Zum Hintergrund der Burschis

Sie wollen die »Ostgebiete« jenseits der Oder und Neiße wiederhaben, und manche wollen nur »Volksdeutsche« in ihren Reihen. Aber wer will die Deutschen Burschenschafter, wenn selbst die Münchner Sudetendeutsche Landsmannschaft sie nicht will?

Das haben sich die Aktivas und Alten Herren von der Burschenschaftlichen Gemeinschaft (BG) sicher anders vorgestellt. Am kommenden Samstag wollten sie ihr 50-jähriges Bestehen mit einem Kommers feiern – der offiziellen Form des verbindungsstudentischen Kneipenabends. Dort wird feierlichen Reden gelauscht und nach genauen Tischregeln und althergebrachten Riten gesoffen, was das Vaterland hergibt.

Abgehalten werden sollte die Festivität in den Räumlichkeiten der sudetendeutschen Landsmannschaft in München. Doch deren Haus bleibt den Korporierten verschlossen: Der Vertriebenenverband kündigte den Mietvertrag, da die BG den Vertriebenen schlicht zu rechts sein dürfte und sie um ihre staatliche Finanzierung fürchten. Das geht aus internen Papieren hervor, die ND vorliegen. Die Sache ins Rollen gebracht hatten die bayrischen Grünen mit einer kleinen Anfrage im Landtag. Diese hätten als »verlängertes Sprachrohr von a.i.d.a. fungiert, einer linksextremen Münchener Antifa-Organisation« agiert, heißt es bei der BG. Tatsächlich hatte die »Antifaschistische Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München«, kurz a.i.d.a., bereits Mitte Juni mit einer aufklärenden Artikelserie über die BG begonnen.

Neues Deutschland: Wer will die Korporierten?

Wegen dem Burschikommers am Samstag gibt es bereits am Mittwoch einen sehr spannend klingenden Vortrag im Kafe Marat:

Wann ist ein Bursche ein Mann?
„Mensur ist Menstruationsneid“ lassen Feminist_innen in Österreich wissen. Mannbarkeitsbewahrung, Treueschwur und Zeichen der Wehrhaftigkeit in einem meint hingegen die Burschenschaftliche Gemeinschaft (BG).
Die patriarchale Lebenswelt Studentenverbindung und die antifeministischen Schlussfolgerungen der Deutschen Burschenschaft, die daraus entspringen, sind Gegenstand dieses Vortrags.