Fragwürdigen Zahlen, zurechtgebogene Studienergebnisse

Ihr Ziel: schwangere Frauen von einer Abtreibung abzubringen und sie zum Austragen des Kindes zu bewegen – notfalls auch mit fragwürdigen Zahlen, zurechtgebogenen Studienergebnissen oder verdrehten Tatsachen.

Die Abtreibungsgegner sind dabei keineswegs eine abstruse Bewegung einer Minderheit. Zu einem „Marsch für das Leben“ im September schickten unter anderem Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, Bildungsministerin Annette Schavan und der Berliner Erzbischof Georg Sterzinsky Grußworte.
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„Diese Organisationen wollen mit ihrer Argumentation Frauen als Verbrecher hinstellen und Schuldgefühle hervorrufen“, sagt Ockel. Dazu trägt schon die Rhetorik bei: Abtreibung ist Mord, die Frauen also Mörderinnen, manche Gruppen sprechen von „Babycaust“. Kaleb-Mitarbeiterin Kroll sagt: „Jeder hat ein Lebensrecht und wir glauben, dass das Leben mit der Befruchtung beginnt.“ Ockel regt sich auf, wenn sie solche Sätze hört. Ein „fundamentalistischer Bezug auf die befruchtete Eizelle“ sei das. „Das Selbstbestimmungsrecht der Frau wird da mit Füßen getreten.“
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Bei ihrer Argumentation bedienen sie sich bewusst falscher Fakten. Zum Beispiel der Plastikembryo. […] Finger und Zehen, Augen und Nase sind zu erkennen, die Beine übereinandergeschlagen. „Diese Plastikpüppchen entsprechen überhaupt nicht der realen Form“, sagt Ockel. In der zehnten Woche seien beispielsweise Finger oder Zehen noch gar nicht ausgebildet.

Auch mit den Zahlen nehmen es die selbsternannten Lebensschützer nicht immer so genau. Bei der Zahl der Abtreibungen pro Tag wird häufig von tausend gesprochen. Das Statistische Bundesamt zählt aber über die vergangenen Jahre konstant eine niedrige sechsstellige Zahl – 2008 waren es beispielsweise 114.484. Selbst wer nur Werktage berücksichtigt, kommt damit nicht einmal auf 500 Schwangerschaftsabbrüche pro Tag.

Radikale Anti-Abtreibungs-Aktivisten – Leben um jeden Preis