscheinlich aus einem Massenmedium stammt.

  4. 4 medium 01. Dezember 2009 um 19:31 Uhr

    Da muss ich dir natürlich recht geben.

    Ob und inwieweit das Statement korrekt wiedergegeben wurde, kann ich natürlich nicht beurteilen.

    Ich habe allerdings in verschiedenen Quellen solche und ähnliche Aussagen gefunden, in dem Sinne, dass sie das Verfahren gerne eingestellt hätte, da sie die Aufmerksamkeit, die damit einhergeht, nicht haben möchte (oft wieder mit Namensnennung und Foto dazu).

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