Der politische Designer

Spätestens an dieser Stelle wird einmal mehr bewußt, daß Designer zwar großteils unpolitisch sein mögen – Design hingegen, direkt oder indirekt, im Grunde immer (auch) politisch ist. Was uns mitunter durchaus arg in die Verantwortung bringen kann.

Worum geht es? Darum:

Dazu schreibt dt:

Gut möglich, dass bei einer Kampagne, die sich in der Gestaltung der Stilmittel der Nationalsozialisten bedient, der Inhalt in den Hintergrund tritt. Das Motiv nährt Vorurteile und schürt Ängste. Minarette, die aussehen, als wären sie in den Boden gestellte Pershing-Raketen sind nicht grenzwertig, sie überschreiten die Grenze.

Und novum (aus dem Artikel ist auch das erste Zitat) schreibt:

Zu sehen ist auf dem in der Schweiz zwar recht präsenten, aber immerhin höchst umstrittenen Plakat eine perspektivisch dargestellte Nationalflagge, durchbohrt von schwarzen Minaretten mit Schatten – von links kommt eine verschleierte Frau mit Burka ins Bild, ebenfalls schwarz. Abgestimmt aber wird nicht über immer wieder diskutierte Kopftücher, es geht auch nicht um eine die ganze Schweiz überziehende Unmenge von Minaretten. Wie muß sich ein muslimischer Bewohner fühlen, wenn er solche Plakate sieht? Der Satz, so etwas müsse eine Demokratie aushalten, erscheint spätestens bei solchen Sujets als höchst alibihaft. Die Fragen sind also einmal mehr: Wie weit darf das Recht auf freie Meinungsäußerung gehen? Darf sie auch diskriminieren und Haß schüren?

Das dann leider erst (und meist halt eben auch nur) hier erkannt wird, dass Design hingegen, direkt oder indirekt, im Grunde immer (auch) politisch ist, und die Tatsache, dass dies sonst, wenn sich die Bösen nicht so einfach benennen lassen, eigentlich nie passiert, ist leider nicht überraschend.

Nun lässt sich in diesem Fall aber der Böse klar benennen.

Er macht Werbung gegen Schwule und den Islam: Alexander Segert, Chef einer Dübendorfer Werbefirma.

schreibt der Tagesanzeiger über ihn,

Später wurde Segert auch Herausgeber des VPM-nahen und Islam-feindlichen Bulletins «Bürger und Christ», in dem er gegen Schwule, Drogen und Abtreibung wetterte und vor «der schleichenden Infiltration des christlichen Abendlandes durch den Islam» warnte. Alexander Segert war selbst einmal ein Anhänger der rechten Psychosekte VPM – im Sinne einer «intellektuellen Herausforderung», wie er der «NZZ am Sonntag» erklärte.

Diesen Spätsommer machte Segert in Österreich von sich reden, als er für die Rechtspopulisten der Vorarlberger FPÖ den Wahlkampf managte. Vom «Rattenwerber aus der Schweiz» war in den Medien die Rede. In den FPÖ-Parolen schwangen antisemitische Untertöne mit – mit Sprüchen gegen Türken und Asylbewerber lässt sich in Österreich als Rechtsaussen offenbar nicht mehr punkten. «Elterngeld nur für heimische Familien», forderte die FPÖ auf Segerts Plakaten.

Die Agentur, des Mannes, der auch für das schwarze Schaf-Plakat verantwortlich ist, entwickelte auch ein Online-Game für die Anti-Minarett-Kampagne, wie die SZ berichtet:

Während der Anti-Minarett-Kampagne löste nicht nur das Plakat, sondern auch ein Computerspiel Diskussionen aus. Die Anti-Minarett-Initiative schaltete das Spiel mit dem Namen „Minarett-Attack“ online. Im Vordergrund sah man darin Schweizer Häuser, Brücken und Kirchtürme. Dahinter das Matterhorn, auf seinem Gipfel wehte eine Schweizer Fahne.

Sobald man das Spiel startete, wuchsen überall Minarette aus dem Boden. Auf den Balkonen der Häuser standen plötzlich Muezzine. Die Aufgabe für den Spieler: So viele Muezzine wie möglich in kurzer Zeit zu erschießen. Das Spiel war nicht zu gewinnen. Stattdessen erschien am Ende: Game Over. „Die Schweiz ist voller Minarette. Damit das nicht passiert: Am 29. November ja zur Minarettsverbotsinitiative.“

In der Schweiz gab es Diskussionen, ob das Spiel verboten werden sollte. Es blieb eine ganze Weile online. Inzwischen ist das Spiel nicht mehr zu finden, die Webadresse minarett-attack.ch existiert nicht mehr. Dafür gibt es jetzt ein gültiges Minarett-Verbot.


1 Antwort auf “Der politische Designer”


  1. 1 Nachtrag: Der angeschmierte Designer « medium – wenn schon n3rd, dann richtig! Pingback am 30. Dezember 2009 um 1:59 Uhr
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