Archiv für Oktober 2011

Wichtige Demo morgen in München

Am Samstag, den 8.10.11 um 15.30 Uhr werden bulgarische Münchener_innen und Unterstützer_innen eine Demonstration mit anschließender Kundgebung, von der Goethestraße (Ecke Landwehrstraße) zum Sendlinger-Tor-Platz, veranstalten, um auf die gegen Minderheiten gerichteten Pogrome in Bulgarien aufmerksam zu machen.

Abi K., Angehöriger der türkischen Minderheit Bulgariens, ist am Freitag, den 29.09. aus Pasardschik in Bulgarien nach München gekommen. Er berichtet noch am selben Tag: „Seit vier Tagen traut sich im türkischen Viertel unserer Stadt keiner mehr aus dem Haus. Wir haben Angst, können nicht mehr schlafen, nicht mehr in die Arbeit oder zum Einkaufen gehen und die Kinder nicht mehr in die Schule. Unser Viertel wird von organisierten Schlägertrupps, die meist vermummt
auf Motorrädern anrücken, angegriffen. Erst gestern wurden wieder fünf oder sechs Leute aus der Nachbarschaft verprügelt. Die Polizei hat zwar das Viertel umstellt um uns zu schützen, aber die Hilfe von der Polizei ist nur halbherzig, die Schläger kommen trotzdem ins Viertel und verprügeln uns, wir haben kein Vertrauen in die Polizei. Als ich heute nach München gefahren bin, sagte der bulgarische Grenzpolizist, ich solle nicht flüchten, sondern in Bulgarien bleiben, um zu sterben – das wäre besser.“

via Kafe Marat
Mehr Infos soll es bei carava.net geben, gerade ist die Seite aber down.

Die Rosa Rächerinnen

Ins Leben gerufen wurde die Frauentruppe von der resoluten Inderin Sampat Pal Devi, die sie Gulabi-Gang taufte, was nicht einer gewissen Selbstironie entbehrt. Gulabi meint rosa und soll das süße weibliche Wesen symbolisieren. Doch statt Süßem geben die Damen den Herren kräftig Saures. Erstmals für landesweite Schlagzeilen sorgte Devi 2007, als sie mit ihren Mitstreiterinnen öffentlich einen Polizisten verdrosch, weil dieser ohne Anklage einen Bauern einer unteren Kaste für zwei Wochen im Gefängnis schmoren ließ. Später verprügelten sie Ordnungshüter, die sich weigerten, Vergewaltigungen und sexuellen Missbrauch zu untersuchen.
[…]
Die Gulabi haben ein Instrumentarium der abgestuften Eskalation entwickelt. Sie versuchen es mit gutem Zureden, sie stellen Missetäter öffentlich bloß und drohen Uneinsichtigen. Erst wenn das alles nicht hilft, werden die Damen handgreiflich. Die Schlagstöcke tragen sie keineswegs nur zur Dekoration. „Wir reden dann erst mit dem Mann, der seine Frau schlägt. Wenn er es nicht versteht, fordern wir seine Frau auf mitzumachen, während wir ihn mit unseren Lathis verprügeln.“ Devi selbst schwört weiter auf die Sprache der Gewalt. Diese habe sich als wirksamstes Mittel erwiesen, um Probleme zu lösen.

Der Tagesspiegel: Frauen-Gang lehrt Männer das Fürchten
via Lantzschi

Alle die mit uns auf Kaperfahrt fahren…

Ihre Musik kündet von einer Zeit, da noch von Mensch zu Mensch kommuniziert wurde, mit nicht mehr als einer Gitarre und naturbelassener Stimme. Optimierungstechnologien wie die Computersoftware Autotune, mit der auch der schlechteste Sänger jeden Ton trifft, waren noch nicht erfunden. Für viele Anhänger des Vollbartfolks ist das bloße Nichtmitmachen bei der permanenten Selbstaufrüstung bereits eine Kritik am digitalen Kapitalismus. Wer daran glaubt, der hält auch die Fleet Foxes, diese unqueerste, geheimnisloseste, bescheidenste und patenteste aller Vollbartbands, für die Krone der Schöpfung, der unverfälschten.
[…]
„Mojo“ und „Uncut“, die Zentralorgane der retrogressiven Musealisierung des Rock, feiern Bands wie die Fleet Foxes. Sie dürfen sogar aufs Cover, eine Ehre, die sonst nur Toten, über Sechzigjährigen und den Gallagher-Brüdern zu Teil wird. Bei „Mojo“ und „Uncut“ widmen sich jahrzehntelang gereifte Edelfedern des Rockjournalismus auf hohem Niveau der Traditionspflege. Jubiläen werden gefeiert wie sie fallen, 60 Jahre Rock‘n'Roll, 50 Jahre Beatles, 40 Jahre T. Rex, 35 Jahre Punk und, ja, 20 Jahre „Nevermind“ von Nirvana. Weiße, heterosexuelle Männer schreiben Monat für Monat an der Bibel der weißen, heterosexuellen Rockmusik.

Mal überraschend guter Popjournalismus bei SpON: Haare überwuchern Haltung

„Ein bisschen Freiraum muss es auch in Einrichtungen der Stadt geben dürfen.“

„Ein bisschen Freiraum muss es auch in Einrichtungen der Stadt geben dürfen.“

Wer wann wie mit wem?

Doch in Zeiten eines flexibilisierten und neoliberalen Geschlechterregimes, wirken die geschlechterpolitischen Institutionen wie behäbige Bürokratiemonster, die kaum mehr in der Lage sind, auf die sich ständig verändernden Bedürfnisse und Lebensbedingungen ihrer Zielgruppe reagieren zu können. Die Frage, wer Teil der Zielgruppe ist, bleibt dabei meistens ebenso unbeantwortet wie die Frage nach der Strategie.

Feministische und emanzipatorische Potenziale im geschlechterpolitischen Feld sucht man also heutzutage lieber in autonomen Kontexten: Antisexismusbündnisse der radikalen Linken, queer/feministische Verzweigungen und Diskussionen im Internet, Mailinglisten zu Antirassismus und Empowerment, Workshops in FrauenLesbenTrans*-Räumen oder Planungstreffen zu queeren(den) Veranstaltungen, um nur einen kurzen Einblick in das weit gefächerte Spektrum widerständiger, autonomer Politiken zu geben.
[…]

Ein „Wir“ muss stets neu verhandelt werden, um breite Solidarität zu erreichen. Ein „Wir“ muss mit Widersprüchen und Brüchen umgehen können. Ein „Wir“, das ohne radikale Selbstkritik auskommt, ist nichts weiter als ein_e Stellvertreter_in von Partikularinteressen einer privilegierten Gruppe.

Allerdings gerät ein Aspekt bei dieser feministisch-kritischen Erwartungshaltung gern ins Hintertreffen: Für Selbstreflexion, Differenziertheit, theoretische Einordnungen und politische Arbeit sind Ressourcen nötig, die innerhalb klassistischer und rassistischer Verhältnisse nicht allen gleichermaßen zur Verfügung stehen. Zugleich greifen strukturell verankerte Diskriminierungsmuster, die den Zugang in entsprechende Räume erheblich erschweren: Wieviele Betroffene rassistisch motivierter Gewalt sind in autonomen Politgruppen aktiv? Wer kann ein Studium aufnehmen und/oder kommt in den Genuss kritischer Wissensfelder? Wer kann sich die Arbeit in unter- bzw. nichtfinanzierten Projekten leisten?

Nadine Lantzsch: Widerstand mit Hindernissen – Fallstricke queer/feministischer Bündnispolitik

»Sekundärer Antisemitismus«, Nationalismus oder »verkürzter Antikapitalismus«?

»Sekundärer Antisemitismus«, Nationalismus oder »verkürzter Antikapitalismus«?

Durch die gute Deutsche Schule gegangen