Die SDAJ als „Protest-Manager“

Niemand trinkt Bier, es kreist kein Joint, und statt auf ranzigen Sofas zu lümmeln, sitzen motivierte junge Menschen aufrecht an einem großen Konferenztisch. Das Weiß der Wände, das helle Parkett, die kühle Einrichtung – hier riecht es mehr nach Kreativ-Agentur als Kommunismus.

„Außenstehende glauben noch die alten Klischees, dass alles politisch Linke siffig und gammelig ist“, grinst Lena und lässt mit der Zunge das Lippenpiercing in ihrem Mundwinkel zucken. „Man muss organisiert und diszipliniert sein, sonst kann man nichts bewegen“, sagt sie. Und die Partys? „Das gehört dann eher ins Privatleben.“

Auch für Kerem Schamberger gilt diese Trennung. „Viele meiner Freunde sind eher unpolitisch – das muss aber auch so sein, sonst bleibt man immer auf der selben Schiene.“

Als „Protest-Manager“ bezeichnet der Soziologe Wilfried Ferchhoff Kerem, Lena und viele andere Aktivisten der neuen Generation. Gute Teamarbeit, straffe Organisation, das Bewusstsein um die Wirkung neuer Medien und nüchterne Risikokalkulation – was die Fähigkeiten angeht, unterscheiden sich Protestler und ihre Feindbilder, die skrupellosen Führungskräfte in der globalisierten Welt, kaum mehr, meint Ferchhoff. Jung, dynamisch und dagegen – die piefigen Aktivisten aus dem Punk-Milieu seien heute nur noch Randerscheinungen.

Die ganze Absurdität gibt’s bei der Abendzeitung zu lesen.


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