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Die Piraten und die NPD

Dass die Piraten sich ja nicht so ganz einig sind, ob bei ihnen die Holocaustleugnung nicht doch auch Teil ihrer „Meinungsfreiheit“ ist, ist ja bekannt. Und dann jetzt das:

Gleich zwei Piraten haben sich heute zu früheren Mitgliedschaften in der rechtsradikalen NPD bekannt. Den Anfang machte heute Morgen der Kreisvorsitzende der Piratenpartei in Freising, Valentin Seipt. Am Nachmittag bekannte sich das erst vor wenigen Wochen gewählte Mitglied des Kreistag Vorpommern-Greifswald, Matthias Bahner, zu seiner früheren Parteimitgliedschaft. Beide bezeichnen die NPD-Mitgliedschaft als sogenannte Jugendsünde. Es ging ihnen nur um Protest und Distanz zu den sogenannten etablierten Parteien. Die NPD kam da als Protestpartei gerade recht.

Das klingt ja nach einer wahrlich tiefschürfenden Auseinandersetzung. Danke.

Laut einem Hinweis von @Simon90L gab es gestern Abend noch ein kurzfristiges und öffentliches Treffen, bei dem Valentin Seipt von seinem Amt als Kreisvorsitzender der Piratenpartei in Freising zurück getreten ist. Anwesend waren der KV-Vorstand und Vertreter der Bezirks- und Landesvorstände der Piratenpartei, sowie Vertreter der örtlichen Antifa.

Seipt bereut es sehr, dass er nicht früher über seine frühere NPD-Mitgliedschaft informiert hat. Alle Anwesenden sind der Meinung, dass Valentin Seipt kein Nazi ist, weswegen er wahrscheinlich beim nächsten Kreisparteitag der Piratenpartei wieder antreten wird.

isarmatrose: Zwei Piraten geben NPD-Vergangenheit zu

Ein bisschen mehr zu den Hintergründen des ‚Aus- und Umstiegs‘ findet sich beim Janehl-Verlag:

Er habe sich als Jugendlicher von den etablierten Parteien nicht ernst genommen gefühlt. Trotzdem hat er sich für die Entwicklung des Landes interessiert. Er war in dieser Hinsicht weniger Politik, sondern vielmehr Politiker oder Parteienverdrossen. Und da kam, die NPD als Protestpartei gerade recht. Freilich hätte es zum protestieren auch andere Möglichkeiten gegeben.

Allerdings sei ihm von Anfang an klar gewesen, dass man lediglich auf demokratischen, rechtsstaatlichen Wege etwas hätte erreichen können. Und das war auch der einzige Weg, den er zu gehen bereit war. Eine „Karriere“ als Linker oder auch rechter Autonomer hat er daher nie in Erwägung gezogen.
Die NPD hat er bei Start seines Engagements dabei nicht mit Gewalt oder dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht. Im Gegenteil, die „führenden Köpfe“ der Partei haben dies zunächst auch weit von sich gewiesen. Doch irgendwann hatte er gemerkt, dass die Leute im kleinen Kreis eben anders sprechen, als auf Versammlungen. In der Öffentlichkeit gab man sich demokratisch und nicht diskriminierend. Unter Freunden sind dann schon deftige Worte gegen Ausländer gefallen. Zudem hat man keine Scheu gehabt, sich mit Kräften zu verbünden, die mehr oder weniger offen, das demokratische System ablehnten.
[…]
Als er schließlich merkte, dass die NPD doch nicht seine demokratische Heimat ist, sondern er sich zu den Piraten hingezogen fühlte nahm er dann an einem Aussteigerprogramm teil. Wie es weitergehen wird, ist noch unklar. Wichtig ist ihm, vor allem dass es mit den Piraten weitergeht.

Vielleicht hat seine (damalige) Affinität zur extremen Rechten auch mit seinem Musikgeschmack zu tun. Sein Facebook-Profil gibt da freimütig Auskunft. Da gibt es dann viel Metal und Mittelalterkram zu hören. Ich bin jetzt nicht so der Grauzone-Experte, aber neben den Böhsen Onkelz gibt es in seiner Liste z.B. auch Heidevolk, die sich scheinbar auch in einem Grauzone-Bereich bewegen und auftreten.

Nochmal PI

Im August 2005 trafen sich 60 Gleichgesinnte in einem Münchner Lokal zur Kennenlern-Party: Das Blog „Achse des Guten“, das Publizist Henryk Broder mit zwei Kollegen betreibt, lud zum „Pro-westlichen Heimatabend“ (Foto). Zu Gast: Stefan Herre, Chef von Politically Incorrect, den Broder bis 2007 auch auf seiner Website empfahl. Angefreundet haben sich Broder – dessen Polemik gegen Islam und „linksreaktionäres Gutmenschenpack“ in Essay-, Talkshow- und Buchform die PI-Fans anhimmeln – und Herre nicht.

Zumindest sind die beiden bis heute per Sie – auch in den mindestens 30 Mails, die sie 2010 und 2011 austauschten. Dass sie das tun, überrascht dennoch: Broder distanziert sich bisher von PI. „Was Politically Incorrect macht, ist meine Sache nicht“, sagte er in 3sat. Als eine Bekannte Herre damit konfrontierte, schrieb der ihr: „Mit Broder telefonier und email ich ab und zu. Dass er öffentlich was anderes über PI sagt, naja, damit muss ich leben.“

Broders E-Mails sind denn auch vertraulicher: Er bestellt Grüße an Geert Wilders, bespricht mit Herre einschlägige Themen und eine gemeinsame Veranstaltung mit Thilo Sarrazin oder plaudert aus dem Nähkästchen – etwa, dass Marcel Reich-Ranicki sich für Broders Laudatio bedankt, aber „das halbe publikum gemurrt“ habe. Das PI-Forum sei aber „unter aller sau“, schrieb er vor drei Wochen.

Gemeinsame Freunde sind auf Broders „Achse“dennoch willkommen: Jüngst ließ er Detlef Alsbach ausbreiten, wieso es in Deutschland „von Nachteil ist, Deutscher und von Vorteil ist, Türke zu sein“. Alsbach ist Mitglied von Pro Köln und ein Duzfreund von Herre.

Quelle: FR über die Achse des Guten

PI & Co

In der PI-Welt dominiert die Überzeugung, dass es nur gewaltbereite Muslime gibt und solche, die sich bis zum Ausbruch einer islamischen Revolution in Europa zum Schein friedlich geben. PI versteht sich als Bollwerk gegen diese Umwälzung. Der Islam, sagt Herre, sei keine Religion, sondern eine „Gewalt-Ideologie“, die genauso behandelt werden müsse. Nach und nach gewann er mit solchen Thesen zahlreiche Mitstreiter, darunter eine Reihe enttäuschter CDU/CSU-Leute.

Der innerste Führungszirkel lässt es zu, dass in dem Blog Muslime als Gesindel, Abschaum und Türkendreck beschimpft und zum bewaffneten Kampf gegen den Islam aufgerufen werden kann. Und das mitnichten nur in den Kommentarspalten. Auch in den redaktionellen Beiträgen finden sich hetzerische und rassistische Aussagen.

[…]

Unterstützt werden Herre und Dietrich von etwa einem halben Dutzend engster Mitarbeiter, darunter Polizeioberkommissar Torsten Groß, der zu den Führungsfiguren der Rechtsaußen-Partei „Bürger in Wut“ zählt. Diese sorgte im Frühjahr mit ihrem Wiedereinzug in die Bremer Bürgerschaft bundesweit für Schlagzeilen. Ebenfalls zum innersten PI-Zirkel gehört Michael Stürzenberger alias „byzanz“, ein früherer CSU-Mann und Ex-Sprecher der Strauß-Tochter Monika Hohlmeier.

Und Christian Jung alias „Nockerl“, der bis vor kurzem in der Ausländerabteilung des Kreisverwaltungsreferats München arbeitete. Dass Jung und Stürzenberger, der den Nationalsozialismus auf PI „eine linke Bewegung“ nannte, Führungsfunktionen in der islamfeindlichen Partei „Die Freiheit“ innehaben, ist kein Zufall.

Seit Gründung der „Freiheit“ im Herbst 2010 durch den Berliner CDU-Renegaten Rene Stadtkewitz pflegen Herre & Co. engste Kontakte zu der anti-islamischen Ein-Themen-Partei.

[…]

Dass die Texte und Kommentare auf PI mitunter juristischen Sprengstoff enthalten, ist den Verantwortlichen offenbar schon lange bewusst. Zudem treibt sie die Frage um, wie sie verhindern können, für jede Aktion der zahlreichen PI-Gruppen haftbar gemacht zu werden. Herres damaliger Anwalt entwarf daher bereits im Frühjahr 2010 ein Gründungskonzept für einen PI-Verein, dessen Satzung jedes einzelne Mitglied abzeichnen müsste.

Es sei von Vorteil, so der Jurist, wenn jede PI-Gruppe eigenverantwortlich handeln und lediglich die Namens- und Markenrechte von PI erhalten würde. Rockerbanden wie die Hell’s Angels und Bandidos machten das auch so: „Wird eine Ortsgruppe als kriminelle Vereinigung verboten, bleiben die anderen weiter erlaubt…Davon kann man lernen.“

Über den Namen eines solchen Vereins hat man sich intern auch schon Gedanken gemacht. Allerdings nicht zu jedermanns Zufriedenheit. „Hallo Stefan“, schrieb im August 2010 ein befreundeter Unternehmensberater: „Den vorgesehenen Namen Politically Incorrect Germans – PIG e.V. halte ich für nicht ideal, weil schon das Kürzel PIG gewisse Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Projekts aufkommen lässt.“

Berliner Zeitung: Im Netz der Islamfeinde

Die Art, wie der Artikel den absurden Philosemitismus in dieser Szene (nicht) einordnet halte ich allerdings für sehr problematisch. Da an dieser Stelle einfach ein Zitat von Wikipedia:

Seit 1945 wird der Ausdruck allgemein als wohlwollende Haltung von Nichtjuden gegenüber Juden verstanden bzw. gegenüber dem, was Nichtjuden als typisches und wertvolles Anliegen der Juden betrachten. In diesem Sinne wurde Philosemitismus oft als „umgekehrter Antisemitismus“ gedeutet und kritisiert, der nur das gelten lasse, was Nichtjuden an Juden sympathisch finden.

Pogrome

Rassismus und Kapitalismus: Die Anderen als Konjunkturpuffer. Das war der Katalysator für die rassistischen Übergriffe, die eine Woche lang in Hoyerswerda ungesühnt, unsanktioniert und bejubelt von Hoyerswerdaern ihren Lauf nehmen konnten. Doch, wollen wir dem Kapitalismus nicht zu viel Ehre zuteil werden lassen. Rassismus bahnt sich seinen Weg auch durch sozialistische bzw. nicht-kapitalistische Gesellschaften. Ich sprach von Katalysator. Ich sprach noch nicht von rassistischen Strukturen, Vorurteilen, Bildern, die lange, bevor Marx in die Windeln kackte, bereits virulent waren. Die sich bis heute durchziehen. Und von all dem Stumpfsinn, den das dröge rote System mit sich brachte. Übrigens kein schlechteres als das der BRD. Nur anders organisiert. Gleich sind beide in ihrem Konstruieren eines Post-Nazi-Deutschlands, das nach ’45 alles anders machen wollte. Und wieder wurde Einigkeit heraufbeschworen, die so für das Territorium, auf dem sich die deutschen Grenzen heute so langschlängeln, nie bestanden hat. Volkstum, Deutschtum, deutsche Nation, Reich – Konstrukte für die Einheit. Das Volk ohne Schuld, das Volk ohne Verantwortung, das Volk der Opfer.
[…]

Und dann ist es 1991 und die Verdrängung setzt erneut ein. Ich durfte eine Woche nicht raus zum Spielen, weil wir zwei Blöcke weiter wohnten. Meine Eltern behaupten bis heute, die Nazis seien von außerhalb mit Bussen in die Stadt gefahren worden. Es ist nur ein Teil der Wahrheit. Wissen wir doch spätestens durch Filmaufnamen, dass Bürger_innen mitwarfen, mitpöbelten – zusammen mit Nazis aus der näheren Umgebung und Hoyerswerda, während die Polizei danebenstand und alles beobachtete. Es war ja auch noch nie anders gewesen.

1991 war nichts Unvorhergesehenes, Hoyerswerda kein Einzelfall. Noch Jahre danach marschierten Nazis durch Hoyerswerda und Umgebung. Nazis finden alle doof. Aber in vielen Dingen sind wir uns doch einig. Zum Glück haben wir immer einen Ort zur Hand, in den wir alles hinein-externalisieren können. Nazi-Deutschland, Nazis, die da.

Medienelite: Deutschland, Verdrängungsland.
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Danach begann die neonazistische “Arbeiterpartei” DSSS damit, die aufgeheizte Stimmung zu ihrem Zweck zu nutzen. Für den 10. September kündigte sie gleich drei Aufmärsche beziehungsweise Kundgebungen in der Region an. In Nový Bor, Varnsdorf und Rumburk rief sie dazu auf, gegen Roma auf die Straße zu gehen. Am Bahnhof von Nový Bor sammelten sich bereits am frühen Samstagnachmittag etwa 300 Neonazis, weitgehend aus dem Spektrum der rechten Skinheadszene. Etwa 200 BewohnerInnen des Ortes beobachten die Szenerie vom Straßenrand und reihten sich wenig später in die Demonstration ein. Immer wieder klatschten Teile der am Rand stehenden Bevölkerung Beifall zu den Parolen “Tschechien den Tschechen”, “Roma sollen arbeiten” und “radikal, sozial, national”. Als der Zug auf dem Marktplatz von Nový Bor ankommt, warten dort noch einmal knapp 300 applaudierende Menschen.
[…]
Antiziganistische Demonstration
Wie schon eine Woche zuvor wollen sie zu den von Roma bewohnten Häusern ziehen. Auf halbem Weg werden sie an einer engen Straßenkreuzung von einer Polizeikette aufgehalten. Daraufhin werden die Beamtinnen und Beamten mit Flaschen bzw. Knallkörpern beworfen und von der Menge beschimpft. Nach etlichen Steinwürfen fährt ein Wasserwerfer auf und die Polizei schafft es mit Unterstützung durch berittene Einheiten, den Mob etwas zurückzudrängen. Die Stimmung bleibt aggressiv, immer wieder kommt es zu verbalen und körperlichen Angriffen auf Journalisten. Einem Fotografen werfen die Neonazis eine Mülltonne entgegen, ein anderer wird gezielt mit Steinen beworfen. Im Getümmel verliert ein Neonazi seinen Totschläger. Während ein Teil der Menschenmenge von der Polizei in die Seitenstraßen der Kleinstadt zurückgedrängt werden kann, setzt der Rest nach und versucht erneut die Polizeisperre zu durchbrechen. Aus der Menge fliegen erneut Blendgranaten auf die Polizei. Immer wieder versuchen berittene Beamte, die randalierende Menschenmenge zurückzudrängen.
[…]
Während Neonazis für den 17. September schon wieder zu einem Aufmarsch in Varnsdorf aufrufen, verharmlost die Sächsische Zeitung die rassistisch motivierten Ausschreitungen. Demnach waren sie “der vorläufige Höhepunkt der seit Wochen anhaltenden UNRUHEN zwischen der tschechischen Bevölkerungsmehrheit und der Roma-Minderheit in der von hoher Arbeitslosigkeit geprägten strukturschwachen Region.”

Keine hundert Kilometer von Dresden entfernt, mitten in der Europäischen Union, fürchten Menschen Tag für Tag um ihre Wohnungen, um ihre Kinder, um ihr Leben. Sie werden bedroht von einem rassistischen Mob, der nicht vorrangig aus Neonazis besteht, sondern aus den ganz normalen Nachbarn und Nachbarinnen, den ganz normalen BwohnerInnen von Rumburk, Varnsdorf und von Nový Bor. Sie sind gezwungen im Feindesland zu leben. Und sie sind gezwungen, ihre Kinder in diesem Feindesland aufwachsen zu sehen. Sie brauchen unsere Unterstützung.

Alternative Dresden News: Pogromartige Stimmung gegen Roma in Tschechien

Sächsische Zustände

Nazihorden ziehen „Sieg-Heil“-Rufe grölend durch die Stadt und fühlen sich dabei pudelwohl, den alternativen Jugendlichen entgegnen sie immer wieder mit Körperverletzungen und Sachbeschädigungen – der „Provinzfürst (Oberbrügermeister Hans-Christian Rickauer, CDU) sieht weg und beschäftigt sich lieber mit dem Ausbau von Prestige-Objekten“. Seit der Eröffnung des Freiraums „Schwarzer Peter“ wurde dieser immer wieder von Neonazis angegriffen, Scheiben wurden eingeschlagen und Türen eingetreten. Teilweise standen auch Gruppen bestehend aus „20-30 Nazis vor dem Infoladen und drohten einzustürmen“, nach Hause gehende Jugendliche wurden „von größeren Nazigruppen abgefangen“. Die Vermieterin hatte irgendwann die Schnauze voll und kündigte den Mietvertrag, der Verein stand auf der Straße, die Jugendlichen hatten keinen Ort mehr zum Treffen. Aber sie machten weiter und wollten ein „Stay-Rebel“-Festival veranstalten, fanden aber keine Räume dafür – auch begründet darin, dass potenzielle Vermieter_innen Angst vor Angriffen der Nazis hatten. Letztendlich entschlossen sich die Jugendlichen ein Objekt zu kaufen, um unabhängig von Vermieter_innen zu sein. Das Projekt hieß Doro40 – voran ging es allerdings nur langsam, es gab keine Förderungen durch die Stadt (diese glänzte eher durch zahlreiche Restriktionen) und auch Übergriffe seitens der Nazis ließen nicht nach. Eine Elterninitiative gründete schließlich im Februar 2010 ein basisdemokratisches „Buntes Bürgerforum Limbach-Oberfrohna für Demokratie und Toleranz“, in dem sich auch einzelne Vereinmitglieder_innen engagieren. In Konkurrenz hierzu meinten die Stadtoberen ebenfalls ein „Bürgerbündnis für Demokratie und Toleranz – gegen jeden Extremismus“ gründen zu müssen, lächerlich in Anbetracht dessen, dass auch die NPD zum Gründungstreffen eingeladen wurde

aaud: Rabatz-Bündnis solidarisiert sich mit antifaschistischen Jugendlichen in Limbach-Oberfrohna

Teil des Ganzen

Hermann, Stürzenberger und die Kameradschaft

Inwieweit Michael Stürzenberger, ehemaliger Pressesprecher der Münchner CSU, inzwischen in der rechten Partei „Die Freiheit“, mit seinen ehemaligen Parteikammeraden noch zusammenarbeitet, weiß ich nicht. Aber zumindest in einem Politikfeld ziehen die CSU und „Die Freiheit“ gerade gemeinsam an einem Strang, nämlich bei der Forderung doch endlich das Kafe Marat zu schließen und grundsätzlich gegen alles zu schießen, was ihnen irgendwie zu links erscheint.

So hat der Bayrische Innenminister Hermann mal wieder das Bedürfnis gehabt, den Druck auf die Stadt München zu erhöhen, das Kafe doch endlich dicht zu machen. Gleichzeitig präsentierte er letztens die neue Internetplattform „Bayern gegen Linksextremismus“.
Was es damit auf sich hat fasst der Isarmatrose ganz gut zusammen:

Auf Grund von einem Anstieg linksextremistischer Straftaten auf 372 Vorfälle im Jahr 2010, ist der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) so sehr in Sorge, dass ihm offensichtlich die 1.513 rechtsextremistische Straftaten entgangen sind und er den Aufbau des Informationsportal begrüßte. Auf der Homepage werden für Lehrer Lehrmaterialien und Vorschläge der Unterrichtsgestaltung angeboten, sowie Verhaltenstipps und Kontaktadressen von Ansprechpartnern für Zeugen linksextremistischer Aktionen, die allerdings durch das bayerischen Innenministeriums sehr schwammig definiert sind und unterschiedlich ausgelegt werden können.

Allein die Teilnahme an einer Demonstration, auf der etwas für den Beobachter unerklärliches passiert, reicht nach Ansicht des Innenministerium für eine Meldung bei der Polizei aus. Die Betreiber der Seite lassen den Leser wissen, dass es nicht notwendig ist, „rechtlich prüfen oder belegen zu können, ob ein bestimmtes Verhalten tatsächlich relevant ist oder nicht.“ Das Innenministerium freut sich offenbar über jede Meldung und ruft damit zum unkontrollierten denunzieren auf. Jeder, der an einer Demonstration teilnimmt oder sich vielleicht nur zufällig in der Nähe aufhält, kann dadurch Opfer einer Denunziation werden. Die Seite richtet sich offensichtlich nicht gegen linksextremistische Gewalttaten, sondern gegen Linke und Andersdenkende per se.
[…]
Rechtsextreme Websites, wie Politically Incorrect, auf der sich schon der christliche Terrorist weißer Hautfarbe, der im Juli mindestens 91 Menschen in Oslo und auf der Insel Utøya tötete, Ideen für seine rassistische Hetzschrift holte, werden, im Gegensatz zu KZ-Überlebenden wie Ernst Grube, nicht einmal im Landesverfassungsschutzbericht erwähnt. Der bayerische Innenminister ist offensichtlich auf dem rechten Auge blind und konzentriert sich mit dem gleichen ideologischen Eifer, wie seine Parteifreunde Hans-Peter Uhl und Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, die das Internet gerne in ein Gefängnis verwandeln würden, gegen politische und gesellschaftliche Strömungen ein, die seinem Weltbild nicht entsprechen.

Und für PI schreibt dann wiederum Michael Stürzenberger. In seinem letzten Artikel zum Marat, hatte er dann auch zunächst als Quellenangabe für eine Sache die Seite der Kameradschaft München Nord verlinkt. Dabei sind PI und Die Freiheit doch sonst so sehr darauf erpicht, dass ihnen keine_r vorhalten kann, sie wären Nazis oder würden mit Nazis zusammenarbeiten.
Inzwischen ist die Verlinkung dann auch wieder verschwunden, einen Screenshot hab ich leider nicht vorliegen (falls da wer einen von hat, hätte ich nichts gegen einen Kommentar einzuwenden).

Das ist zumindest insofern interessant, wird doch die Erwähnung des aida-Archivs im Verfassungsschutzbericht mit einer handvoll Links zu angeblich linksextremen Webseiten begründet.

Zur Abwechslung mal Rassismus bei den Danuben

Eine neue Schmähschrift treibt die Spaltung der Deutschen Burschenschaft voran: Ein Alter Herr hetzt darin gegen Überfremdung und Asiaten, die keine „Arier“ seien. Ein Mitglied wird dabei erneut angegriffen: Kai Ming Au. Der erwägt jetzt eine Anzeige.

Die Hetzschrift des Alten Herrn aus Bayern liest sich wie ein Pamphlet aus den dreißiger Jahren: Kann die Deutsche Burschenschaft „glaubwürdig gegen Umvolkung und Überfremdung auftreten, wenn sie allen Ausländern freien Eintritt einräumt?“ Tatsächlich stammt der Text aus dem Jahr 2011.

Der Alte Herr Fred Duswald ist Mitglied der pflichtschlagenden und extrem rechten Verbindung „Danubia München“, die zeitweilig vom bayerischen Verfassungsschutz beobachtet wurde und auch Mitglied im Dachverband Deutsche Burschenschaft (DB) ist. Den Artikel veröffentlichte er unter der Überschrift „Paßtum contra Volkstum“ in der August-Ausgabe der rechtskonservativen Zeitschrift „Die Aula“ in der Rubrik „Akademisches Leben“.
[…]

Was die Ultras unter den Burschenschaftern erzürnt, ist Kai Ming Aus Ankündigung, auf dem kommenden Burschentag 2012 für ein Verbandsamt zu kandidieren. Falls der Sprecher der Mannheimer Burschenschaft „Hansea“ zum Vorsitzenden des „Ausschusses für Jugend und Nachwuchswerbung“ in der DB gewählt würde, käme das dem ideologischen Super-GAU für den rechtsextremen Flügel des Verbands gleich: „Siegt der Chinese, dann heißt seine Zielgruppe: Au wie Ausländer. Bei Hansea Mannheim steht schon der zweite Chinamann auf der Matte“, schreibt Duswald.

SpOn: Burschenschafter hetzen gegen „Nicht-Arier“

Der Untergang der Zivilisation

Es sind PI-Kommentare wie dieser, die angesichts der jüngsten Ereignisse in Norwegen aufhorchen lassen: „Multikulturalismus ist Völkermord wie der Holocaust, nur subtiler“. Ein anderer Leser ergänzt: „Wenn der Islam nicht bekämpft und ausgerottet wird, ist das der Untergang der Zivilisation“.
[…]
Auf dem Blog werden in hysterischer, pathologisch fragwürdiger Art und Weise, Angstszenarien propagiert, die auf den ersten Blick so lächerlich erscheinen, dass viele Menschen die Gefahr die von ihnen ausgeht, nicht ernst nehmen wollen. Doch diejenigen, die als Leser bleiben, radikalisieren sich, wiegeln sich gegenseitig auf, ergötzen sich an Gewaltphantasien und Kommentierungen, die man zu Recht anderswo nicht posten dürfte.
[…]
Wer einerseits muslimische Mitbürger wegen mangelnder Sprachkenntnisse oder ihrer kulturellen Gewohnheiten als ungleich erachtet, andererseits aber so genannte „gut integrierte“, ja nahezu assimilierte Migranten als „fünfte Kolonne“ der Unterwerfung Europas unter den Islam brandmarkt, dem ist in Gesprächen nicht mehr rational zu begegnen. Das geschlossene Weltbild schafft sich seine eigenen Fakten, seine eigenen Realitäten fernab des Wahren.

Störungsmelder: PI-News: Das Hassblog der Rechtspopulisten

Brüder im Geiste

Anders Behring Breiviks, der mutmaßliche Doppelattentäter von Oslo, war kein Neonazi. Eine Zeit lang war er in der rechtspopulistischen norwegischen Fortschrittspartei aktiv. Die ist ein Vorbild für rechtspopulistische Parteien in Deutschland. Das politische Milieu ,dem Breivik entstammt, gibt es auch in Deutschland – und es wächst.
[…]
Was Pro NRW und Die Freiheit eint, ist eine schon fast paranoide Angst vor dem Islam. Jeder Neubau einer Moschee wird als drohender Beginn des Untergangs des Abendlandes gewertet. Die Kritik am Islamismus hat vor allem einen Sinn: Nicht seine autoritären Denkmuster in Frage zu stellen sondern Rassismus zu kaschieren. Denn autoritäre Denkmuster sind der Kern der Rechtspopulismus.

Eines der zentrales Medium der Rechtspopulisten in Deutschland neben der Postille “Junge Freiheit” die Online-Plattform „PI-News“. PI-News besteht vor allem aus Nachrichten über Ausländerkriminalität, der drohenden Islamisierung und zu großem Einfluss linker Ideen. Die geheuchelte Sympathie gegenüber Israel hat nur den Zweck, sich das Image der geläuterten Rechten zu geben.

Ruhrbarone: Breiviks deutsche Brüder im Geiste

Beste Schlagzeile ever!


via Oire Szene

Seitenweise interne Burschipapiere geleakt

Auf Linksunten ist ein riesiger Haufen interner Burschipapiere geleakt. Also wer Zeit (und vermutlich eine hohe Kotzschwelle) hat, kann das ja mal durchwühlen. Da finden sich bestimmt die einen oder anderen Schmankerl.