Brand in Schweizer Asylbewerberheim

Medienspiegel.ch schreibt:

Habe ich ein altmodisches Verständnis von Journalismus? Offenbar – hoffnungslos veraltet.

Heute Nacht (Donnerstag, 25.2.) um 3.45 Uhr brannte in Kappelen ein Asylbewerberheim lichterloh. Es kam zu dramatischen Szenen, wie ich mich nicht erinnern kann, von so etwas in den letzten Jahren gelesen zu haben: 14 Schwerverletzte, 30 Verletzte insgesamt, schwere Knochenbrüche, Beckenbrüche nach Stürzen aus dem Fenster, «verängstigte Mütter halten schreiende Kinder auf dem Arm, ein Mann schlotternd barfuss in der Kälte, Rettungswagen in Minutentakt.»

Unsere sonst so kreglen Online-Dienste zitieren auch noch Stunden später als Quelle ihrer dürren Kurzmeldungen entweder sda («Tagesschau»), «die online-Ausgabe des Bieler Tagblatts» (Newsnetz) oder «einen Polizeireporter» («20minuten.ch»).

Die «Tagesschau» hat noch um 10.30 Uhr eine karge 12-Zeilen-sda-Meldung aufgeschaltet. Bei «NZZ Online» und Newsnetz verschwanden die Meldungen zwischendurch gar völlig.

Noch um 10.30 Uhr wird «auf die Medienkonferenz um 10 Uhr» verwiesen. Dort kann man sich wenigstens bequem hinsetzen.

Sechs Stunden nach einem solchen Ereignis? Nicht in Timbuktu, sondern im Kanton Bern, bequem im Zug, erster Klasse, vollklimatisert in 40 Minuten erreichbar.