„Wenn du im grünen Block stehst, ist alles um dich herum dein Feind“

An der spitze linker Demos marschiert ein Trupp harter Schläger. Detlef P. lief jahrelang dort mit, prügelte sich mit Demonstranten, versprühte Pfefferspray, schlug mit Schlagstöcken. Hier erzählt er seine Geschichte.

Von Rosa Carolines
Wenn er in den Spiegel blickt, sieht Detlef P. seine Vergangenheit: Die lange rote Narbe, die sich schräg unter dem linken Auge über sein Gesicht zieht. Dort, wo ihn der Schlagstock eines Kollegen traf. Die vielen verheilten Schnitte und Platzwunden an Armen und Beinen sieht man zumindest nicht auf den ersten Blick.

Detlef P. war ein Gewalttäter. Ein Polizist. Ein Schläger in Uniform. Detlef P. war im grünen Block.

Zwanzig Jahre lang mischte der Familienvater bei Ausschreitungen mit, bei Anti-Nazi-Demos, bei Prügeleien mit Demonstranten, Barrikadenkämpfen, Straßenschlachten. Was die Berliner Polizei nach jedem 1.Mai „Gewaltexzesse“ nennt, war für Detlef P. Arbeitsalltag.
„Ich war getrieben von purem Hass auf Linke“ – sagt der 41-jährige Polizei-Aussteiger – und man fragt sich, was daran erschreckender ist: Dass ein junger Mann Hass auf etwas verspüren kann, von dem er die meiste Zeit seines Lebens wohl höchstens im Rahmen der Schulpflicht Kontakt hatte. Oder, dass es in einer Zeit, in der der Kapitalismus das Leben aller Menschen bedroht, immer noch Menschen gibt, die zum Aufrecht erhalten dieser Ordnung anderen Menschen in aller Öffentlichkeit die Köpfe einschlagen wollen.

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via brennessel