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Während die meisten froh sein dürften, dass er endlich weg ist, wollen ihn die ersten schon wieder zurück haben. Die Facebook-Gruppe „Wir wollen Guttenberg zurück“ wächst ähnlich rasant wie zuvor die Gruppe „Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg“. Und nun ist dort die Idee der Gutti-Fans geboren, ihre Unterstützung nicht mehr nur virtuell auszudrücken, sondern auch in persona.

Am 5. März um 13 Uhr soll es in verschiedenen deutschen Städten und Orten Pro-Guttenberg-Demos geben. Auch in München. Dort wollen sich die KT-Anhänger am Marienplatz treffen, um ihrem Liebling zu huldigen.

Im Perlacher Wirtshaussaal beginnt das Referat mit einer Viertelstunde Verspätung, man kennt das von der Uni. Bedienungen versorgen die Besucher derweil mit warmem Essen. Stefan Ullrich, 46, versucht seinen Vortrag wissenschaftlich zu fundieren, er zitiert unablässig Bibel- und Koranstellen. Vorgestellt wurde er als „Islamkritiker der ersten Stunde“, er ist auch Initiator der Internetseite „Deus vult“. So lautete der Schlachtruf der Kreuzritter.

Vor ein paar Jahren war Ullrich kooptiertes Vorstandsmitglied der Harlachinger CSU, inzwischen hat er die Partei verlassen. Seine Botschaft an diesem Abend lautet: Das Christentum ist die Religion der Liebe und des Heils – der Islam die Ideologie der Gewalt und der Angst.

Beginnend mit dem 9. März stehen acht junge Leute vor Gericht. Der Vorwurf: Sie haben zusammen mit tausenden Bürgerinnen und Bürger einen Naziaufmarsch verhindert.

Am 8. Mai haben viele Menschen, junge und alte, Trachtenvereine, Politprominenz und Antifa sich gemeinsam erfolgreich und friedlich einem Aufmarsch der Neonazis entgegen gestellt. […]

Die Kriminalisierung Einzelner ist in Wirklichkeit der nachträgliche Versuch einer Kriminalisierung der gesamten Blockade.

Interessanterweise wollen die Sprachrohre der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend schon einräumen, dass die Schreie aus dem internationalistischen Block, wie zum Beispiel, „Israel zurück ins Meer“, antisemitisch waren, es also einen Israel-bezogenen Antisemitismus überhaupt gibt. Aber, obwohl dessen gewahr, wollen sie im Zweifelsfall trotzdem nicht für den jüdsichen Staat und gegen den Antisemitismus eintreten. Die Antisemitinnen und Antisemiten dürfen infolge also weiter in den „organisierten Ketten“ mitmarschieren. Für das „Problem“ mit den „Antideutschen Provokateur_innen“ hat die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend hingegen schon an einem „Schlüssel zur Lösung“ für das nächste Mal gefeilt: Eine „breiter aufgestellte Ordner_innenstruktur“ muss her.