Archiv der Kategorie 'Antikap'

Ich besetz jetzt erstmal das Firmenklo…

Und wie es derzeit eben üblich ist, hängen sich alle, die ihre Demokratie wieder oder endlich oder noch mehr zu einer wahrhaften, true & real, machen wollen, besinnungslos mit dran und rufen für den 15.10. zur Besetzung anderer Börsen, vermeintlich wichtiger öffentlicher Plätze oder auch gleich des ganzen Planeten auf. Und geben jede Menge kaum noch entwirrbare Begründungen dafür ab, warum der Kapitalismus so unglaublich perfide und schlimm ist, die Lösung aber nicht in seiner Überwindung sondern in noch mehr Demokratie, Transparenz, Einigkeit und Sparsamkeit besteht. Besonders häufig ist die Rede vom Ende merkwürdiger kognitiver Dissonanzen (daß die eigene Stimme wieder zu hören sein soll) und vom Ende der Kränkung, als Untertan nicht ernstgenommen zu werden (diejenigen, die einem die ganze Scheiße eingebrockt haben, sollen einem wenigstens endlich mal zuhören).

Und das heißt dann eben auch: noch mehr Sozialdemokraten, noch mehr Rumgeheule, noch mehr ideologische Klamottenkiste (99% gegen 1% war ja schon die Parole der bürgerlich-demokratischen Revolution gegen den parasitären Adel), mehr oder weniger offener Antisemitismus, mehr oder weniger offen religiöser Moralismus und insgesamt der guten alten Versuch, die Übel der kapitalistischen Verwertung einem Prozent der Bevölkerung anzulasten und dieses irgendwie loszuwerden oder “zu vertreiben”, wohin auch immer.

classless kulla: Occupy yourself

Acab, ein türkischer Vorname

Acab, ein türkischer Vorname
Wer’s immer noch nicht versteht (wie eben die Nürnberger Zeitung), kann sich das ganze nochmal bei Bildblog erklären lassen.

Rassismus, Klassismus, Sexismus in der Intersektionalität

Die Leute sollen sich nicht mehr nur, wie einst, „die Haare schneiden und rasieren“, wie Kurt Beck einst einem Hartz-IV-Empfänger als Tipp für die Arbeitssuche mit auf den Weg gab, nein, sie sind inzwischen selbst das Problem, dass sich „auswachsen“ soll, wie Sarrazin und Heinsohn es nennen.
Das meint, es geht um Eugenik. Der hegemoniale Integrationsdiskurs richtet sich nicht nur gegen ausländische Unangepasstheit an teutonische Sitten und Bräuche. Er ist auf die soziale Disziplinierung der Gesamtgesellschaft gerichtet. Der soziale Inhalt der Integrationsdebatte erschließt sich nicht zuletzt aus der von Sarrazin vorgenommenen Identifizierung von muslimischen Migranten und Unterschichten. Dass mangelnder Anpassungswille mit dem Verlust sozialer Rechte bestraft werden kann und soll, dass diese Forderung bereits, man muss sagen: wieder, kursiert, ist eine Gefahr, die nicht nur integrationsunwilligen Ausländern, sondern perspektivisch uns allen droht.

Spannendes Interview mit dem Soziologen Andreas Kemper

Das Fazit am Schluss kommt dann imho recht plötzlich und wird nicht so ganz schlüssig hergeleitet.
Aber auf jeden Fall auf vielen grundsätzlichen Ebenen ein paar spanndende Denkanstöße.

This is what democracy looks like! (3)


via Indymedia

Die dunkle Seite der Macht?

»Die Furcht vor Verlust ein Pfad zur dunklen Seite ist«, lehrt Yoda. Das hat sich George Lucas wohl zu Herzen genommen. Er unterzeichnete »The Giving Pledge« und trennt sich von einem Teil seines Vermögens, ebenso wie 39 weitere Milliardäre. Doch ist Yoda als führendes Mitglied eines obskurantistischen Geheimordens, der Kindersoldaten rekrutiert und ihnen eine zölibatäre Existenz aufzwingt, sich ohne demokratische Legitimation unter Missachtung des staatlichen Gewaltmonopols in die Angelegenheiten der Galaxis einmischt und sich aus dubiosen Quellen finanziert, offenbar nicht zuletzt durch die Beziehungen zu der kriminellen Organisation eines gewissen Jabba, wirklich ein Vorbild?

Die Jungle-World über Millionäre, die spenden

Mir gärtnerplatzt der Kragen!

In seinem Post München: Latte-Macchiato-Gemeinschaft im Glockenbachviertel setzt sich Andrej Holm mit einem Artikel über Gentrification im Glockenbachviertel auseinander.
Der Artikel von Jonathan Fischer erschien bei jetzt.de, einem Portal der Süddeutschen Zeitung. Er trägt die Überschrift Mir gärtnerplatzt der Kragen! .

‚Willkommen im Viertel ihr Arschlöcher‘, verkünden Aufkleber in der Isarvorstadt. Oder: ‚Mir gärtnerplatzt der Kragen‘. Eine Anti-Gentrifizierungs-Bewegung wie sie bei der Besetzung des Gängeviertels in Hamburg sichtbar wurde oder Solidaritätsaktionen nach dem Muster der in Berliner Kiezen organisierten Mietstreiks findet man in München kaum. Zumal die politischen Verantwortlichkeiten kaum durchschaubar sind.

So nett der Bezug zu diesen Aufklebern ist, so sehr scheitert der Artikel an dem Versuch, eine klar definierte Gruppe an Verantwortlichen/Schuldigen zu finden. Am Ende ist halt alles doch nur ein Werk der bösen Spekulanten.

Interessant ist da vielleicht noch, dass der Aufkleber-Spruch, der für die Überschrift zitiert wurde, meines Wissens nach das erste Mal am 30. April auf der Antikapitalistischen Demonstration le monde est à nous! auftauchte.
Mir gärtnerplatzt der Kragen
Der Slogan lies sich sicherlich im Kontext der Demonstration auf Prozesse wie Gentrification beziehen, denkbar wäre aber auch ein Bezug auf das Freidrehen der Münchner-Polizeipressestelle im Januar, als ein paar Betrunkene, die ein paar Autospiegel abtraten, zum Randalierenden Mob mit Baseballschlägern erklärt wurden.
AZ: Randalierer attackieren Luxusautos am Gärtnerplatz
Bild: Wilde Zerstörungswut – Punker-Randale gegen Autos am Gärtnerplatz

The Battle of Toronto

Wohl eins der ästetischsten Riot-/Demo-Videos ever.

via besserscheitern

Ballstreik

Von der sehr wahrscheinlich homophoben Farbe der Beschimpfung, die ein französischer Spieler verlautbart haben soll, als sein Trainer ihn zu mehr Leistung ermahnte, einmal abegesehen sympathisiere ich aufs äußerste mit der Idee des Streikes gerade in diesem Sport. Dieses patriotische Idyll an seinen Widersprüchen zu zerbrechen und in Klassenkampf aufgehen sehen kann jeden Freund Marx’scher Theoreme nur in gehässige Fröhlichkeit stimmen.

Die feudalen Reste deren sich die kapitalistischen Organisationsweisen bedienen sind im Fußball mehr als präsent. Der Trainer als deligierter Intellekt, der seine entgeisteten Maschinen auf dem Platz organisiert. Die Spieler, die unter ständigem von den Maoisten abgeschauten Rapporzwang stehen, über die immer gleichen Befindlichkeiten nach Sieg und Niederlage zu räsonieren und Besserung zu geloben. Das Environment des Stadions, in dem infernalischer Lärm, Verletzungsgefahr und klimatische Bedingungen die Fabriken des 19. Jahrhunderts aufleben lassen. Die Torprämie, die den Akkord der Spieler durchsetzt. Und eine gehässige Öffentlichkeit, die jede Druckstelle der Ware, die sie gekauft hat, aufs eifersüchtigste bekrittelt.

Dass nun ein Vorarbeiter dieses Systems, ein ideeller Gesamtpatriot, in seinem Narzissmus gestört wurde, hat weitreichende Konsequenzen für das Gesamtsystem.

nichtidentisches:
Fussballstreik – Die französische Alternative zu „inneren Reichsparteitagen“

Fußballrandale mal anders

Nach dem Spiel der DFB-Auswahl wird nun beim AbiBild von „Ausschreitungen in Durban“ berichtet, allerdings anders, als es diese Formulierung erwarten lässt:

Nach dem Sieg der DFB-Elf gegen Australien protestierten Stadionangestellte gegen niedrige Löhne. Die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschosse gegen die Demonstranten ein, mindestens eine Frau wurde dabei verletzt.

Bad Hotel!

In San Francisco rufen Angestellte mehrerer Hotels zum Boykott dieser auf, um damit für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Im Rahmen dieses Arbeitskampfes passierte dann folgendes:

via feministing

Termine! Termine! Termine!

Nachdem Bikepunk auch schon drauf hingewiesen hat:
Vom 23. – 25. April gibt’s in München wieder ein Ladyfest, mit ziemlich umfangreichem Programm.
Meine Persönlichen Highlights:
Freitag ab 17 Uhr in der Glocke Homophobie in der Linken Workshop mit Sylvia Rivera
Samstag ab 11 Uhr im Marat
»If I can’t abort, it’s not my revolution« Internationale Abtreibungsrechte Vortrag mit Judith Goetz (den Vortrag gab’s in München schonmal, spannend und empfehlenswert)
Samstag ab 17 Uhr im Marat Neue Väter braucht das Land? Vortrag und Diskussion über die „Väterbewegung“ in Österreich

Und auch das Wochenende danach heißt es lang auf den Beinen bleiben. Am Freitag, 30. April findet in München die antikapitalistische Demonstration Le monde est à nous statt. Eine Demo mit so vielen Aufrufen, wie es sie in München lange nicht gab: Demo-Bündnis, antifa nt, Soziale Kämpfe Plenum, aka_muc, r|antifajugendmünchen.
Und nochmal der Verweis auf Bikepunk, denn dort wurden einige der Aufrufe mal ein wenig (z.T. sehr) kritisch unter die Lupe genommen [1] [2] [3] [4] [5]
Diese Häufung der verschiedenen Aufrufe macht wohl auch deutlich, dass mit einer ziemlich vielfältigen und bunten Demonstration gerechnet werden kann und sich sicherlich auch diverse Leute mit individuellen Aktionen einbringen können/werden/sollten.
Los geht’s um 18 Uhr am Rosenheimer Platz.

Einen Tag später gibt’s dann eine große Auswahl an Möglichkeiten. In München wird’s wohl die üblichen DGB&Co-Geschichten geben. Wer Nazis ärgern will, fährt nach Schweinfurt, wer’s autonom-traditionslinks möchte fährt nach Nürnberg und wer’s nett und (vermutlich) etwas entspannter mag, fährt nach Rosenheim.

Am Dienstag, dem 4. Mai, soll es in München angeblich eine Antira-Demo geben, aber dazu hab ich leider nichts finden können. Wer da was weiß, bitte gerne in den Kommtaren ergänzen.
Am selben Abend gibt es auf jeden Fall den Vortrag Entschwörungstheorie von und mit Classless Kulla im Freiraum Dachau.

Und am 8. Mai wollen dann in München (mal wieder) Nazis aufmarschieren, diesmal aber eher am Stadtrand. Ausgerechnet an diesem Datum wollen sie einen Fackel- und Trommelmarsch durchführen, dessen Route wohl auch noch an einem Flüchtlingslager vorbeiführt. Nachdem immer mehr Zeitungen bereits frühzeitig im Vorfeld drüber berichtet haben (eine Seltenheit in München!) wird sich dort sicherlich einiger Widerstand regen. Aktuelle Infos gibt’s hier

Streik kreativ nutzen

Bikepunk hatte ja auch schon auf den Streik im öffentlichen Dienst hingewiesen.
U.a. gestreikt wird auch dort:

München Wehrbereichsverwaltung Süd
der Bundeswehr
Warnstreik ganztags 07:00 17:00
München Dienstleistungszentrum
der Bundeswehr
Warnstreik ganztags 07:00 17:00
München Verkehrsüberwachung
Stadt München
Warnstreik ganztags 08:30 23:30

Die ganze Tabelle für Bayern gibt’s bei Abi-Bild