WTF Wertmüller?

Eben flatterte bei mir folgender Termin durch den Feedreader:
SDAJ Wertmüller

Ich hatte schon davon gehört, u.a. hatte allophilia schon darüber berichtet, allerdings hätte ich den Termin jetzt nicht wirklich der SDAJ zugeordnet. Ich bin verwirrt.

Naja, egal wie’s is, dokumentier ich an der Stelle einfach mal ein inzwischen 5 Jahre altes Flugblatt aus Hamburg, das (leider) nichts an Aktualität eingebüßt hat:

Bad weather over Hamburg –
Time to take out an umbrella!

Kein Podium, keine Diskussion, keine Veranstaltung mit Sexisten!

Für den 25.2.05 laden die „Antideutsche Gruppe Hamburg“ und die Gruppe „Bad Weather“ den Bahamasredakteur J. Wertmüller zu einer Diskussionsveranstaltung „Jihad und multikulturelle Gesellschaft“ nach Hamburg ein.
Wie mittlerweile allgemein bekannt sein dürfte handelt es sich bei Wertmüller (wie auch bei anderen Personen der Redaktion Bahamas) um ebenso notorische wie polemische Sexisten und Rassisten.

Which part of no is it you don’t understand?
In verschiedenen Texten der Publikation Bahamas (z.B. „Infantile Inquisition“ von Wertmüller/Krug Bahamas Nr. 32 und die Sondernummer „Sexualität“ Nr. 34) werden in einem unerträglichen Stil sexualisierte Gewalt gegen Frauen bagatellisiert, Täter zu Opfern verkehrt und die Definitionsmacht von Frauen in Fällen sexualisierter Gewalt massiv angegriffen und kategorisch abgelehnt.
Bahamas und insbesondere Wertmüller übernahmen unter anderem mit diesem unsäglichen Text eine antifeministische Rammbockfunktion für (vermeintlich linke) Sexisten jeglicher Couleur.
Vor dem Hintergrund eines gesamtgesellschaftlichen Backlash in Bezug auf von der Frauenbewegung erkämpfte Errungenschaften ist auch die Marginalisierung antisexistischer Positionen in der radikalen Linken zu verstehen.
So ist es denn auch zu erklären, dass nach einer klaren Positionierung pro Definitionsmacht, einer antisexistischen Praxis und der generellen Verankerung anti –patriarchalen Bewusstseins hier in der Regel vergeblich gesucht werden muss.
Während Frauenhäuser und –beratungsstellen massivsten Kürzungen ausgesetzt sind und sexualisierte Gewalt gegen Frauen ein nach wie vor tabuisiertes Massenphänomen ist, gibt es in der radikalen Linken keine nennenswerte Diskussion hierzu, von einer politischen Praxis gar nicht erst zu reden. Und in den Fällen, in denen wegen eines konkreten Falles sexualisierter Gewalt
dann doch eine Diskussion stattfindet, ist das, was dabei an Argumenten zu Tage kommt in der Regel mehr als schauerlich.

Talking is over, asshole!
Wer diese Zustände ignoriert oder sich gar, wie Justus Wertmüller, zu ihrem Apologeten macht, in dem er Vergewaltiger zu Opfern stilisiert und Vergewaltigungen zu „Lust machen“ (Zitat Bahamas Nr.32) umdeutet, der hat auf Veranstaltungen der radikalen Linken aber auch nicht das Geringste zu suchen!
Wir sind an dieser Stelle weder bereit noch halten wir es für notwendig, sich en detail mit den Argumentationsmustern oder einzelnen Texten von Wertmüller oder Bahamas auseinander zusetzen. Dies ist unseres Erachtens bereits zu Genüge passiert .

Is it really all about Israel?
Eine Kritik an der geplanten Veranstaltung von „Bad Weather“ und der „Antideutschen Gruppe“ kann durchaus abstrahiert von ihrem Thema stattfinden. Denn es geht in dieser Kritik eben nicht um eine Positionierung zum Thema „Jihad“, sondern um die allem Anschein nach provokative Einladung eines Referenten, der getrost als sexistischer und rassistischer Reaktionär bezeichnet werden kann. Eine andere Referentin einzuladen wäre wohl jederzeit möglich gewesen, war aber anscheinend gerade politisch weder von „Bad Weather“ noch von der „Antideutschen Gruppe“ gewollt.
Unabhängig davon, was wir von dem Inhalt der Einladung zu der Veranstaltung halten:
Es geht uns keineswegs darum, Diskussionen um Antisemitismus & Antizionismus zu verhindern, ganz im Gegenteil. Mit der Wahl des Referenten diskreditieren die einladenden Gruppen jedoch von vornherein gerade diese Diskussion!


3 Antworten auf “WTF Wertmüller?”


  1. 1 Bernd Mueller 21. Juni 2010 um 20:45 Uhr

    Der Flyer und die Veranstaltung sind wohl eher nicht von der SDAJ München, es dürften wohl die zu vermutenden Veranstalter dahinterstecken.

    Der Flyer ist sicher nur eine kreative Art PR. Aufjedenfall findet sich auf keiner Seite der SDAJ München ein Veranstaltungshinweis, aber dafür massig free-gaza-flotilla Berichte. Daher vermute ich, dass der Flyer eine kleine Art Rache ist.

    Auf linksunten ist besagter der Flyer übrigens mittlerweile in der Rubrik „Zensierte Beiträge“ siehe http://linksunten.indymedia.org/node/censored

  2. 2 lenin 23. August 2010 um 23:32 Uhr

    veranstaltung war von antideutschen kiddies.
    die meinten es sei „cool“, „geil“ und „voll undeutsch“ ihren flyer mit einer fremden organisation zu unterzeichnen.

    das orginal gibts hier:
    http://lemondeestanous.blogsport.de/images/bannergross.jpg

  1. 1 Autsch – Wertmullah kommt nach München « allophilia Pingback am 21. Juni 2010 um 20:50 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.