„Erzähl mir nichts vom Papst. Der Papst ist ein deutscher homophober alter Mann und engagiert Holocaust-Leugner“

Das aktuelle Hoch religiöser und esoterischer Strömungen hat mit dem erstarkenden Nationalismus, der sich vor allem rund um die Spiele der deutschen Fußball-Nationalelf der Männer zeigt, eine herausstechende Gemeinsamkeit: beides ist freiwillige Selbstbetäubung. Ob der Fußball-Mob mit schwarz-rot-goldener Kriegsbemalung auf den Wangen grölend dem Klang Vuvuzela folgt oder vom Leben enttäuschte Lehrer_innen und Beamt_innen im Glauben vereint umherzappeln, um Lobpreisungen auf den Herrn singen, es geht um die kollektive Ausblendung gesellschaftlicher Widersprüche. Weinend hängen sich Familienväter in den Armen, die das normalerweise als „schwul“ empfinden würden, und feiern jeweils Jesus oder Schweinsteiger. So vermögen es Nationalismus und Religion, über Interessenunterschiede innerhalb des nationalen und religiösen Kollektivs hinweg Menschen zu vereinen, die auf Grund ihrer ökonomischen Lage sonst herzlich wenig miteinander zu tun hätten. Dieses Gemeinschaftsgefühl ermöglicht
das gleichgültige Erdulden politischer Dreistigkeiten: zur Zeit der Fußball-WM 2006 wurden die Gesundheitsreform, die Unternehmenssteuersenkung und die Föderalismusreform ohne Widerspruch durchgewunken. Zwischen Lenas Gesangserfolg und dem Schaulauf der Fußballnationalmannschaft 2010 wurde über die Laufzeiten von Atomkraftwerken verhandelt und darüber hinaus das, im September abgesegnete, 80-Milliarden-Euro-Sparpaket vorbereitet.

Für den „Schwarz-Rot-Geil“-Mob währt der berauschende Cocktail aus Fußball und Nationalismus nur ein paar Monate, der Trip der Religiösen hingegen dauert wesentlich länger, schließlich steht Gott das ganze Jahr über auf ihrer Seite. Das trügerische Gemeinschaftsgefühl, das Religion oder Nationalismus erzeugen, täuscht über soziale Unterschiede hinweg und dient als Rettungsanker in einer Gesellschaft, in der jede_r auf sich allein gestellt ist. Leistungsorientierung und gegenseitige Konkurrenz sind sonst die einzigen gemeinsamen Prinzipien der Menschen, so dass der Staat vom Stillhalten der Gläubigen profitiert.

FÜR EIN LEBEN VOR DEM TOD.

Der Rückzug in den beruhigenden Selbstbetrug kann nicht die Reaktion auf das Leben in einem Gesellschaftssystem sein, das auf Ausbeutung und Widersprüche gebaut ist. Anstatt sich in Parallelwelten zu flüchten, gilt es, diesen Verhältnissen entschieden den Kampf anzusagen. Mit der religionskritischen Veranstaltungsreihe unter dem Motto „Don‘t believe the hype“ soll darum im Vorfeld des Papstbesuchs die „Waffe der Kritik“ geschliffen werden. Eine bloße inhaltliche Widerlegung der verschiedenen Heilslehren kann nicht das einzige Ziel sein. „Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muss gestürzt werden durch materielle Gewalt.“(7) Vom 22. Bis 25. September gilt es darum, die „Kritik der Waffen“ sprechen zu lassen! Kommt zu den Demos, organisiert Blockaden und dezentrale Aktionen um dem Panzerpapst und seinem Anhang die Parade der öffentlichen Verblendung gehörig zu vermiesen.

22. September 2011: Großdemo gegen den Papstbesuch
22. – 25. September 2011: Aktionstage gegen den Papst

nea.antifa.de/notwelcome


4 Antworten auf “„Erzähl mir nichts vom Papst. Der Papst ist ein deutscher homophober alter Mann und engagiert Holocaust-Leugner“”


  1. 1 delilah 16. Mai 2011 um 16:20 Uhr

    der vollständigkeit halber: das zitat im titel stammt von tapete, vom track „pro homo“ von sookee und tapete. das musikvideo dazu soll ab freitag bei youtube zu sehen sein.

    http://tapeteberlin.de/
    http://www.sookee.de/

  2. 2 tee 18. Mai 2011 um 1:07 Uhr

    das lied ist immerhin schon lange dort zu hören.

  3. 3 delilah 18. Mai 2011 um 13:55 Uhr

    ey. du saboteur. morgen abend videopremiere im silverfuture: http://www.facebook.com/event.php?eid=160144660715247

  4. 4 tee 20. Mai 2011 um 23:17 Uhr

    hab’s als appetizer verstanden ;)

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