Die Piraten und die NPD

Dass die Piraten sich ja nicht so ganz einig sind, ob bei ihnen die Holocaustleugnung nicht doch auch Teil ihrer „Meinungsfreiheit“ ist, ist ja bekannt. Und dann jetzt das:

Gleich zwei Piraten haben sich heute zu früheren Mitgliedschaften in der rechtsradikalen NPD bekannt. Den Anfang machte heute Morgen der Kreisvorsitzende der Piratenpartei in Freising, Valentin Seipt. Am Nachmittag bekannte sich das erst vor wenigen Wochen gewählte Mitglied des Kreistag Vorpommern-Greifswald, Matthias Bahner, zu seiner früheren Parteimitgliedschaft. Beide bezeichnen die NPD-Mitgliedschaft als sogenannte Jugendsünde. Es ging ihnen nur um Protest und Distanz zu den sogenannten etablierten Parteien. Die NPD kam da als Protestpartei gerade recht.

Das klingt ja nach einer wahrlich tiefschürfenden Auseinandersetzung. Danke.

Laut einem Hinweis von @Simon90L gab es gestern Abend noch ein kurzfristiges und öffentliches Treffen, bei dem Valentin Seipt von seinem Amt als Kreisvorsitzender der Piratenpartei in Freising zurück getreten ist. Anwesend waren der KV-Vorstand und Vertreter der Bezirks- und Landesvorstände der Piratenpartei, sowie Vertreter der örtlichen Antifa.

Seipt bereut es sehr, dass er nicht früher über seine frühere NPD-Mitgliedschaft informiert hat. Alle Anwesenden sind der Meinung, dass Valentin Seipt kein Nazi ist, weswegen er wahrscheinlich beim nächsten Kreisparteitag der Piratenpartei wieder antreten wird.

isarmatrose: Zwei Piraten geben NPD-Vergangenheit zu

Ein bisschen mehr zu den Hintergründen des ‚Aus- und Umstiegs‘ findet sich beim Janehl-Verlag:

Er habe sich als Jugendlicher von den etablierten Parteien nicht ernst genommen gefühlt. Trotzdem hat er sich für die Entwicklung des Landes interessiert. Er war in dieser Hinsicht weniger Politik, sondern vielmehr Politiker oder Parteienverdrossen. Und da kam, die NPD als Protestpartei gerade recht. Freilich hätte es zum protestieren auch andere Möglichkeiten gegeben.

Allerdings sei ihm von Anfang an klar gewesen, dass man lediglich auf demokratischen, rechtsstaatlichen Wege etwas hätte erreichen können. Und das war auch der einzige Weg, den er zu gehen bereit war. Eine „Karriere“ als Linker oder auch rechter Autonomer hat er daher nie in Erwägung gezogen.
Die NPD hat er bei Start seines Engagements dabei nicht mit Gewalt oder dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht. Im Gegenteil, die „führenden Köpfe“ der Partei haben dies zunächst auch weit von sich gewiesen. Doch irgendwann hatte er gemerkt, dass die Leute im kleinen Kreis eben anders sprechen, als auf Versammlungen. In der Öffentlichkeit gab man sich demokratisch und nicht diskriminierend. Unter Freunden sind dann schon deftige Worte gegen Ausländer gefallen. Zudem hat man keine Scheu gehabt, sich mit Kräften zu verbünden, die mehr oder weniger offen, das demokratische System ablehnten.
[…]
Als er schließlich merkte, dass die NPD doch nicht seine demokratische Heimat ist, sondern er sich zu den Piraten hingezogen fühlte nahm er dann an einem Aussteigerprogramm teil. Wie es weitergehen wird, ist noch unklar. Wichtig ist ihm, vor allem dass es mit den Piraten weitergeht.

Vielleicht hat seine (damalige) Affinität zur extremen Rechten auch mit seinem Musikgeschmack zu tun. Sein Facebook-Profil gibt da freimütig Auskunft. Da gibt es dann viel Metal und Mittelalterkram zu hören. Ich bin jetzt nicht so der Grauzone-Experte, aber neben den Böhsen Onkelz gibt es in seiner Liste z.B. auch Heidevolk, die sich scheinbar auch in einem Grauzone-Bereich bewegen und auftreten.