Un-Pak-Bar!

Die in München seit ein paar Monaten auftretende Gruppe PAKT hat ein Selbstverständnis auf ihrer Homepage veröffentlicht. Ich habe mir mal die Mühe gemacht, mir das Ding komplett durchzulesen, um euch die größten Highlights präsentieren zu können:

# PAKT
PAKT ist ein Zusammenschluss von revolutionären Genossen und Genossinnen, der auf die Aktion hin orientiert ist und sich die dazu notwendige gesellschaftliche Analyse erarbeitet.
# Ziel ist die Herstellung der revolutionären Einheit und Geschlossenheit im Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung.

Wer wir individuell sind, ist egal, denn wir müssen nun also revolutionäre Einheit werden.
Meine Assoziation zu „Geschlossenheit“ will ich gar nicht erst aussprechen, weil dieser Vergleich dann doch haken würde, auch wenn er durch die Sprachwahl provoziert wird.

# Deswegen nützt es nichts, in reformistischer Art und Weise an einigen negativen Erscheinungen etwas zu verändern, sondern das Übel muss an der Wurzel gepackt werden.

Okay, dann schaun wir mal, was die Wurzel ist und wie ihr’s anpacken wollt…

# Klassenstandpunkt
Die kapitalistische Gesellschaft ist in Klassen gespalten.
# Die Klasse des Großbürgertums, die die meisten Produktionsmittel, das meiste Geldkapital, den Boden und viele andere Ressourcen besitzt und von der Ausbeutung anderer Menschen in parasitärer Weise lebt.
# Das Kleinbürgertum, das Produktionsmittel und Privatbesitz hat, selber noch arbeiten muss, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, und ständig zwischen Großbürgertum und Arbeiterklasse zerrieben wird.
# Und schließlich die ArbeiterInnenklasse, die nichts besitzt und gezwungen ist, ihre Arbeitskraft gegen Lohn zu verkaufen, um existieren zu können.

Das ist ganz klare monolitische Einheiten, die total eindeutig getrennt sind. Da gibt’s auch keine Grauzonen.
Ach ja, und wer ist wohl „parasitär“? (mit gerolltem „r“?)

# Die ArbeiterInnenklasse ist die einzige Klasse, die ein konsequentes Interesse daran hat, das kapitalistische Ausbeutersystem abzuschaffen.
# Aus diesem Grund sind deren Kämpfe der Hauptbezugspunkt unserer Politik.

Cool. Homogenisierte Gruppen als handelndes Subjekt mag ich. Und dass das Interesse vorhanden ist, merke ich jeden Tag. Auf der Arbeit sind da echt alle interessiert dran.

# Antimilitarismus
[…]
# Wir kämpfen gegen jegliche Einsätze der Bundeswehr im Ausland und im Innern, für die Herauslösung der Bundesrepublik aus der NATO und für die Umwandlung der Bundeswehr in eine reine und auf Wehrpflicht basierende Verteidigungsarmee

Respekt! Unter dem Label Antimilitarismus eine Wehrpflicht zu fordern schafft nicht jede_r.
Ich mag es auch, dass hier, wie oben angekündigt, das Übel an der Wurzel gepackt wird.

# Rassismus dient in der kapitalistischen Gesellschaft vor allem dazu, den gemeinsamen Kampf der multiethnisch zusammengesetzten ArbeiterInnenklasse zu spalten und zu schwächen.

Also haben sich die Kapitalisten den Rassismus ausgedacht?
Oder umgekehrt gefragt: Müssen wir jetzt also erst den Rassismus abschaffen um die ArbeiterInnenklasse zu vereinen oder müssen wir einfach gleich den Kapitalismus abschaffen, weil dann der Rassismus von allein verschwindet?

# Antifaschismus
Faschismus ist die offen terroristische Herrschaftsform des Kapitals, die ihre Massenbasis in den Mittelschichten der Gesellschaft hat.
# Sie dient vor allem der Unterdrückung, Zerschlagung und Liquidierung der gesamten, organisierten ArbeiterInnenbewegung, egal ob revolutionär oder reformistisch.
[…]
# Revolutionärer Antifaschismus heißt für uns, die Wurzeln und Ideologie des Faschismus – Kapitalismus, Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung von Behinderten, nationale Volksgemeinschaft statt internationaler Klassenkampf, Führerprinzip – und seine Unterstützer in konservativen Parteien und im Staatsapparat aufzudecken, anzugreifen und zu beseitigen.
# Der Kampf gegen den Faschismus kann nur dann erfolgreich sein, wenn alle ArbeiterInnenorganisationen eine antifaschistische Einheitsfront bilden.

Drum links, zwei, drei; Drum links, zwei, drei…
(und hatte den Song inzwischen für einen ironisch angehauchten Partyschlager gehalten)

# Antipatriarchal
Lohnabhängige Frauen sind in einer patriarchal geprägten kapitalistischen Gesellschaft einer zweifachen Ausbeutung und Unterdrückung ausgesetzt.
# Sie verdienen deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen, ihre Sexualität wird ausgebeutet, unterdrückt und/oder angegriffen und sie tragen immer noch die Hauptlast in der Hausarbeit und bei der Erziehung der Kinder.
# Die Befreiung der Frau ist nur möglich durch die Befreiung der ArbeiterInnenklasse von Ausbeutung und Unterdrückung.
# Wir kämpfen für die volle, auch wirtschaftliche und finanzielle Gleichberechtigung von Mann und Frau, für die volle Integration der Frauen in die Erwerbsarbeit, für die Vergesellschaftung der Hausarbeit und Kindererziehung.

1. Warum sollen alle in die Erwerbsarbeit? Wollen wir nicht lieber mal endlich die Erwerbsarbeit abschaffen?
2. These 3 heißt, dass wir uns doch vor der Revolution am besten nicht mit Sexismus, Patriarchat und dem ganzen Schmuh aufhalten sollten, vor allem nicht bei uns selbst, weil das vorher eh nix bringt, oder?

# Für Sozalismus und Rätedemokratie
Wir sind für den Sozialismus und für die Weiterentwicklung der bürgerlichen Demokratie zur Rätedemokratie.

Also doch keine Revolution sondern bessere Reformen, die Sozialismus genannt werden?

# Bündnisarbeit
Wir streben die Zusammenarbeit mit allen Organisationen der ArbeiterInnenklasse und fortschrittlichen bürgerlichen Kräften an.

Da kann ich nur hoffen, dass die euch dann nicht für radikale Linke halten.

Beim Lesen dieses Selbstverständnisses schwankte meine Stimmung durchgehend zwischen belustigt und entsetzt. Da scheint eine Gruppe von Leuten beinahe sämtliche Debatten der letzten 20-30 Jahre verschlafen zu haben.
Differenzierte, vielfältige Individuen scheint es in ihrer Analyse gar nicht zu geben, nur die homogene Masse der „Klasse“, die es in ihren Räten schon irgendwie richten wird.
Letztendlich müssen wir die paar Großbürger köpfen, dann wird das schon alles, oder wie?

Ich kann nur hoffen, das Gruppen und Einzelpersonen die ernsthaft solche Analysen vertreten wollen, nicht allzuviel Anschlüsse finden können.
Und damit genau sowas nicht passiert, halte ich es für wichtiger, sich die Ergüsse solcher Gruppen mal etwas genauer anzuschauen und zu beleuchten, als sich mit ein paar Datumsspielereien auseinanderzusetzen oder sich über französisch-sprachige Demonstrationsmottos aufzuregen, weil wir ja hier in Deutschland sind und da wird gefälligst Deutsch gesprochen!


31 Antworten auf “Un-Pak-Bar!”


  1. 1 herr klöss 12. April 2010 um 18:25 Uhr

    danke für diesen bericht..man das man solchen menschen noch auf in der linken trifft macht einen entweder wütend oder traurig (aber vll ist das beste über sie zu lachen..

  2. 2 badabing 13. April 2010 um 3:02 Uhr

    Yeah steinzeitkommunismus/sozialismus aka leninismus gegen den selbst der gute spitzbart wie eine speerspitze (um im wörterjargon zu bleiben) der emanzipation wirkt…die ham nich nur die diskussionen der letzten jahre, sondern des ganzen letzten (bzw. auch vorletzten) jahrhunderts verschlafen! „zusammenschluss von revolutionären genossen und genossinnen“ (bipolarität rules!), die „für den sozialismus“ sind…niemand erkennt den Widerspruch dumdidumdidum…und jetzt ab ans gewehr für die nationale PAKT-verteidigungsarmee…denn auch du gehörst PAKTopia…*weinenlachenbeschämtzubodenblicken*

  3. 3 badabing 13. April 2010 um 3:04 Uhr

    achja fast vergessen: ich kann gar nich so viel fressen, wie ich kotzen möchte! gute nacht allerseits

  4. 4 Rotstift 15. April 2010 um 23:00 Uhr

    Dass du diese Gruppe doof findest habe ich nun erfahren können, dafür reichen (sollte es ein vollständiger Satz werden) schon vier Worte.
    In deinem Artikel wird aber selten klar, was die für Fehler machen. Du begründest fast nichts.
    Dem zur Seite stehen Fehler auf deiner Seite.
    Um deiner Forderung „Und damit genau sowas nicht passiert, halte ich es für wichtiger, sich die Ergüsse solcher Gruppen mal etwas genauer anzuschauen und zu beleuchten,…“ gerecht zu werden solltest du dich nun mit meiner kritischen Beleuchtung auseinandersetzen

    „Wer wir individuell sind, ist egal, denn wir müssen nun also revolutionäre Einheit werden.“
    Die wollen sich in der Sache einig sein.
    Seid wann ist es denn auch in politischen Dingen wichtig, wer man individuell ist? Das ist doch keine Kontaktbörse.

    „Meine Assoziation zu „Geschlossenheit“ will ich gar nicht erst aussprechen, weil dieser Vergleich dann doch haken würde, auch wenn er durch die Sprachwahl provoziert wird.“
    Was wird denn bei dir provoziert und weshalb. Das könntest du immerhin aussprechen.

    Ich kann von meiner Seite aus sagen, dass ich an Geschlossenheit nichts auszusetzen habe. Die meinen damit doch das gleiche wie mit Einigkeit, dass man eben als Gruppe nicht mal so und mal so was daherredet.

    „Das ist ganz klare monolitische Einheiten, die total eindeutig getrennt sind. Da gibt’s auch keine Grauzonen.“
    Die eine „Grauzone“ haben sie doch beschrieben, als die Gruppe die gleichzeitig Kapitalisten und Arbeiter sind und sich selbst ausbeuten müssen um ihren Profit zu machen, Handwerker zB.
    Eindeutig getrennt sind die ansonsten schon in welche deren Eigentum als Kapital taugt (sich also ‚von selber‘ vermehren kann) und die, die ihre Arbeitskraft anbieten müssen um an ein mickriges Entgeld zu gelangen, dass kaum für einen Monat reicht. Dass diese Gruppe die Klassen für monolithisch und total eindeutig getrennt hält schreiben sie erstens überhaupt nicht und zweitens tut es nichts zur Sache, wenn man sich den grundlegenden Klassenwiderspruch anschaut, das es da auch glatt ein paar gibt, die man nicht so leicht der einen oder anderen Klasse zuschlagen kann.

    „Ach ja, und wer ist wohl „parasitär“? (mit gerolltem „r“?)“
    Welches adjektiv würde dir denn für die Ausbeutung einer Klasse durch eine andere besser pasen? Parasitär ist da doch noch ganz nett. Parasiten richten ihren Wirt meistens nicht so zu Grunde, wie es das Kapital mit den Arbeitern tut.
    Erklär mal die Nazianspielung. Daraus geht nicht so leicht hervor, wie genau du das meinst. Unterstellst du denen jetzt Antisemitismus oder fällst du auf den sogenannten faschistischen Antikapitalismus rein?

    „Cool. Homogenisierte Gruppen als handelndes Subjekt mag ich.“
    Halt mal deine Vorurteile im Zaum. Homogenisiert sind die nicht. Arbeiterklasse schon. Und daraus ergibt sich ne ganz klare Stellung in der kapitalistischen Ökonomie. Die ist nicht in deren Interesse. Das ist ein Fehler, den man denen erklären muss.

    „Und dass das Interesse vorhanden ist, merke ich jeden Tag. Auf der Arbeit sind da echt alle interessiert dran.“
    Dass sich das Interesse nun aktuell nicht bei jedem (Untertreibeung) zeigt, hat halt andere Gründe, die nichts mit der Klassenzugehörigkeit zu tun haben, sondern mit den Ideologien die hier gepflegt werden.

    „Also haben sich die Kapitalisten den Rassismus ausgedacht?“
    Haben die nicht behauptet.

    „Oder umgekehrt gefragt: Müssen wir jetzt also erst den Rassismus abschaffen um die ArbeiterInnenklasse zu vereinen oder müssen wir einfach gleich den Kapitalismus abschaffen, weil dann der Rassismus von allein verschwindet?“
    Warum sollte ein Arbeiter mit rassistischem Weltbild, sich für einen Umsturz der gesellschaftlichen Verhältnisse interessieren? Der hat doch eine Erklärung seines Elends parat: Ausländer sind Schuld. Den Rassismus muss man denen schon austreiben, bevor man ans Eingemachte geht. Sonst brennen die nur Asylantenheime nieder und denken damit wärs erledigt.
    Gleichzeitig ist es ja auch so, dass beim begründeten Aufhetzen gegen Staat und Kapital, alle Gründe für den Rassismus demontiert werden. Weder ist die eigene Nation, das eigene Volk eine tolle Sache, die ständig von Minderwertigen ausgenutzt und zerstört wird, noch würde es einem besser gehen, wenn man die Schmarotzer los wäre. Dazu gehört auch eine Kritik des rassistischen Denkfehlers, von wahllos bestimmten Merkmalen auf das Denken der Merkmalträger zu schliessen.

    „Drum links, zwei, drei; Drum links, zwei, drei…
    (und hatte den Song inzwischen für einen ironisch angehauchten Partyschlager gehalten)“

    Wie bitte? Erklär.

    „These 3 heißt, dass wir uns doch vor der Revolution am besten nicht mit Sexismus, Patriarchat und dem ganzen Schmuh aufhalten sollten, vor allem nicht bei uns selbst, weil das vorher eh nix bringt, oder?“
    Nein. Da steht was anderes.

    „Also doch keine Revolution sondern bessere Reformen, die Sozialismus genannt werden?“
    Der Fehler ist doch nicht, dass die sich für die ‚falsche Seite‘ des Gegensatzpaars entschieden haben. Ich stoße mich da eher an deren Ziel (Rätedmokratie) und deren komischer Geschichtsvorstellung, da würde sich was weiterentwickeln.

    „Da scheint eine Gruppe von Leuten beinahe sämtliche Debatten der letzten 20-30 Jahre verschlafen zu haben.“
    Und nur weils debatten der letzten 20-30 jahre sind, muss man die „mitbekommen“ haben? Vielleicht haben sie das ja, nur zogen sie andere Schlüsse? Aktualität ist kein Kriterium für Wahrheit.

    „Differenzierte, vielfältige Individuen scheint es in ihrer Analyse gar nicht zu geben, nur die homogene Masse der „Klasse“, die es in ihren Räten schon irgendwie richten wird.“
    Wie kommen denn differenzierte, vielfältige Individuen hier vor?
    Da ist die Analyse doch völlig korrekt. Du bist halt ein Arbeiter oder einer der arbeiten lässt (ob direkt das geld oder erstmal andere Arbeiter). Was haben denn da die ganzen Individualitäten zu suchen?
    Und was hat man überhaupt von seiner differenzierten Vielfältigkeit, selbst wenn man nich Lohnarbeitet sondern sich in einer Produktion für die gesellschaftlichen Bedürfnisse betätigt? Es ist absolut nichts besonderes sich in Fragen der Lebensführung von anderen zu unterscheiden und nur eine Stilfrage. Darauf bildet man sich heutzutage ne ganze Menge ein. Alles sieht finster aus, kein Spaß auf dem Job, Geld fehlt, aber ey, ich bin doch immer noch wer! Ich bin cooler, weiss über dies und jenes Bescheid, kenne mich immer gut aus, bin superkritisch, lass mich nicht verarschen, ich bin nicht so ein Mitläufer etc. So kann man sich auch prächtig einrichten. Die entsprechenden Angebote finden sich dann auch zu Hauf. Provokant kann man dabei auch sein und sich was auf die entsetzte Reaktion von (Groß-)Eltern und den verhassten Spießern einbilden. Aber irgendwas Richtiges über die Staatsgewalt oder gar die Ökonomie haste damit noch lange nicht aufgespiesst. Und so kommt es auch, dass man sich in seiner Superindividualität ständig aktuell halten muss, was nicht schon wieder uncool geworden ist und kritisch beäugt wie doch glatt das hochgeschätzte Anders-Sein gar nicht mehr so anders ausschaut, wenn es bei H&M im Schaufenster hängt oder bei Saturn verramscht wird.

    „Letztendlich müssen wir die paar Großbürger köpfen, dann wird das schon alles, oder wie?“
    Wenn das so einfach wäre…

  5. 5 Hans W. 16. April 2010 um 11:30 Uhr

    @Rotstift:
    Du kannst da hin und her lamentieren, wie du willst, mit einer Gruppe, die ein solches Selbstverständnis raushaut, kann nicht zusammengearbeitet werden, weil was die da verzapfen is a totaler Schmarrn!

    Die permanente fast schon religiöse Beschwörung einer „Klasse“ und die Analyse aller genannter (und vermutlich auch aller nicht genanntet) Unterdrückungsmechanismen als reines Instrument, die heilige Klasse zu spalten greift mehr als nur zu kurz. Von Intersektionalität hat da noch niemand was gehört.

    Und von Parasitär zu sprechen anstatt mal die Wirkungsweise des Kapitalismus zu analysieren ist antisemitisch oder strunzdumm oder beides.

  6. 6 Rotstift 16. April 2010 um 17:05 Uhr

    @Hans W.:
    Hab ich gesagt irgendwer soll mit denen ‚zusammenarbeiten‘?
    Ich wollte darauf hinweisen, dass diese Form der Auseinandersetzung nichts bringt. Überzeugen tut man niemanden, wenn man keine Gründe angibt, die die Kritik belegen.

    Erklär mal was eine religiöse Beschwörung ‚einer „Klasse“‘ ist. Haben die halt nichts von Intersektionalität gehört, ich auch nur vom Hörensagen. Was ist denn nun der Fehler daran?

    Wie kommst du vom Parasitismus zum Antisemitismus? Die beschreiben lediglich wie sie sich die ‚Wirkungsweise‘ des Kapitalismus vorstellen, wie du es doch gefordert hast.

  7. 7 Rotstift 16. April 2010 um 22:08 Uhr

    Zur ‚Zusammenarbeit‘:
    Die kann es gerne geben, wenn sie so aussieht, dass man diese Gruppe auf ihre Fehler hinweist und sie davon überzeugt ihren Standpunkt zu verwerfen. Dazu müsste man aber mehr leisten, als deren Behauptungen zu paraphrasieren und ihnen als Frage zu präsentieren.

  8. 8 Lila Stift 17. April 2010 um 18:53 Uhr

    Ich stimme Rotstift dahingehend zu, dass die Kritik von Medium eher assoziativ und argumentfrei ist. Nun denn, eine Kritik an Pakt wie eine an der Pakt-Kritik:

    # Banken, Multinationale Konzerne, Großaktionäre, Fabrik- und Großgrundbesitzer eignen sich den Mehrwert privat an, den die arbeitende Bevölkerung produziert.
    # Die Gesetzmäßigkeiten des kapitalistischen Markt- und Profitsystems führen zwangsweise zu ungeheurem Elend

    Die scheinen das Problem nur im Privatbesitz auszumachen, nicht darin dass gewinnorientiert getauscht wird. Das Problem hierbei: Die Gesetzmäßgkeiten des Marktes gelten insofern auch für ich als sozialistisch verstehende Staaten, wie ich diese an einem Markt bewegen.

    Entsprechend ein Sozialismus, der nicht ohne Lohnarbeit auskommt. PAKT will Vergstaatlichung und Rätedemokratie, aber keinen Bruch mit Staat und Eigentum. Was die wollen ist vielleicht besser als das bestehende – aber nicht der Kommunismus, nein, nein.

    Monolithische Einheiten & Parasitän

    Analytisch macht der Klassenbegriff total Sinn. Die Wortwahl „parasitär“ ist dann antisemitisch, wenn die Leserin die Assozition Parasiten = Juden hat, also schon antisemitsch ist. Anssonsten sie Rotstift.

    Patriarchat:
    These 3 heißt, dass wir uns doch vor der Revolution am besten nicht mit Sexismus, Patriarchat und dem ganzen Schmuh aufhalten sollten, vor allem nicht bei uns selbst, weil das vorher eh nix bringt, oder?

    Jein. Bei militantem Selbstschutz benennen die Männergewalt gegen Frauen klar als eine Sache, die so ernst zu nehmen ist wie Bullen oder Nazis – auch vor der Revolution. Patriarchat erscheint hier aber nur als Verhältnis zwischen Gechlechtern die irgendwie schon ausserhistorisch da sind, nicht sozial gemacht. Das Patriarchat, um mal beim Begriff zu bleiben, wird hier nicht als das Verhältnis begriffen dass uns in unserer Subjektivität stark prägt. Deshalb fehlt der Verweis darauf, bei ich selber anzufangen, deshalb fehlt der Verweis auf Heterosexismus oder die Möglichkeit der Dekonstruktion.

    Lohnarbeit abschaffen, ja klar. Solange das nicht passiert it, sind wir alle (ausser den Subsistenzbäuerinnen) irgendwie darin integriert. Der partielle Ausschluss aus dieser Kacke, den Frauen erfahren, macht sie nicht besser: Im real existierendem Kapitalismus hierzulande arbeiten Frauen häufiger prekär, in mehreren Jobs, schlechter bezahlt, weil die Meinung herrscht dass sie in der Lohnarbeit nicht so viel verloren haben und im Zweifelsfall im Haushalt verschwinden. Arbeit wird nicht besser, wenn dir keiner eine gibt.

    Analog deren Rassismusbegriff: Dieser dient dazu die Klasse zu spalten. Das ist erstmal nicht falsch, und verfehlt doch den Kern der Sache: Die Subjekte in der Klasse haben ein Interesse an dieser Spaltung, wo sie ihnen Vorteile in der Konkurrenz und symbolische Aufwertung bringt. Um Rassismus zu bekämpfen, um hin zur revolutionären Einheit zu kommen, müssen wir ihn als internes Problem der Klasse begreifen, nicht als ein von aussen hin getragenes.

    Drum Links zwo drei, drum Links zwo drei, wo dein Platz Genosse ist! Rei dich ein in die Arbeitereinheitsfront weil du auch ein ARbeiter bist!

    Medium, deinen Hohn auf die Idee der antifaschistischen Einheitsfront halte ich für Grundfalsch. Was hätte nicht alles veerhindert werden können, wenn die KPD nicht Moskauer Aussenpolitik, die SPD nicht bürgerliche Antikommunismus betrieben hätte, wenn beide Organisationen zusammen gegen die NSDAP gestanden wären? Sicher, der beste Antifschismus ist immer noch die soziale Revolution – aber wenn die gerade nicht drin ist, muss man halt Antifa machen. By the way: Das Logo der „Antifaschistischen Aktion“, zwei rote Fahnen im Kreis, stammt au dem verspäteten Versuch so ein Bündnis zu schmieden. Es ist bitterste Ironie, dass heutige Antifas dieses Symbol tragen und gleichzeitig den Genossinnen von damals noch immer ihre Niederlage vorwerfen. Von wegen Partyschlager.

    Internationalismus

    Der einzige Grund, der dem PAKT einfällt, um internationalistisch zu sein, ist dass es das Kapital auch schon ist. Befreiung ist nicht teilbar, sie darf nicht an Landesgrenze haltmachen. Unser Ziel ist die weltweite Kommune, schon deshalb müssen unsere Kämpfe global angelegt sein.

    Imperialismus

    In der Analyse von Pakt vermisse ich, dass, von den reichsten Staaten global, von manchen anderen Lokal, der Imperialismus darauf abzielt, die kapitalistischen Geschäftsgrundlagen zu sichern, manchmal überhaupt erst herzustellen. Es sind eben nicht nur die innerimperialistischen Konkurrenzen, sondern auch die kapitalistisch Bedingten Auschlüsse, die kriegerisch gemanaged werden müsse – failed states stabilisieren, Migrationsrouten kappen, die globalen Armen in Lagern im nirgendwo zu verwalten.

    Dialektik von Reform und Revolution

    … ist dem PAKT bestimmt kein Fremdwort. Trotzdem bestimmen sie nirgends, was Tagesforderungen sind und was Utopie. Das macht es so leicht, den Text gegen sie auszulegen. Das spricht auch dafür, dass sie keine revolutionäre Abschaffung der bestehenden Strukturen anstreben, sondern eine radikale Demokratisierung derselben.

    Sozialismus in einem Land

    PAKT will nicht nur einen eigenwilligen Sozialismus, dieser soll auch noch an den Landesgrenzen haltmachen. Die sozialistische Sovietrepublik auf dem Gebiet der ehem. BRD, die sie anstreben, ist ein Sozialismus in einem Land. Dieser wird dann von keiner Arbeiterinnenmiliz verteidigt, sondern von der zur Verteidigungsarmee Bundeswehr. Auch dieser Staat wird irgendwie wirtschaften müssen, wird seine Bevölkerung verwalten und mit Zuwanderung umgehen müssen. Dieser Staat wird zum Teil vor ähnlichen Problemen stehen wie die BRD jetzt – und wenn der Blick in die Geschichte wie in die Regalmeter revolutionärer Theorie uns etwas sagt, dann sicherlich das noch jeder Staat in Form gegossene Machtpolitik ist. Mit der will PAKT nicht brechen.

  9. 9 Rotstift 17. April 2010 um 20:19 Uhr

    „Die Subjekte in der Klasse haben ein Interesse an dieser Spaltung, wo sie ihnen Vorteile in der Konkurrenz und symbolische Aufwertung bringt.“
    Ein Vorteil in der Konkurrenz ist der eigene Rassismus doch überhaupt nicht. Wie soll das denn gehen?
    „Hallo Chef, Neger sind faul, nimm lieber einen Volksdeutschen wie mich.“
    „Klar, das sehe ich ein.“
    ???

  10. 10 hans-rüdiger 18. April 2010 um 14:59 Uhr

    ich denke, was hier einige nicht verstehen, und daher die angriffe auf medium: das ganze ist nicht im eigentlichen sinne eine ausdifferenzierte kritik, die es mit jeder belegstelle super genau nimmt. das ganze ist eine polemik und dabei ist nunmal mehr erlaubt. na, klar mensch kann polemiken finden wie mensch denn will, ich halte sie bei diesem thema für angebracht. eine differenzierte politische kritik würde text ernster nehmen, als mensch ihn von seiner argumentativen qualität her nehmen sollte, was nicht heissen soll, dass der text nicht eine gewisse wirkmächtigkeit hat, was eben eine beschäftigung sinnvoll erscheinen lässt.

    das bild, dass der pakt von „der arbeiterInnenklasse“ zeichnet, quillt über von revolutionsromantik und verklärung. klar es gibt leute, die nichts besitzen ausser ihrer arbeitskraft und es macht auch sinn, diese analytisch als klasse zu fassen und ebenfalls macht es sinn, dass sich diese leute, wenn sie denn keine lust aufs verwertetwerden haben sich eben auch als revolutionäre klasse zusammenzuschliessen. so eine kommunistische weltrevolution kommt ja nicht von alleine.
    was der pakt hier aber macht ist bei weitem mehr. durch den implizierten automatismus vom ausgebeutetwerden zu revolutionärer aktion, negiert sie vollkommen die subjektivität der ausgebeuteten. sie werden nicht mehr als individuuen gefasst, sondern einzig als masse der arbeiterInnen und haben auch nur im plural, als kämpfendes proletariat (historische) subjektivität. ihr handeln wird tatsächlich nur als handeln einer masse gedacht, (im besten falle als revolutionäres kollektiv, im schlechtesten als wehrpflicht-basierte verteidigungsarmee des herbeigesehnten soviet-deutschlands).
    die wirklichkeit ist aber wie immer komplizierter und wenn arbeiterInnen nun nicht wie gewünscht den ganzen tag streiken, rote fahnen schwenken, ministerpräsident_innen entführen usw., sondern gegen „die juden“ hetzen oder „ausländer“ verpügeln, dann muss von aussen das böse über die reine arbeiterInnenschaft gekommen sein. dann haben die „herrschenden“ sich wohl einen rassismus und vielleicht sogar auch einen antisemitismus ausgedacht.
    das arbeiter_insein per se nocht nichts gutes bedeutet, dass auch „arbeiterInnen“ eigenständig handeln und dabei nunmal auch rassist_innen und antisemit_innen sein können und oft genug sind, dass will denjenigen denen der faschismus als „die offen terroristische Herrschaftsform des Kapitals, die ihre Massenbasis in den Mittelschichten der Gesellschaft hat.
    Sie dient vor allem der Unterdrückung, Zerschlagung und Liquidierung der gesamten, organisierten ArbeiterInnenbewegung, egal ob revolutionär oder reformistisch.“ gilt, nicht einleuchten. dass im nationalsozialismus eben gerade rassismus und antisemitismus über alle klassengrenzen hinweg verbreitet waren, vielmehr, dass in der antisemitischen und rassistischen volksgemeinschaft der klassenantagonismus von beiden seiten her, also von arbeiter_innen, wie kapitalist_innen, gerne eingeebnet wurde, daran kann und will ein pakt gar nicht denken.

    auch spannend ist die tatsache, dass pakt zwar in seinem eigenen selbstverständnis die ganze welt erklären will, das wort „antisemitismus“ u.a. allerdings dabei an keiner stelle vorkommt.

    zur affirmation binärer und ausschliessender geschlechterverhältnisse und zu so viel anderem könnte man noch seiten vollschreiben, aber das sollen andere tun, falls sie denn zeit und lust haben.

  11. 11 Tobes 18. April 2010 um 21:13 Uhr

    ??? … (komme über der x-berg-link hierher) die diskussion verblüfft mich. Ihr habt da offensichtlich eine „linkskommunistische“ Gruppe vor euch. Gibt´s außerhalb deutschlands häufiger, zugegeben.

    Im Fall von „Pakt“ deutet die Beibehaltung des Antifaschismus und des Einheitsfrontkonzeptes auf einen trotzkistischen Hintergrund, da die „orthodoxen“ Gruppen jenes Spektrums den Antifaschismus gemeinhin als bürgerliche Ideologie verdammen.

    Für einen Einblick in die Debatte empfielt sich

    http://libcom.org/forums/theory/why-are-some-communists-considered-be-left-others-06042010

  12. 12 medium 19. April 2010 um 10:37 Uhr

    Da hab ich überlegt, was ich hier auf die Disco noch antworten soll und da kommt hans-rüdiger und nimmt mir die Worte aus dem Mund.
    Herzlichen Dank!

    Ergänzend kann ich eigentlich nur nochmal wiederholen/betonen:
    Einen Text der allein schon unter dem Punkt Antimilitarismus eine Wehrpflicht fordert kann ich nicht wirklich ernst nehmen und dementsprechend auch nur sehr schwer ernsthaft diskutieren.

  13. 13 Lila Stift 19. April 2010 um 15:54 Uhr

    @ rotstift:
    Ein Vorteil in der Konkurrenz ist der eigene Rassismus doch überhaupt nicht. Wie soll das denn gehen?

    Stimmt, ein Vorteil in der Konkurrenz ist der Rassismus des Chefs und der des Staates. Läuft aber drauf raus, dass die Arbeiterin sich einbilden kann, von einem gesamtgesellscahftlichen Rassismus zu profitieren. Und eine Möglichkeit, sich via Abwertung der „Anderen“ besser zu fühlen, ist das immer noch.

    @ hans-rüdiger & medium
    Klar, mensch darf gerne polemisieren, verbietet ja keiner. Bring aber nicht viel mehr als Edutaining the convertet: Die, die die gleichen Reflexe haben und die Polemik teilen fühlen sich bestätigt darin, wie böse der Pakt ist. Die anderen finden keinen Grund, ihre Meinung zu ändern. In einem haben die Gehirnschnecken recht: Du musst den anderen ihre Fehler schon nachweisen, anstatt die inhaltliche Styleberaterin zu spielen:“Die sind sowas von 80ties!“

    Das sie tatsächlich von Antimilitarismus auf Wehrpflicht kommen, hat einen ziemlichen Unterhaltungswert … sie könnten inhaltlich das gleiche Programm haben, und unter der Rubrik Sozialismus (die es dann geben müsste) schreiben: „Um die Rätedemokratie zu schützen und um sicherzustellen, dass die Produktion in Arbeiterhand bleibt, wird die Bundeswehr in eine, auf Wehrpflicht basierende, Verteidigungsarmee umgewandelt“.
    Das ist deren Position, die gilt es zu kritisieren als was sie ist: Die Bundeswehr ist eine Armee ist eine Armee ist eine Armee, also ein auf Befehl und Gehorsam basierender Zwangsapparat, der den Willen des Staates durchsetzt. Und dabei „militärische Tugenden“, wie Härte, Gehorsam, Männlichkeit verbreitet. Dagegen scheint der Pakt nichts zu haben, solange der Staat ein sozialistischer Rätestaat ist. Also wieder der gleiche Fehler, das Problem „Militarismus“ nur als eines des falschen Staates zu sehen, und damit verbunden die Unfähigkeit ihn richtig zu kritisieren.

    Na, so schwer das ernsthaft anzudiskutieren war das jetzt auch nicht. Wenn du, medium, dich für einen Ausschluss von Pakt stark machst, dann solltest du irgendwo, irgendwann, das auch mal ernsthaft diskutieren.

  14. 14 medium 20. April 2010 um 16:54 Uhr

    @Lila Stift:
    Zwischen der artikulierten Hoffnung, dass eine Gruppe wenig Anschlüsse findet und dem expliziten Stark machen für einen Ausschluss, wie du es formulierst und mir unterstellst, sehe ich schon noch einen Unterschied.

    Anonsten wurden ja schon Teile der Sache hier in den Kommentaren ernsthaft andiskutiert und bei den meisten der Stellen die ich zitiere, denke/hoffe ich, dass für die meisten Leute der Bullshit offensichtlich genug ist, und es reicht, da kurz ein wenig polemisch drauf hinzuweisen und dass ich mir die Mühe sparen kann das ausführlichst, sachlich und detailliert zu widerlegen (weil dafür ist mir dann doch auch meine Zeit zu kostbar)

  15. 15 Rotstift 21. April 2010 um 4:11 Uhr

    @hans-rüdiger:
    „das ganze ist nicht im eigentlichen sinne eine ausdifferenzierte kritik“
    Das ist mir sonnenklar, nur scheint medium wirklich gedacht zu heben, er leiste damit der Kritik an PAKT einen Dienst:
    „Ich kann nur hoffen, das Gruppen und Einzelpersonen die ernsthaft solche Analysen vertreten wollen, nicht allzuviel Anschlüsse finden können.
    Und damit genau sowas nicht passiert, halte ich es für wichtiger, sich die Ergüsse solcher Gruppen mal etwas genauer anzuschauen und zu beleuchten…“

    Und so stieg ich auch in meinen Kommentar ein.

    „angriffe auf medium“
    Was denn für Angriffe? Wenn man den Austausch von Argumenten, wie einen Angriff auf die eigene Person wertet, dann sollte man lieber die Fresse halten. Sonst wird einem doch glatt widersprochen, äh, man wird angegriffen.

    „das ganze ist eine polemik und dabei ist nunmal mehr erlaubt.“
    Das „Mehr“ ist hier ein „Weniger“, nämlich weniger Begründung. Dass es bei der polemischen Betrachtung „erlaubt“ ist, sei mal dahingestellt, ich bin kein Deutschlehrer. Aber „Ich mach hier Polemik.“ als Freifahrtschein für assoziativ-unbegründetes Ablehnen unter Beimengung eigener Fehler zu begreifen würd ich dir dann doch dick in ROT anstreichen. Ich halte den Beitrag eher für Comedy, was mich mehr entsetzte als belustigte.

    „klar es gibt leute, die nichts besitzen ausser ihrer arbeitskraft und es macht auch sinn, diese analytisch als klasse zu fassen und ebenfalls macht es sinn, dass sich diese leute, wenn sie denn keine lust aufs verwertetwerden haben sich eben auch als revolutionäre klasse zusammenzuschliessen. so eine kommunistische weltrevolution kommt ja nicht von alleine.“
    So wie du und medium über die Klassen schreiben, nehm ich euch überhaupt nicht ab, dass ihr verstanden habt worum es da geht. Die sind verdammt real. Und da geht es auch nicht darum, dass da mal wer keine Lust aufs Verwertetwerden hat. Die werden immer noch zugrunde gerichtet. Ein Leben in Armut im Tausch für eine Existenz als Objekt (Subjekt sind die doch überhaupt nicht, nicht einmal bei der Zusammenstellung ihres Einkaufszettels) der kapitalistischen Produktion, als Standortfaktor, als Menschenmaterial, als Kaufkraft, als Volk.

    „dass im nationalsozialismus eben gerade rassismus und antisemitismus über alle klassengrenzen hinweg verbreitet waren, vielmehr, dass in der antisemitischen und rassistischen volksgemeinschaft der klassenantagonismus von beiden seiten her, also von arbeiter_innen, wie kapitalist_innen, gerne eingeebnet wurde, daran kann und will ein pakt gar nicht denken.“
    Übrigens gegen genau diese ‚Einebnung‘ wendet sich das Lied von der Arbeitereinheitsfront;)

    Die Vorstellung dass es keine Klassen mehr gibt (bzw. nicht im ehemaligen Sinn, sondern als Schichten), sondern nur noch ‚die Gesellschaft‘ (spezieller: die nationale Bevölkerung) ist keine Erfindung der Nazis und nicht nicht mit ihnen untergegangen. Das wird auch heute noch gerne verbreitet von oben bis unten und intelektuell begleitet. Sozialpartner sind wir. ArbeitGEBER und ArbeitNEHMER. An einem Strang ziehen wir. Uns allen wird das auch nützen. Mir kommt es glatt so vor, als hätte ausgerechnet die freiheitliche Demokratie dieser Ideologie zu ihrer Blüte verholfen.

    „auch spannend ist die tatsache, dass pakt zwar in seinem eigenen selbstverständnis die ganze welt erklären will, das wort „antisemitismus“ u.a. allerdings dabei an keiner stelle vorkommt.“
    Was soll das denn bedeuten? Spannend? Finde ich nicht spannend.
    Was treibt dich denn um, dass du die ganze Welt in einem Selbstverständnis erklärt bekommen möchtest? Zu faul um nachzufragen? Oder soll das schon ganz bedeutend für sich selbst stehen, die sagen nichts zum Antisemitismus und wer schweigt stimmt zu oder duldet oder was auch immer?

    @medium:
    „Da hab ich überlegt, was ich hier auf die Disco noch antworten soll und da kommt hans-rüdiger und nimmt mir die Worte aus dem Mund.
    Herzlichen Dank!“

    Es gibt für dich noch einiges zu beantworten. Besonders der Punkt mit der ‚vielfältigen Individualität‘ würde mich interessieren.
    Und warum soll eine Gruppe, die sich Kritik an den bestehenden Verhältnissen zum Ziel gesetzt hat, die Individualitäten ihrer Mitglieder anerkennen? Und nicht in dem Sinne, dass Mitglied A viel arbeitet und nicht oft mithelfen kann, B im Denken etwas langsamer ist und C Dreadlocks trägt (also als Rücksicht auf individuelle Fähigkeiten, Möglichkeiten) , sondern schon programmatisch auf die eine Einheit zu verzichten, auf die es doch gerade ankommt.
    Und wie meinst du das mit den Grauzonen?
    Zu dem Wort ‚parasitär‘ hast du auch nichts weiter geschrieben.
    Was war das noch mit den Diskussionen der letzten 20-30 Jahre? Wenn die dazu führten, dass man schon fast keine Klassen mehr sieht (bzw. Scharz, Weiß und Grauzone die Klassenanalyse ersetzen), dass man Bekenntnisse zur vielfältigen Identitätspolitik fordert und das alles nicht einmal zu begründen vermag, dann sollte man dazu auffordern diese Diskussionen auch weiterhin zu verpassen.

  16. 16 Rotstift 21. April 2010 um 4:22 Uhr

    „Zwischen der artikulierten Hoffnung, dass eine Gruppe wenig Anschlüsse findet und dem expliziten Stark machen für einen Ausschluss, wie du es formulierst und mir unterstellst, sehe ich schon noch einen Unterschied.“
    Den kannst du bestimmt auch genau bezifern. Irgendwo zwischen wenig und überhaupt nicht. Und wie seht das im Zusammenhang mit deiner Kritik?

    „bei den meisten der Stellen die ich zitiere, denke/hoffe ich, dass für die meisten Leute der Bullshit offensichtlich genug ist“
    Wo lebst du denn? Befindet sich denn die Offensichtlichkeit des Fehlers, auf Lohnarbeit als Quelle des eigenen Auskommens zu setzen, in einem Zusammenhang mit der Einsicht das sie das nicht ist? Wenn das schon überhaupt nicht aufgeht, dann doch wohl deine billige Kalkulation darauf, dass man dich schon irgendwie verstehe, sicher nicht. Wenn dir deine Zeit zu Schade ist, dann lass es halt bei „Ich finde die doof.“, wie ich es dir schon in meinem ersten Kommentar vorschlug. Dann betreibe eine Kritik halt aus dem Bauch heraus, als Vorwurf an die andere Seite, nicht so zu denken wie man selbst. Dazu muss man nicht einmal eigene Zeit aufs Denken angewendet haben, sondern kann sofort ans Ablehnen gehen.

  17. 17 medium 21. April 2010 um 11:26 Uhr

    So wie du und medium über die Klassen schreiben, nehm ich euch überhaupt nicht ab, dass ihr verstanden habt worum es da geht. Die sind verdammt real. Und da geht es auch nicht darum, dass da mal wer keine Lust aufs Verwertetwerden hat. Die werden immer noch zugrunde gerichtet. Ein Leben in Armut im Tausch für eine Existenz als Objekt (Subjekt sind die doch überhaupt nicht, nicht einmal bei der Zusammenstellung ihres Einkaufszettels) der kapitalistischen Produktion, als Standortfaktor, als Menschenmaterial, als Kaufkraft, als Volk.

    „dass im nationalsozialismus eben gerade rassismus und antisemitismus über alle klassengrenzen hinweg verbreitet waren, vielmehr, dass in der antisemitischen und rassistischen volksgemeinschaft der klassenantagonismus von beiden seiten her, also von arbeiter_innen, wie kapitalist_innen, gerne eingeebnet wurde, daran kann und will ein pakt gar nicht denken.“
    Übrigens gegen genau diese ‚Einebnung‘ wendet sich das Lied von der Arbeitereinheitsfront;)

    Die Vorstellung dass es keine Klassen mehr gibt (bzw. nicht im ehemaligen Sinn, sondern als Schichten), sondern nur noch ‚die Gesellschaft‘ (spezieller: die nationale Bevölkerung) ist keine Erfindung der Nazis und nicht nicht mit ihnen untergegangen. Das wird auch heute noch gerne verbreitet von oben bis unten und intelektuell begleitet. Sozialpartner sind wir. ArbeitGEBER und ArbeitNEHMER. An einem Strang ziehen wir. Uns allen wird das auch nützen. Mir kommt es glatt so vor, als hätte ausgerechnet die freiheitliche Demokratie dieser Ideologie zu ihrer Blüte verholfen.

    Der Fehler der meines Erachtens hier in der Analyse gemacht wird, ist, dass alles auf einen simplen Klassenantagonismus reduziert wird und alle darüber hinausgehenden Unterdrückungsmechanismen nur in dieses Schema gepresst werden, ohne zu differenzieren.
    Für mich stellt sich, wenn Leute eine Gesellschaftsanalyse ausschließlich auf dem Konstrukt von Klassen konstruieren, schon die Frage, wo fangen die an, und wo hören die auf.
    Eine Reduzierung in „Herrschende“ und „Beherrschte“ geht meines Erachtens am Zustand dieser Gesellschaft vorbei, was nicht heißen soll, dass es diese Konstellation nicht in bestimmten Situationen und Zusammenhängen gibt, im Gegenteil.
    Aber wenn Leute sagen, wir haben grundsätzlich diese 2 Klassen, wer ist dann bei welcher? Arbeitslose und Angestellte lassen sich ja noch klar einordnen, aber was ist mit Abteilungsleiter_innen? Mittleres Management? Einfache Bundestagsabgeornete? Meistern eines kleinen Fachbetriebs?, etc, etc.
    Das ist einfach ein viel zu komplexes Hierarchiesystem, in dem diverseste Menschen je nach Kontext mal mehr, mal weniger Freiheiten und Entscheidungsmöglichkeiten haben, aber da spielen dann eben auch weit mehr Faktoren rein. Klassismus ist dabei eine Struktur, von der Leute mal mehr profitieren und mal mehr unterdrückt werden. Aber eben auch Kategorien, wie „Geschlecht“, „Rasse“, „Gesundheit“ und eben auch „Klasse“ sind Konstruktionen, die sich jeweils mal mehr mal weniger stark je nach Person, Kontext und Situation in den jeweiligen Subjekten manifestieren/manifestiert werden und durch sie und auf sie als Unterdrückungsmechanismen einwirken, so dass sie je nach Situation von einer solchen Hierarchie mal profitieren und mal unterdrückt werden.
    Dass das natürlich nicht, äh, fair und gleichmäßig aufgeteilt ist, und dass einige Leute deutlich mehr von den diversen Mechanismen profitieren, während viele das dann nicht tun, ist klar.
    Hier nun aber mit einem Ansatz zu kommen, der sich darauf reduziert einen Klassenantagonismus vertiefen zu wollen, und dabei alle anderen Unterdrückungsmechanismen höchstens noch wegen einer Spaltung der Klasse wahrzunehmen greift viel zu kurz.

    „auch spannend ist die tatsache, dass pakt zwar in seinem eigenen selbstverständnis die ganze welt erklären will, das wort „antisemitismus“ u.a. allerdings dabei an keiner stelle vorkommt.“
    Was soll das denn bedeuten? Spannend? Finde ich nicht spannend.
    Was treibt dich denn um, dass du die ganze Welt in einem Selbstverständnis erklärt bekommen möchtest? Zu faul um nachzufragen? Oder soll das schon ganz bedeutend für sich selbst stehen, die sagen nichts zum Antisemitismus und wer schweigt stimmt zu oder duldet oder was auch immer?

    Mit dem Selbstverständnis die ganze Welt zu erklären, klang für mich eher nach einem Anspruch, den sich PAKT selbst gestellt hatte. Wenn das nicht die Absicht war, dann wird mir das nicht deutlich.

    Und warum soll eine Gruppe, die sich Kritik an den bestehenden Verhältnissen zum Ziel gesetzt hat, die Individualitäten ihrer Mitglieder anerkennen? Und nicht in dem Sinne, dass Mitglied A viel arbeitet und nicht oft mithelfen kann, B im Denken etwas langsamer ist und C Dreadlocks trägt (also als Rücksicht auf individuelle Fähigkeiten, Möglichkeiten) , sondern schon programmatisch auf die eine Einheit zu verzichten, auf die es doch gerade ankommt.

    Wie ich oben geschrieben habe, haben wir eben jenes komplexe Netz diversester Unterdrückungsmechanismen, in denen jeden Subjekt eben auch immer etwas anders positioniert ist. Dementsprechend geht es auch immer darum, eben genau diese Subjektposition innerhalb dieses Netzes mit zu reflektieren und sich dann miteinander zu solidarisieren und zu organisieren, aber die eigene Verstricktheit in die Verhältnisse nie auszublenden. Passiert dass gibt es eine Einheit um der Einheit willen, die dann aber wohl kaum eine emanzipatorische Perspektive entwickeln kann.

    Und wie meinst du das mit den Grauzonen?

    s.o.

    Zu dem Wort ‚parasitär‘ hast du auch nichts weiter geschrieben.

    Dieses Argument ist meines erachtens – um mal eine Formulierung zu verwenden, bei der einige dann wieder gleich zumachen – strukturell Antisemitisch.

    Dies ist einfach die exakte Bildsprache der Nazis, wenn es darum ging zwischen „raffendem“ und „schaffendem“ Kapital zu unterscheiden und so die Schuld am kapitalistischen Blödsinn „den Juden“ in die Schuhe zu schieben.

  18. 18 lila stift 22. April 2010 um 17:37 Uhr

    Zu dem Wort ‚parasitär‘ hast du auch nichts weiter geschrieben.

    Dieses Argument ist meines erachtens – um mal eine Formulierung zu verwenden, bei der einige dann wieder gleich zumachen – strukturell Antisemitisch.

    Bei „strukturellem Antiemitismus“ mach ich nicht zu, ich denk mir nur falscher Ansatz. Das du aus einem Wort die exakt gleiche Bildersprache wie die Nazis herausliest, hat viel mit diesem falschen Ansatz zu tun, und wenig mit dem was da steht. Wäre ich sportlich, vielleicht fände ich in deinem blog einen Begriff der so im Zusammenhang steht wie er auch in irgendeiner Nazi-Bildersprache gebraucht wird. Ansonsten warte ich die nächste Demo ab, bei der Hinrichtungen („… ein Nazigenick!“) oder Massengräber (“ Stalingrad, Stalingrad, Nazis ab …“) gefeiert werden. Du siehst, wohin deine Fahndungslogik führt, wenn man damit nicht so beliebig umgeht wie du? Besser, doch etwas mehr Kontext bedenken als nur das eine Wort.

    Was impliziert parasitär? Das ist eine biologistische Metapher, die einen Körper beschreibt der sich von einem anderem Körper, zu dessen Schaden ernährt. Problematisch daran ist, dass wenn dieses Bild auf das Klassenverhältnis angewendet wird, zwei Fehler passieren: Erstens werden die sozialen Rollen Arbeiterin und Kapitalistin essenzialisiert, wodurch zweitens verschleiert wird das kapitalistische Unterdrückung – die immer auch direkte Abängigkeitsverhältnisse erzeugt – zunächst mal über Tausch und die Trennung der Produzentin von den Produktionsmitteln erzeugt und vermittelt wird. Eine antikapitalistische Praxis lässt sich entlang dieser Analyse nicht entwickeln.

    Was hat das mit Antisemitismus zu tun? Nichts, ausser, eine hört überall, wo von Macht geredet wird „die Juden!“ – sei es weil sie glühende Antisemitin ist, sei es weil sie die falschen Adorno-Exegesen gelesen und geglaubt hat. Was ist daran nationalistisch, um die Frage mal vorweg zu nehmen? Nichts, ausser eine kann sich den geschundenen Arbeiterinnenkörper nur als nationales Kollektiv denken.

    Grund genug für PAKT für eine andere Wortwahl in ihrem Selbstverständnis, falls sie hier mitlesen. Und den Grund liefert der Nazivergleich nur für Leute, die das eh schon so sehen. Edutaining the converted, once again.

  19. 19 badabing 23. April 2010 um 22:43 Uhr

    also ich kann mediums assoziation bei ‚parasitär‘ schon irgendwie nachvollziehen, nazis und sonstige rechte nutzen diese metapher aus der insekten und pflanzenwelt relativ häufig, um politische gegner_innen als ‚volksschädlinge‘,'asoziale‘,’schmarotzer‘ usw. zu brandmarken (beispiel gefällig? guckst du hier. solche rhetorik findet mensch halt eher bei rechten und das kann auch ein PAKT mal bitte zur kenntnis nehmen. das mit dem antisemitismus find ich auch n bisserl schwierig, ich finde es reicht auch schon MENSCHEN wie gemüse und insekten behandeln zu wollen, vor allem wenn mensch bedenkt, wie menschen (also auch der PAKT) ’schädlinge‘ gemeinhin behandeln (zerdrücken, vergiften etc.)…

    was ich aber 10000-mal wichtiger finde als alles, was hier so wild und leidenschaftlich (nett ausgedrückt) diskutiert wird, ist die Tatsache, dass eine Gruppe, die mit im Vorbereitungskreis der anti-siko-proteste (nur so zur erinnerung: eine dezidiert ANTIMILITARISTISCHE demo) sitzt, die forderung hat, eine ARMEE (knirsch, aber mit viel hingabe, zeitaufwand und anderer bezeichnung noch irgendwie hinnehmbar) mit ALLGEMEINER WEHRPFLICHT (doppelknirsch, nicht mehr auszuhalten und für mich ein echter grund nicht mehr am internationalistischen block teilzunehmen [da krieg ich nämlich emanzipatorischere forderungen im samba-hippie-dudel-block]) zu bilden!!! wie scheiße ist das denn bitte!?!

    wie schon gesagt wurde, was unter ‚antipatriarchat‘ steht, ist eine beleidigung für jede_n, die_der sich schon mal mit antisexismus auseinandergesetzt hat, aber da konnte ich nochma (eher mehr) soviel schreiben, dass kostet mir zuviel zeit.

  20. 20 Rotstift 29. April 2010 um 23:11 Uhr

    @medium:
    Es ist schon hart, wie du lauter Folgen der Entwicklung des Kapitalismus, als Argumente gegen seinen immer noch geltenden (sonst wärs ja kein Kapitalismus) Zweck aufführst.
    Auch wer wen beherrscht und wie ist verdammt eindeutig und nicht irgendwie immer mal anders.

    Als ob sich, weil es (ausgerechnet!) ein mittleres Management und einfache(!) Bundestagsabgeordnete(!!!) gibt, irgendwas daran geändert hätte, dass es immer noch darum geht, dass ein Kapitalist aus einem Haufen Geld einen größeren Haufen Geld macht und was das für Härten mit sich bringt (Lohnarbeit, Elend) und vorraussetzt (Staat, Eigentum). Das ist überhaupt nicht komplex und vor allem kein „Hierarchiesystem“, bei dem es ums gegenseitige abqualifizieren geht.
    Die absolute Höhe ist es dann, den Gegensatz zwischen Kapitalisten und Proletariat mal eben zum Klassismus zu verharmlosen, als ob das Problem wäre, dass Proleten nicht genug Respekt bekommen und deswegen so wenig Lohn raus kommt (oder wie auch immer sich das in deinem Gehirn darstellt). Klasse ist keine Konstruktion sondern ein reales Gewaltverhältnis zwischen Menschen die nichts haben außer ihrem Leben und denen, die viel mehr haben als sie brauchen und andere dafür schuften lassen, dass es noch mehr wird.

    Deine Gegnerschaft (zu was eigentlich) entzündet sich dann auch nicht an dem Elend das schon ein ganz gewöhnliches Lohnarbeiterleben bereithält, sondern daran, dass man beim Hierarchiespielchen am Ende im Negativen landet, dass man mehr unterdrückt wird als unterdrückt hat. Die Lösung wäre wohl die sauberer Unterdrückungskontoführung. Da muss man sich auch nicht mit so komplexen Fragen, wie der nach den Gründen dafür, dass sich ein Prolet eher als Mann, Deutscher, Opelfahrer und Rostock-Fan sieht, als als das was er hier ist: ein Knecht des Kapitals, herumschlagen.

  21. 21 Rotstift 29. April 2010 um 23:13 Uhr

    @parasitär:

    Da muss man schon selber den Übergang zu Juden machen, damit das antisemitisch wird. Und dazu muss man schon ein Antisemit sein. Und nur weil Nazis das Wort auf ihre Art benutzen und aufgrund ihres Rassismus schon wissen, wen sie damit meinen, heisst es nicht, dass jeder Benutzer des Wortes den Rassismus teilt. Als Metapher passt der Parasitismus schon auf das Ausbeutungsverhältnis. Muss man halt erklären können, wie man das meint. Fragt doch PAKT, was sie mit Kapitalisten so anstellen wollen, anstatt hier so öde herumzuraten.
    Ebenso erledigt sich auch lila stifts Einwand. Den Übergang von der Metapher zum Biologismus muss man auch selber anstellen, der passiert nicht automatisch. Da könnte man auch vermuten, dass einer, der daraus einen Biologismus macht, an dem Fehler des Biologismus eh nichts aszusetzen hatte. Muss man den eben korrigieren und nicht die Metapher.

  22. 22 Bamberger_in 12. Mai 2010 um 11:31 Uhr

    Gut und Böse im Kapitalismus?
    Die Arbeitsverhältnisse, die vielfach so unmenschlich und schwer erträglich erscheinen, sind Folge ab­soluten Zwangs im Kapitalismus, nicht der böse Wille einzelner „Bonzen“. Werden nun die Arbeit und ihre Verhältnisse mit dem Mantel von Produktion, Schaffen und Volksgemeinschaft verhüllt, und damit der Kritik entzogen, wird tiefgreifende Kritik verunmöglicht. Diese ist nur mit Blick auf die Gesamtverhältnisse möglich. Alle am Markt Tätigen – vom Handwerk bis zum Konzern – folgen derselben Logik der Wertschöpfung, allerdings mit unterschiedlichem wirtschaftlichen Erfolg. Eine Kritik, die zwischen raffendem und schaffendem Kapital trennt, verkennt die Totalität des Wirtschaftssystems. Sie unterscheidet in gute und böse Teilnehmer_innen am Ge­schehen, in jene also, die raffen – die „Manager“, „Heuschrecken und „jüdischen Wucherer“ – und jene, die ihr Tun in den Dienst der Gemeinschaft stellen. Beschränkte Kritik verschleiert die Verhältnisse und prä­sentiert einen Sündenbock, der später als Gegenstand des Raubes und der Revolution herhalten kann. Mit ihm soll dann auch die Ausbeutung verschwinden, die die Gemeinschaft des Volkes, “das vermeintlich schaffende Prinzip“, zersetzt. So wird die Struktur des Antisemitismus geschaffen: Wert, Geld, Handel, Markt­geschehen sind abstrakte, ortlose und ausbeuterische Formen. Sie leben vom Gewinnen und Verlieren in der Konkurrenz, von Wertunterschieden und geschicktem Verhandeln. Ihnen muss sich das gesamte Unternehmen im Rahmen des Wettbewerbs genauso unterordnen, wie der oder die Einzelne bei der Su­che nach einem Arbeitsplatz. Ihre Reduktion von einem notwendigen Handeln aller hin zum typischen Ver­halten bestimmter Personengruppen ist bereits ihrer Struktur nach antisemitisch. In der Person von Jüd_innen liegt diese Zuschreibung tradiert vor.
    Der Nationalsozialismus personalisierte nicht nur diesen Zwang, sondern machte ihn zur Grundlage einer spezifischen antisemitischen Theorie, die schließlich in eliminatorische Praxis einmündete. Mit dem notwendigen Kampf gegen das „raffende jüdische Kapital“ begründete sie die Ermordung von 6 Millionen Jüd_innen.

  23. 23 Rotstift 18. Mai 2010 um 17:37 Uhr

    @Bambergerin:
    Auch wenn es an dieser Stelle angebracht wäre, eine ausführliche Kritik an der Vorstellung vom „umfassenden Zwang“, der die (eigentlich guten?) Kapitalisten zu ihrem gemein aussehenden(!) Tun treibt zu schreiben, belasse ich es bei Erwiderungen auf den Streitpunkt „Antisemitismus“. Das geht auch ganz schnell:
    Ja verdammt, wo kriecht denn der Antisemitismus in diese falsche Vorstellung über dan Kapitalismus hinein? Na wenn Antisemiten sich ihren Reim auf die Gesellschaft machen und drauf kommen, dass es Juden sind, die den Karren vor die Wand gefahren haben:
    „Ihre Reduktion von einem notwendigen Handeln aller hin zum typischen Ver­halten bestimmter Personengruppen ist bereits ihrer Struktur nach antisemitisch.“
    Denn:
    „In der Person von Jüd_innen liegt diese Zuschreibung tradiert vor.“

    Also wieder die gleiche Tour: Antisemitisch wird die Rede vom Wucherer und von den Parasiten, wenn ein Antisemit damit Juden meint. Der Zirkel ist perfekt.

    Ergänzung: Dass man eine qua Natur/Kultur ganz schön zusammengehörige Gemeinschaft sei, in der Klassenunterschiede keine Rolle zu spielen haben, wird man wohl auch im gründlich entnazifierten Deutschland, in den/m Vereinigten Staaten/Königreich und in Israel finden. Funktioniert auch gut ohne Faschismus und Rassismus gegen Juden, mit Demokratie und War on Terror/Immigrants/Islamofascism.

    Ergänzung 2:
    Die Frage auf die diese Art von Antisemitismuserklärung die Antwort sein soll ist übrigens schon eine ziemlich falsche, kein Wunder dass so etwas dabei raus kommt.
    Da wird sich nämlich nicht nach den Ursachen von rassistischem denken gefragt, sondern warum es ausgerechnet in der Form des Holocausts die Juden traf.

    a) Warum ausgerechnet die Juden?
    Wen hätte es denn lieber treffen sollen, könnte man gegenfragen. Bei der Frage wird doch so getan, als gäbe es richtige(re) Ziele für Rassismus (Rassismus als solcher ist konsequenterweise auch nicht das Thema der Behandlung der Frage). Hätte es eben ein anderes Volk getroffen, dann würden die gleichen Kritiker wieder vor der gleichen Frage stehen und wüßten nichts von ihrem Glück, dass es nicht die Juden getroffen hat.
    Als gäbe es auch an den Opfern rassistisch motivierter Taten irgendetwas zu entdecken, dass sie als ganz besondere Opfer auszeichen würde. Rassismus ist doch gerade irrational in seinem Schluss von kulturellen/sittlichen/völkischen/biologischen/etc. Eigenschaften auf das Denken der ‚Träger‘ dieser Eigenschaften. Man möchte da auch fragen ob Rassismus normaler, gewöhnlicher oder glatt verständlicher wird, wenn seine Ziele zB arme Schwarze, die aus fernen Weltregionen herzogen, sind. Wegen des falschen Passes an den Grenzen Europas zu verrecken sei ja ganz normale staatliche Praxis usw.

    b)Warum der Holocaust?
    (Auch hier findet wieder keine Suche nach den Gründen für die Vernichtung der Juden statt.)
    Eine Millionen weniger oder ein höherer Prozentsatz an totgeschlagenen/erschossenen und man würde die Frage nicht mehr stellen? Die Nationalsozialisten hatten halt ihren Grund für die Vernichtung der Juden. Die schadeten ihrer Auffassung nach dem deutschen Volksstaat. Die waren der Grund für den schlechten Stand, den dieses eigentlich einwandfreie Land und seine Bevölkerung innehatte. Wie man dieses Problem löste haben die dann mit sich ausgemacht und sind zu dem vorliegenden Ergebnis gekommen.
    Statt das als Auskunft darüber aufzufassen, wie brutal und auch kalkulierend Rassismus daher kommt (und eben nicht nur als impulsive Tat mit Keule, Schwert oder Gewehr), wird das wie eine Art Verstoß am eigentlichen Vorgehen der Rassisten gewertet.

    @medium:
    Und?

  24. 24 badabing 27. Mai 2010 um 11:12 Uhr

    o mensch, da drückst du – liebester rotstift aka ichverteidigedenpaktundseinensermonbisaufsletzte – dich seit geraumer zeit um eine von deinen tollen aussagen zum selbstverständnis des PAKT (oder habe ich übersehen, an welcher stelle du dich zum thema antimilitarismus des PAKT geäußert hast?) und setzt dann auch noch andere unter druck (@medium: und?), sich zu einem thema zu äußern, zu dem sie sich schon geäußert haben und das hier meiner meinung auch vollkommen zur genüge ihrerseits (buntstift, medium und meine wenigkeit) beackert wurde. wenn du auf sachliche argumente (zumindest das von buntstift ist klar als solches erkennbar) keinen bock hast is das dein problem…

    nochmal langsam: ich finde es falsch, ein wort, das in einem völlig anderen kontext – nämlich flora und fauna – steht für menschen zu benutzen und damit nunmal – unter berücksichtigung vom allgemeinen umgang mit ‚parasitären‘ tieren (soll hier jetzt bitte nicht als anispe-scheiss gesehen werden) – absolut zynisch ist. und nur weil menschen nicht zu 100% teilen, was mit einem wort kolpotiert wird, kann ich sie trotzdem darauf hinweisen – und die heftigkeit des hinweisens behalte ich mir einfach mal je nach anlass dreisterweise vor – ansonsten kann ich auch nichts dagegen sagen, wenn heute irgendwer irgendwen ‚assozial‘ schimpft (hat heute zwar ne etwas abgeschwächte, schwammige bedeutung, is aber trotzdem bullshit und reflektiert null die ursprüngliche entstehung und bedeutung des wortes.).

    also entweder reitest du jetzt noch ewig auf dem einen punkt rum oder äußerst die auch mal zu punkten, wo dir anscheinend auf anhieb nicht soviel einfällt (antimilitarismus, antipatriarchat)…

  25. 25 Rotstift 27. Mai 2010 um 21:28 Uhr

    @badabing:
    Dass ich PAKT verteidigen will ist ein Missverständnis deinerseits. Ich übe Kritik an mediums Artikel. Damit verteidige ich bis aufs Letzte das kritische Denken, aber nicht sein Objekt.
    Deswegen muss ich mich auch nicht zu den Themen „Antimilitarismus und Antisexismus bei PAKT“ äußern. Ich hab meinen Teil geschrieben, schreib du mir doch mal auf, wo ich da einen fFehler mache, dann gehe ich darauf ein.
    ‚Unter Druck‘ gesetzt sollte sich medium nicht durch mein Nachhaken fühlen, sondern durch die argumentative Widerlegung seiner Ausführungen zum Kapitalismus. Die habe ich nicht einfach in die Kommentarspalte getippt, um eine von vielen weiteren Meinungen über den Kapitalismus zu repräsentieren.
    Zur Genüge beackert sind übrigens allerlei Themen, aber solange man da noch auf Irrtümer trifft, muss man wohl weiter ackern und Unkraut jäten.
    Die sachlichen Argumente stehen in meinen Kommentaren, wenn sie dir nicht gefallen und ich sie trotz nichtgefallens nicht zurückziehe und auf dem Widerspruch zu dir(?) und medium beharre, dann hast du wohl das Problem mit ihnen.

    Zum Parasitismus:
    Ist nun wenigstens klar, dass die Bezeichnung Parasit/parasitär erst antisemitisch wird, wenn sie jemand antisemitisch gebraucht?

    Ansonsten:
    Wenn man etwas als parasitär bezeichnet, stellt man einen Vergleich an. Man abstrahiert beim Parasitentum wie beim Kapitalisten und schaut sich das Wesentliche an. Auf der einen Seite ein Lebewesen, dass andere für sein Überleben braucht und an deren Substanz zehrt, auf der anderen Seite eine Klasse, die Proletarier für ihre Reichtumsvermehrung braucht und dafür deren Arbeitskraft verbraucht.
    Zur Erinnerung: Ein Vergleich ist keine Bestimmung. Damit ist von PAKT nicht gesagt worden Kapitalisten seien Parasiten, es ist nur eine Nähe zum Parasitismus im Verhältnis der beiden Klassen festgestellt worden.
    Weitere Assoziationen zum Parasitentum haben nichts mit diesem Vergleich zu tun und entfernen sich von den Wesentlichkeiten bzw. ignorieren sie sogar. Dafür kann PAKT nichts. Nur weil von Rechts über eine Form von Parasitismus geklagt wird, die der guten Nation Lebenskaft raubt (und sich dadurch bekämpfen lässt, dass man die Parasiten auslöscht und sonst kräftig so weitermacht wie bisher), heisst das nicht, dass man den Vergleich sein zu lassen hat. Da hiesse es, wenn man ehrlich etwas auf sachliche Argumente gäbe, den Rechten zu widersprechen. Dazu bin ich doch ein Freund der Argumente (und nicht der Sprüche), um sie zu benutzen.

  26. 26 badabing 31. Mai 2010 um 12:56 Uhr

    ok vllt. etwas übers ziel hinausgestoßen, versuchen wirs nochmal langsam:

    du meinst, du würdest den PAKT nicht verteidigen, sondern nur mediums artikel kritisieren? ich finde dafür gibst du dir aber dann sehr viel mühe, dass ist nämlich in einem satz getan: der artikel ist polemisch (was medium ja auch ankündigt) und damit relativ unsachlich und so einem ernsten thema (die hocken nämlich in der szene, die wir alle mögen und die uns wichtig), bei dem es eine ernsthafte diskussion richtig dringend braucht, nicht wirklich würdig (vor allem als einziger beitrag zu eben diesem thema)…und das wars auch schon, oder?

    bei dem parasitär-gedöns kommen wir glaub ich auf keinen gemeinsamen nenner, du willst den begriff gerade benutzen, um in rechten wegzunehmen (etwas verkürzt dein letzter post, korrigier mich, wenn ich falsch liege) und ich sage, der zug is abgefahren und ich finde selbst den vergleich bzw. für mich die gleichsetzung von menschen und irgendwelchen kellerasseln kritisierenswert…achja, wo habe ich eigentlich erwähnt, dass ich das parasitismus-gedöns für antisemitisch erachte, ich sagte nur, dass ich es irgendwie nachvollziehen kann, das heißt nicht, dass ich diese analyse insgesamt teile (tue ich nämlich ganz bestimmt nicht, zitat von mir selbst: „das mit dem antisemitismus find ich auch n bisserl schwierig…“, wie du vllt. merkst, habe ich genug am PAKT auch so schon auszusetzen, als dass ich ihnen antisemitismus vorwerfen müsste)…

    das mit dem argumente-ding nehm ich nach erneutem durchlesen teilweise zurück, finde aber, sein argument immer und immer wieder zu wiederholen und nix neues dazu zu schreiben, nicht wirklich förderlich (obwohl ich zugeben muss, dass ich in gewisser weise das auch gemacht habe)…

    nachdem ich dich jetzt aber eher dem PAKT positiv eingestellt einschätze, würde es mich wirklich nur aus neugier interessieren, was du zu der „reinen und auf Wehrpflicht basierenden Verteidigungsarmee“, die sich der PAKT nach seiner „Revolution“ imaginiert, sagst. das is nämlich das, was ich den krassesten aussetzer finde und der es für mich unmöglich macht, den PAKT irgendwie nur „oldscool und irgendwie aufm komischen lenintrip von vor 200 jahren hängengeblieben“ zu sehen und sie halt machen zu lassen…bei dem ganzen anderen spaß kann ich nämlich sagen, ok wenn ich gewisse dinge (z.b das mit dem parasitär) kritisiere, finde ich bestimmt noch 5 andere gruppen, die auch so drauf sind und kann nur noch mit mir selbst zusammenarbeiten, aber kritisieren werde ich das trotzdem, nur mit anderem ziel nämlich dem dialog)…

    abschließend kann ich nur sagen, dass die diskussion, die hier in einer kommentarspalte eines blogs geführt wird, echt woanders geführt werden sollte, denn nix gegen die blogossphäre (wahrscheinlich darf ich hier nie mehr was schreiben^^), aber dieses thema ist einfach zu wichtig, als das es in ner kommentarspalte versauert…sonst endet es wirklich wie lila stift meinte in „Edutaining the convertet“ und das wäre wirklich bedauerlich…

  27. 27 Rotstift 02. Juni 2010 um 0:50 Uhr

    @badabing:
    1. Medium hat doch nicht etwas hingeschrieben, das er selbst für falsch hält, um einer Gruppe die er aus anderen Gründen nicht gut gut findet bloß irgendwie noch einen reinzuwürgen. Das wäre dann auch keine Polemik mehr sondern Hetze und Lügen. Das was er da geschrieben hat glaubt der doch wohl auch und darauf beziehe ich mich. Es ist also nicht mit der Kenntnisnahme „Aha, eine Polemik!“ getan. Da stecken bestimmte Fehler drin, die ich medium aufgeschrieben und erklärt habe.

    2. Ich will den Begriff nicht den Rechten wegnehmen, das ist mir echt zu irre. Die meinen halt etwas anderes damit als zB ich. Die würden es ja auch nicht zu einer ordentlichen Erklärung des Parasitischen am Ausbeutungsverhältnis bringen, weil die Ausbeutung als Abweichung von der guten Benutzung der Menschen (die sich auch gerne so benutzen lassen wollen, weils es zu ihrer Natur passt) zum Besseren der Nation verstehen.
    Welche Assoziationen du nachvollziehen kannst ist eine Frage der Phantasie und hat nichts in einer Diskussion zu suchen.

    3. Du wiederholst halt ständig dein Argument, ohne auf meine Entgegnungen einzugehen. Das ist schon ein wenig ärgerlich. Ich weiss zB immer noch nicht, was daran kritisierenswert sei, nur dass du es so findest.

    4.
    a) Ich befasse mich nur ungern mit Fragen, die sich überhaupt noch nicht stellen. Falls es mal zu einer Revolution kommt, wird man schon irgendwie mit konterrevolutionären Bestrebungen umgehen müssen. Wehr‘pflicht‘ würde mir da aber nicht als Lösung in den Sinn kommen, weil es dann genug überzeugte Kommunisten geben sollte, die das schon organisieren werden. Die Beschränkung auf Verteidigung empfinde ich als Verrat am Klassenkampf. Den sollte man schon offensiv zu Ende bringen und nicht an irgendeiner Grenze aufhören.
    b) Was ist denn bitte „oldscool und irgendwie aufm komischen lenintrip von vor 200 jahren hängengeblieben“ für ein Quatschurteil? (Ganz abgesehen vom Widerspruch zwischen angeblichen Wissen über den „Lenintrip“ und der zur Schau gestellten Unkenntnis darüber wann der stattfand. Lenintrip. Das allein schon.)
    Die haben doch (jetzt und hier) ein Programm, dass du zur Kenntnis nehmen und dann meinetwegen kritisieren kannst. Und du tust jetzt so, als hätte das zum Ergebnis dass man denen irgendeine Altertümlichkeit vorwerfen könnte. Das ist doch echt mal Bullshit, da kann ich dir ja auch kommen mit „Du neumodischer Polithansel ohne 200 Jahre Erfahrung und vor allem ohne erfolgreiche revolutionäre Praxis.“
    Wenn du Leuten ihren ML zum Vorwurf machen willst, dann zeig doch mal auf wo die den vertreten und was daran falsch ist. Du benutzt den ML aber nur umd ich darauf zu berufen und an lauter Vorurteile über ihn anzuknüpfen. Das ärgert mich sehr.

    5. „Edutaining the converted“ betreibt medium ja selber mit seinem Artikel. Aber das ist nur ein bißchen konstruktive Kritik am Rande. Mit meinen Kommentaren habe ich mich hingegen auf seine eigenen Fehler (Klassen, Antisemitismus, Ideologien, Individualität, Aktualität der Theorie als Argument) hingewiesen.

  28. 28 badabing 08. Juni 2010 um 23:05 Uhr

    ok…eigentlich mag ich nur was zu 4a) und 4b) sagen:

    also du brauchst nicht glauben, dass ich glaube, dass sich nach der revolution sofort alle lieb haben und es nicht zu kämpfen kommen wird, ich glaube eher weniger an hippiegedudel… trotzdem glaube ich auch, dass mensch auch während der revolution nicht auf zwang, unterdrückung und hierarchien in den eigenen reihen zurückgreifen sollte…weil dann kann mensch es auch gleich bleiben lassen…und eine auf allgemeiner wehrpflicht basiernede armee ist nun mal übelst hierarchisch (kanonenfutter und offiziere) und mit zwang verbunden (vllt kann ja auch gar nicht jeder zur waffe greifen --> nicht jeder ist für die revolution gleich wichtig und unterschiedlich entbehrlich.) und ich beschäftige mich lieber jetzt damit und kämpfe dagegen, bevor sich so ein denken in der linken festsetzt und reproduziert wird. sollte der PAKT meinen, dass im falle der revolution jede_r, der_die kann und will, zur waffe greifen sollte, wäre das schon was anderes, aber ich habe nunmal keinen bock auf einen hierarchischen männerhaufen, wo die hälfte eigentlich gar nicht revolution machen will…
    und dass es nach meinem wunsch lieber „überzeugte“ libertäre kommunist_innen und anarchist_innen (ja im gegensatz zu deiner dürfen in meiner wunschvorstellung auch frauen und menschen, die sich nicht in bipoliarität einfügen wollen, mitmachen) haste dir wahrscheinlich eh schon gedacht oder?

    wenn du ironie und nicht gerade schwer zu erkennende übertreibung nicht als solche erkennst, kann ich dir nicht helfen. natürlich weiß ich, dass lenin nicht vor 200 sondern vor eher 100 jahren gewirkt hat, es ist nicht so, dass ich wie gewisse andere leute nur schlagworte ins rennen schmeiße…um deiner forderung nachzukommen: für mich sind sie leninisten, weil sie nazis und reaktionäre als „speerspitze des kapitals“ sehen (wie wer nochmal?…aja genosse wladimir iljitsch uljanow), was vllt. gerade zu zeiten von dimitroff (nur um deine zweifel auszuräumen: in den 1930er jahren) noch ungefähr ging, aber heute einfach überholt ist…noch zitat zur untermauerung? bitte:

    Dimitrow entwickelte auf Grundlage seiner Erfahrungen und Lenins Imperialismustheorie eine Faschismustheorie, die für den Marxismus-Leninismus jahrzehntelang kanonisch werden soll[te].

    (fuckin‘ dämlack-wikipedia)

    so ich hoffe das war jetzt eindeutig genug.

    außerdem verstehe ich linksradikale, emanzipatorische politik immer als progressiv; was für ein geschichtsverständnis muss mensch denn haben, wenn mensch denkt, die welt verändert sich nicht im laufe der zeit und ansichten von vor hundert jahren können nicht obsolet werden? glaubst du an dogmen oder was? ich denk (hoff) wohl eher nicht…und ehrlich gesagt habe ich „neumodischer hansel“ (wenn du genau lesen würdest, würdest du merken, dass das nicht so wirklich hinhaut. i hate the so called postmoderne…) lieber eine nicht existente revolutionäre praxis als die eines komplett gescheiterten sozialismus (wo mensch jetzt auch darüber streiten könnte, wie revolutionär und nicht reformistisch so eine forderung gerade heute ist, aber ein andermal…)und einer „revolution auf nationaler ebene“.

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