Sarrazin in München

Presseerklärung der „antifa nt“ zur Veranstaltung der Deutschen Verlags-Anstalt mit dem Rassisten Thilo Sarrazin im Münchner Literaturhaus am 29.September 2010
München, 31. August 2010

Für Mittwoch, den 29. September kündigt das Münchner Literaturhaus eine Veranstaltung der Deutschen Verlags-Anstalt mit dem Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin an. Wir fordern die Veranstaler_innen, sowie die Verantwortlichen des Literaturhaus auf, eine solche rassistische Veranstaltung in ihren Räumlichkeiten nicht zuzulassen. Sollte dies nicht geschehen, kündigen wir öffentlichen Protest gegen diese rassistische Veranstaltung an.

Sarrazin war in den letzten Monaten mehrmals wegen seiner rassistischen und elitaristischen Hetze gegen Migrant_innen und Empfänger_innen staatlicher Leistungen aufgefallen. Sarrazins Argumentationsmuster passen dabei bestens in die bereits bestehenden rassistischen Diskurse gegen Muslim_innen, denen eine grundsätzlich von der „europäischen Kultur“ unterschiedliche Wesensart attestiert wird. Muslim_innen werden in einer solchen Debatte einzig mit Attributen wie „vormodern“, „patriarchalisch“, „intergrationsunwillig“, „fundamentalistisch“ und „gewalttätig“ versehen. All dies sei Bestandteil einer „originär muslimischen Kultur“ die als monolithischer und unveränderlicher Block betrachtet wird. Der Islam und mit ihm die Muslim_innen werden so von Teilen der deutschen Mehrheitsbevölkerung einzig mit vermeintlich vormodernen und antiemanzipatorischen Ideologien in Verbindung gebracht, worüber diese sich als aufgeklärt und tolerant inszenieren können. Sarrazins absurde Thesen stehen exemplarisch für einen weit verbreiteten antimuslimischen Rassismus. Im Falle der in Dresden ermordeten Marwa El-Sherbini zeigte sich das gewaltätige Potential dieses Rassismus am deutlichsten, die Hetze gegen Muslim_innen ist in Deutschland alltägliche Realität.

Wir fordern die sofortige Ausladung von Sarrazin und den grundsätzlichen Verzicht auf weitere Veranstaltungen mit Rassist_innen. Der Verweis auf Meinungsfreiheit dient in bezug auf Sarrazin einzig der Legitimation rassistischer Ideologien. Sollte die Veranstaltung dennoch stattfinden, behalten wir uns weitere Proteste vor.

Dazu Sonja Erikson (Pressesprecherin der antifa nt):

„Dass das Literaturhaus eine rassistische Hetzveranstaltung mit Thilo Sarrazin in seinen Räumlichkeiten zulassen will ist ein Skandal! Wer Rassisten wie Sarrazin ein Podium bietet und sei es auch nur weil aufgrund der Medienöffentlichkeit mit einem ausverkauften Haus zu rechnen ist, beteiligt sich an der Verbreitung rassistischer Stereotype und arbeitet damit zumindest indirekt einer rassistischen Ausgrenzung von Musliminnen und Muslimen zu. Wir fordern einen konsequenten Antirassismus und die sofortige Ausladung Sarrazins.“

Für weitere Nachfragen stehen wir selbstverständlich unter antifa-nt[at]riseup.net zur Verfügung.

Mir freundlichen Grüßen
Sonja Erikson (Pressesprecherin der antifa nt)


7 Antworten auf “Sarrazin in München”


  1. 1 antif_a 31. August 2010 um 15:09 Uhr

    für alle die sarrazin mindestens genauso gern eine auswischen möchten wie ich, allerdings dafür nicht nach münchen kommen wollen, gibts noch genügend anderen termine zum verhindern, protestieren, torten usw… hier eine kleine zusammenfassung….

    02.09.2010 20.00 Uhr
    Thilo Sarrazin – Deutschland schafft sich ab
    Lesung

    Buchhandlung Decius GmbH
    Hoher Weg 15
    31134 Hildesheim

    Weitere Informationen:
    Buchhandlung Decius GmbH Zentrale
    Tel. 0511/36476-40
    w.treppmacher@decius-hannover.de

    09.09.2010 20.00 Uhr
    Thilo Sarrazin – Deutschland schafft sich ab
    Lesung und Gespräch
    Moderation: Ralf Schuler
    Eintritt: 8,- / erm 6,- €

    Waschhaus/Kunstraum
    Schiffbauergasse 4d
    14467 Potsdam

    Weitere Informationen:
    Brandenburgisches Literaturbüro
    Tel. 0331/2804103
    blb@literaturlandschaft.de

    25.09.2010 18.00 Uhr
    Thilo Sarrazin – Deutschland schafft sich ab
    Vortrag und Gespräch im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals Berlin
    Eintritt 8 €, erm. 6 €, Schüler 4 €

    Haus der Kulturen der Welt – hkw
    John-Foster-Dulles-Allee 10
    10557 Berlin

    Weitere Informationen:
    Internationales Literaturfestival
    Tel. 030/27878650

    29.09.2010 20.00 Uhr
    Thilo Sarrazin – Deutschland schafft sich ab
    Lesung und Gespräch
    Moderation: Gabor Steingart
    Eintritt: 8,- € / 6,- €

    Literaturhaus
    Am Salvatorplatz 1
    80333 München

    Weitere Informationen:
    Literaturhaus
    Tel. 089/2919340

    08.11.2010 19.00 Uhr
    Thilo Sarrazin – Deutschland schafft sich ab
    Lesung

    PZ-Forum
    Poststraße/Ecke Luisenstraße
    75172 Pforzheim

    Weitere Informationen:
    Wortwunder
    eckard.mickel@freenet.de

    11.11.2010 19.30 Uhr
    Thilo Sarrazin – Deutschland schafft sich ab
    Lesung

    Sparkasse
    Veranstaltungshalle
    Papenhausenstraße
    58706 Menden

    Weitere Informationen:
    Buchhandlung Ilse Daub Inh. Andreas Wallentin
    Tel. 02373/3065
    info@buch-daub.de

    15.11.2010 20.15 Uhr
    Thilo Sarrazin – Deutschland schafft sich ab
    Lesung

    Deutsch-Amerikanisches Institut
    Sofienstraße 12
    69115 Heidelberg

    Weitere Informationen:
    Deutsch-Amerikanisches Institut
    Tel. 06221/607311

    30.11.2010 20.00 Uhr
    Thilo Sarrazin – Deutschland schafft sich ab
    Lesung

    Röhm Buch und Büro GmbH
    Marktplatz 9
    71063 Sindelfingen
    roehm.buch@roehmszbz.de

    Weitere Informationen:
    Röhm Buch und Büro GmbH
    Tel. 07031/862-333
    roehm.buch@roehmszbz.de

  2. 2 John Dean 31. August 2010 um 16:07 Uhr

    Die gute Nachricht lautet: Sarrazin demontiert sich.

    Seinen kontrafaktischen bzw. faktenresistenten Quark in einem Literaturhaus zu „besprechen“ bzw. zu verlesen, halte ich allerdings auch für beschämend – seitens der Veranstalter.

    Hier wird einem rassistischen Mob eine Bühne gegeben.

    Ob er damit froh wird?

    Meiner Einschätzung nach verstößt Sarrazin wiederholt gegen das Beamtenrecht – und die damit verbundene Mäßigungspflicht, die für Vorgesetzte aufgrund ihrer Vorbildfunktion in besonderer Weise gegeben ist.

    P.S.
    Hier leidet deutsches Geld und kleistert:
    Da sehn sich die Herren Oberfeger
    geplündert von den Minderleistern
    der genetisch Muslim-Juden-Neger.

    Im Bundesvorstand einer Bank
    nimmt Geld ihr Revisionenmeister.
    Sein Antlitz wirkt wie seelisch krank.
    Der Grund: Er sieht vieldutzend Geister

    und spricht vom Arsch zum Boden hin
    die gülleklarsten Worte.
    So sieht es aus in Sarrazin,
    dem schrillsten aller Orte.

    Thomas Gsella (Lammfromm-Version)

  3. 3 Emil 31. August 2010 um 16:51 Uhr

    Bisher haben nur sehr wenige Personen das komplette Buch von Herrn Sarrazin gelesen, trotzdem wird er in sämtlichen Medien niedergemacht. Es gebietet die Fairness, dass nur solche Personen, die das komplette Buch gelesen haben, sich dazu äußern. Wer eine bloße Abfolge von diffamierenden Äußerungen erwartet wird überrascht sein, dies ist nicht der Fall.

  4. 4 medium 31. August 2010 um 17:05 Uhr

    @Emil:
    1) Den Werbelink hab ich dann gleich mal entfernt.
    2) Ich muss kein ganzes Buch lesen, um zu wissen, dass Sarrazin ein Rassist ist. Da reichen mir einzelne Zitate schon völlig aus.

    Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch höhere Geburtenrate. Das würde mir gefallen, wenn es osteuropäische Juden wären mit einem um 15 Prozent höheren IQ als dem der deutschen Bevölkerung“

    Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden.“

    „Es ist ein Skandal, wenn türkische Jungen nicht auf weibliche Lehrer hören, weil ihre Kultur so ist. Integration ist eine Leistung dessen, der sich integriert. Jemanden, der nichts tut, muss ich auch nicht anerkennen. Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert. Das gilt für siebzig Prozent der türkischen und für neunzig Prozent der arabischen Bevölkerung in Berlin. Viele von ihnen wollen keine Integration, sondern ihren Stiefel leben. Zudem pflegen sie eine Mentalität, die als gesamtstaatliche Mentalität aggressiv und atavistisch ist.“

  5. 5 zeitungsleser_in 31. August 2010 um 21:47 Uhr

    auch das münchner boulevardblatt tz berichtet schon über die veranstaltung und die „drohungen der antifa“… den artikel gibts unter:

    http://www.tz-online.de/aktuelles/muenchen/sarrazin-muenchen-protest-gegen-lesung-tz-900393.html

  6. 6 zeitungsleser_in 31. August 2010 um 21:52 Uhr
  7. 7 zeitungsleser_in 01. September 2010 um 1:47 Uhr
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