Kunst und Kultur

Wäre nun das Ästhetische bloß die Form und das Politische der Inhalt, so wären beide trefflich vereint in einer „Ökonomie“, einer „ordentlichen Verwaltung des Hauses“ (die man den Göttern ebenso wie den Philosophen und den weisen Herrschern zugeschrieben hat, ehe die Kapitalisten sie in die Hände bekamen): Alles was sich lohnt zu errichten, um dem absehbaren und vorhergesagten Untergang entgegen zu wirken: Schönheit und Ordnung als Mittel, die Zeit vor dem Jüngsten Gericht zu verlängern.

So sagt eine einfache Formel, Faschismus sei zunächst eine „Ästhetisierung des Politischen“, auf die eine linke und humanistische Reaktion die „Politisierung des Ästhetischen“ sei. Das klingt einleuchtend, beschreibt aber noch lange nicht das Schlachtfeld, auf dem sich die beiden mehr oder weniger strategischen Impulse treffen. (Und natürlich ist das eine wie das andere auch Rückzugsgebiet für die „Geschlagenen“: Die Intellektuellen, die sich an der Politik einen blutigen Kopf – oder sogar blutige Hände – geholt haben, ziehen sich in die Kunst zurück; die Kunst, die an der Welt gescheitert ist, zieht sich ins Politische zurück – und wird „Kultur“.)

Kultur aber ist, da sind sich wiederum Linke und Rechte beinahe einig, „wie der ganze Mensch lebt“, und das heißt eben: Kultur ist weder was gutes noch was schlechtes, sondern es ist eben der Versuch des Menschen in einer Gesellschaft zu leben, oder es ist ein Versuch der Gesellschaft, mit den Menschen zu leben (man weiß gar nicht, welcher von beiden Seiten die Sache schwerer fällt; zum Zynismus neigen am Ende doch beide).

Das Schönste an Deutschland ist die Autobahn: Das Ästhetische und das Politische (I)