Archiv der Kategorie 'Antira'

„Zigeunerzaun“ in Bayern aufgestellt

Es gab bereits mehrfach Berichte darüber, dass in Osteuropa zur Abgrenzung von Roma-Vierteln oder –Quartieren von der Mehrheitsbevölkerung Zäune oder Mauern errichtet wurden. Doch auch die deutsche Provinz hat eine solche Manifestation der antiziganistischen Ausgrenzung zu bieten.
Eine Zeitung in Nordbayern berichtete am 8. Dezember 2011 unter der Überschrift „Drahtzaun hält Müllsammler auf Abstand“ über die Errichtung eines Drahtzauns im Wert von 10.000 Euro durch die Lokalpolitik in Neunkirchen am Sand (Nordbayern) an der Zufahrt zu einer Deponie, die Gebrauchtwaren-Händler, die der Roma-Minderheit angehören, abhalten soll.
Immerhin regt sich lokal auch Protest, „Amnesty International“ sprach von einer „inhumanen Vertreibung“ der Altstoff-Sammler.

Derweil jubelt die bayrische Neonazi-Szene über die Maßnahme.

Antiziganismus-Watchblog: „Zigeunerzaun“ in Bayern aufgestellt

Überall Integrationsverweigerer_innen

Millionen von Weißen Deutschen verweigern die Integration in eine pluralistische Gesellschaft. Noch nie seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges war die Kluft so groß zwischen jenen, die für eine pluralistische, demokratische und moderne Gesellschaft stehen, und jenen, die sich sehr schwer damit tun, sich an jene Werte anzupassen, die es ALLEN Gruppen erlauben, vollständig an der Gesellschaft zu partizipieren und dabei gleichzeitig ihre verschiedenen Identitäten beibehalten zu können.
[…]
Nun, meine Damen und Herren und diejenigen, die sich nicht entscheiden wollen, woran kann das liegen? Was sind die Beweggründe solch einer großen Zahl Weißer Deutscher, die Integration in eine pluralistische Gesellschaft zu verweigern? Liegt es an der Kultur? An der Religion? Oder möglicherweise gar an und in den Genen?

Philibuster: Integrationsverweigerung – Die völlig unterschätzten Dimensionen
via medienelite

„Der Staat will das einfach nicht sehen“

Es war so einfach zu sehen, dass das Motiv politisch, ja rassistisch war. Bei der Polizei hieß es, es werde nicht im rechten Milieu ermittelt, denn die Neonazis würden nicht so drastisch vorgehen. Zehn Jahre später kommen immer mehr Details über den braunen Sumpf aus Nazis und staatlichen Institutionen heraus und alle wundern sich. Aber rechte Übergriffe passieren jeden Tag in Deutschland.

Was ich viel schlimmer finde, ist, dass in den meisten Fällen die Familien der Opfer beschuldigt wurden. Der Dönerhändler, der 2005 in Nürnberg ermordet wurde, hatte seinen Imbissladen gegenüber von einem Jugendzentrum, in dem wir oft gespielt haben. Wir sind oft dort essen gegangen. Nach seinem Tod wurden erstmal die Kinder des Opfers verdächtigt, ihren Vater umgebracht zu haben und in Drogengeschäfte verwickelt zu sein. Man muss sich das nur vorstellen. Sie sind heute noch traumatisiert. Ich bin Lehrer an einer Förderschule, und ich sehe, wie meine 16jährigen Schüler auf diese Nachrichten reagieren, nämlich mit großer Wut. Meine Aufgabe ist ja, diesen Jugendlichen von Gewalt abzuraten. Aber dann sehen sie, dass so etwas passiert, und wie kann man ihnen sagen, sie sollen sich nicht dagegen wehren? Das, was gerade ans Licht kommt, ist meiner Meinung nach noch dramatischer als die Anschläge von Mölln und Solingen, was die Wirkung in der migrantischen Bevölkerung angeht.

Jungle World: Interview mit Kutlu Yurtseven

Same procedure as every year…

Das der erste Aufruf für die Proteste gegen die sog. „Sicherheitskonferenz 2012″ verkürzt, oberflächlich und analytisch an vielen Punkten schlicht falsch ist, überrascht wenig.
Und wie schon im letzten Jahr, wird sich gleich im ersten Absatz auf den Rassisten, Antisemiten und Gaddafi-Freund Jean Ziegler berufen, der sich auch mal gern als „weißen N----“ bezeichnet.
So richtig und wichtig ein Protest und eine fundierte Kritik gegen eine Veranstaltung wie sie SiKo wäre, beim Aktionsbündnis (und allen, die da dann unkritisch mitlaufen) brauch ich wohl gar nicht mehr anfangen zu suchen.

Ich bin weiß.

Ich komme als Weiße zur Welt und werde es immer bleiben. Mein rassifizierter Körper (in dem Fall rassifiziert, weil weiß die antipode Norm zu Schwarz ist, von der aus rassifizierte nichtweiße Subjekt konstruiert und untergeordnet wird) ist mein Leben lang Anrufungen ausgesetzt. Was ich tun kann, ist mich zu markieren. Mein Sprechen deutlich zu machen als ein weißes Sprechen. Doch wie entkomme ich der Falle des Essentialismus? Ich bin keine Freundin von Differenzartikulationen, solange sie dazu dienen, irgendetwas festzuschreiben, was doch nur wieder ausgrenzt, Dominanz fortschreibt und Emanzipation verhindert und dennoch: Ich kann es nicht verändern. Ich kann mich nicht lossagen, auch wenn ich mich kritisch positioniere, handele, rassismuskritisch Politik mache. In einer rassistischen Welt ist mein Körper Differenz- und Dominanzartikulation zugleich. Wenn ich mich mit Critical Whiteness beschäftige, dann weil ich’s kann, nicht, weil ich muss. Weil dieses Wissen für mich produziert wurde (von Schwarzen und Weißen), auf das ich jederzeit zurückgreifen kann, ich in (nahezu) jedem (auch kritischen) Raum mit dem Sprechen (nicht nur) über Critical Whiteness gehört werde, sogar anerkannt werde. Weil mir meine weißen Privilegien locker durch’s Leben helfen. Immer. Überall. Mich von diesen Privilegien lossagen zu wollen, ist auch ein Privileg. Weil ich mir gar nicht vorstellen kann, wie es ist, ohne diese Privilegien zu leben. Könnte ich es, würde ich es mit Sicherheit nicht wollen.

Medienelite: Mein Unbehagen mit dem Weißsein

Wichtige Demo morgen in München

Am Samstag, den 8.10.11 um 15.30 Uhr werden bulgarische Münchener_innen und Unterstützer_innen eine Demonstration mit anschließender Kundgebung, von der Goethestraße (Ecke Landwehrstraße) zum Sendlinger-Tor-Platz, veranstalten, um auf die gegen Minderheiten gerichteten Pogrome in Bulgarien aufmerksam zu machen.

Abi K., Angehöriger der türkischen Minderheit Bulgariens, ist am Freitag, den 29.09. aus Pasardschik in Bulgarien nach München gekommen. Er berichtet noch am selben Tag: „Seit vier Tagen traut sich im türkischen Viertel unserer Stadt keiner mehr aus dem Haus. Wir haben Angst, können nicht mehr schlafen, nicht mehr in die Arbeit oder zum Einkaufen gehen und die Kinder nicht mehr in die Schule. Unser Viertel wird von organisierten Schlägertrupps, die meist vermummt
auf Motorrädern anrücken, angegriffen. Erst gestern wurden wieder fünf oder sechs Leute aus der Nachbarschaft verprügelt. Die Polizei hat zwar das Viertel umstellt um uns zu schützen, aber die Hilfe von der Polizei ist nur halbherzig, die Schläger kommen trotzdem ins Viertel und verprügeln uns, wir haben kein Vertrauen in die Polizei. Als ich heute nach München gefahren bin, sagte der bulgarische Grenzpolizist, ich solle nicht flüchten, sondern in Bulgarien bleiben, um zu sterben – das wäre besser.“

via Kafe Marat
Mehr Infos soll es bei carava.net geben, gerade ist die Seite aber down.

Modern Sisyphus


via Ampersand

Nochmal PI

Im August 2005 trafen sich 60 Gleichgesinnte in einem Münchner Lokal zur Kennenlern-Party: Das Blog „Achse des Guten“, das Publizist Henryk Broder mit zwei Kollegen betreibt, lud zum „Pro-westlichen Heimatabend“ (Foto). Zu Gast: Stefan Herre, Chef von Politically Incorrect, den Broder bis 2007 auch auf seiner Website empfahl. Angefreundet haben sich Broder – dessen Polemik gegen Islam und „linksreaktionäres Gutmenschenpack“ in Essay-, Talkshow- und Buchform die PI-Fans anhimmeln – und Herre nicht.

Zumindest sind die beiden bis heute per Sie – auch in den mindestens 30 Mails, die sie 2010 und 2011 austauschten. Dass sie das tun, überrascht dennoch: Broder distanziert sich bisher von PI. „Was Politically Incorrect macht, ist meine Sache nicht“, sagte er in 3sat. Als eine Bekannte Herre damit konfrontierte, schrieb der ihr: „Mit Broder telefonier und email ich ab und zu. Dass er öffentlich was anderes über PI sagt, naja, damit muss ich leben.“

Broders E-Mails sind denn auch vertraulicher: Er bestellt Grüße an Geert Wilders, bespricht mit Herre einschlägige Themen und eine gemeinsame Veranstaltung mit Thilo Sarrazin oder plaudert aus dem Nähkästchen – etwa, dass Marcel Reich-Ranicki sich für Broders Laudatio bedankt, aber „das halbe publikum gemurrt“ habe. Das PI-Forum sei aber „unter aller sau“, schrieb er vor drei Wochen.

Gemeinsame Freunde sind auf Broders „Achse“dennoch willkommen: Jüngst ließ er Detlef Alsbach ausbreiten, wieso es in Deutschland „von Nachteil ist, Deutscher und von Vorteil ist, Türke zu sein“. Alsbach ist Mitglied von Pro Köln und ein Duzfreund von Herre.

Quelle: FR über die Achse des Guten

PI & Co

In der PI-Welt dominiert die Überzeugung, dass es nur gewaltbereite Muslime gibt und solche, die sich bis zum Ausbruch einer islamischen Revolution in Europa zum Schein friedlich geben. PI versteht sich als Bollwerk gegen diese Umwälzung. Der Islam, sagt Herre, sei keine Religion, sondern eine „Gewalt-Ideologie“, die genauso behandelt werden müsse. Nach und nach gewann er mit solchen Thesen zahlreiche Mitstreiter, darunter eine Reihe enttäuschter CDU/CSU-Leute.

Der innerste Führungszirkel lässt es zu, dass in dem Blog Muslime als Gesindel, Abschaum und Türkendreck beschimpft und zum bewaffneten Kampf gegen den Islam aufgerufen werden kann. Und das mitnichten nur in den Kommentarspalten. Auch in den redaktionellen Beiträgen finden sich hetzerische und rassistische Aussagen.

[…]

Unterstützt werden Herre und Dietrich von etwa einem halben Dutzend engster Mitarbeiter, darunter Polizeioberkommissar Torsten Groß, der zu den Führungsfiguren der Rechtsaußen-Partei „Bürger in Wut“ zählt. Diese sorgte im Frühjahr mit ihrem Wiedereinzug in die Bremer Bürgerschaft bundesweit für Schlagzeilen. Ebenfalls zum innersten PI-Zirkel gehört Michael Stürzenberger alias „byzanz“, ein früherer CSU-Mann und Ex-Sprecher der Strauß-Tochter Monika Hohlmeier.

Und Christian Jung alias „Nockerl“, der bis vor kurzem in der Ausländerabteilung des Kreisverwaltungsreferats München arbeitete. Dass Jung und Stürzenberger, der den Nationalsozialismus auf PI „eine linke Bewegung“ nannte, Führungsfunktionen in der islamfeindlichen Partei „Die Freiheit“ innehaben, ist kein Zufall.

Seit Gründung der „Freiheit“ im Herbst 2010 durch den Berliner CDU-Renegaten Rene Stadtkewitz pflegen Herre & Co. engste Kontakte zu der anti-islamischen Ein-Themen-Partei.

[…]

Dass die Texte und Kommentare auf PI mitunter juristischen Sprengstoff enthalten, ist den Verantwortlichen offenbar schon lange bewusst. Zudem treibt sie die Frage um, wie sie verhindern können, für jede Aktion der zahlreichen PI-Gruppen haftbar gemacht zu werden. Herres damaliger Anwalt entwarf daher bereits im Frühjahr 2010 ein Gründungskonzept für einen PI-Verein, dessen Satzung jedes einzelne Mitglied abzeichnen müsste.

Es sei von Vorteil, so der Jurist, wenn jede PI-Gruppe eigenverantwortlich handeln und lediglich die Namens- und Markenrechte von PI erhalten würde. Rockerbanden wie die Hell’s Angels und Bandidos machten das auch so: „Wird eine Ortsgruppe als kriminelle Vereinigung verboten, bleiben die anderen weiter erlaubt…Davon kann man lernen.“

Über den Namen eines solchen Vereins hat man sich intern auch schon Gedanken gemacht. Allerdings nicht zu jedermanns Zufriedenheit. „Hallo Stefan“, schrieb im August 2010 ein befreundeter Unternehmensberater: „Den vorgesehenen Namen Politically Incorrect Germans – PIG e.V. halte ich für nicht ideal, weil schon das Kürzel PIG gewisse Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Projekts aufkommen lässt.“

Berliner Zeitung: Im Netz der Islamfeinde

Die Art, wie der Artikel den absurden Philosemitismus in dieser Szene (nicht) einordnet halte ich allerdings für sehr problematisch. Da an dieser Stelle einfach ein Zitat von Wikipedia:

Seit 1945 wird der Ausdruck allgemein als wohlwollende Haltung von Nichtjuden gegenüber Juden verstanden bzw. gegenüber dem, was Nichtjuden als typisches und wertvolles Anliegen der Juden betrachten. In diesem Sinne wurde Philosemitismus oft als „umgekehrter Antisemitismus“ gedeutet und kritisiert, der nur das gelten lasse, was Nichtjuden an Juden sympathisch finden.

Pogrome

Rassismus und Kapitalismus: Die Anderen als Konjunkturpuffer. Das war der Katalysator für die rassistischen Übergriffe, die eine Woche lang in Hoyerswerda ungesühnt, unsanktioniert und bejubelt von Hoyerswerdaern ihren Lauf nehmen konnten. Doch, wollen wir dem Kapitalismus nicht zu viel Ehre zuteil werden lassen. Rassismus bahnt sich seinen Weg auch durch sozialistische bzw. nicht-kapitalistische Gesellschaften. Ich sprach von Katalysator. Ich sprach noch nicht von rassistischen Strukturen, Vorurteilen, Bildern, die lange, bevor Marx in die Windeln kackte, bereits virulent waren. Die sich bis heute durchziehen. Und von all dem Stumpfsinn, den das dröge rote System mit sich brachte. Übrigens kein schlechteres als das der BRD. Nur anders organisiert. Gleich sind beide in ihrem Konstruieren eines Post-Nazi-Deutschlands, das nach ’45 alles anders machen wollte. Und wieder wurde Einigkeit heraufbeschworen, die so für das Territorium, auf dem sich die deutschen Grenzen heute so langschlängeln, nie bestanden hat. Volkstum, Deutschtum, deutsche Nation, Reich – Konstrukte für die Einheit. Das Volk ohne Schuld, das Volk ohne Verantwortung, das Volk der Opfer.
[…]

Und dann ist es 1991 und die Verdrängung setzt erneut ein. Ich durfte eine Woche nicht raus zum Spielen, weil wir zwei Blöcke weiter wohnten. Meine Eltern behaupten bis heute, die Nazis seien von außerhalb mit Bussen in die Stadt gefahren worden. Es ist nur ein Teil der Wahrheit. Wissen wir doch spätestens durch Filmaufnamen, dass Bürger_innen mitwarfen, mitpöbelten – zusammen mit Nazis aus der näheren Umgebung und Hoyerswerda, während die Polizei danebenstand und alles beobachtete. Es war ja auch noch nie anders gewesen.

1991 war nichts Unvorhergesehenes, Hoyerswerda kein Einzelfall. Noch Jahre danach marschierten Nazis durch Hoyerswerda und Umgebung. Nazis finden alle doof. Aber in vielen Dingen sind wir uns doch einig. Zum Glück haben wir immer einen Ort zur Hand, in den wir alles hinein-externalisieren können. Nazi-Deutschland, Nazis, die da.

Medienelite: Deutschland, Verdrängungsland.
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Danach begann die neonazistische “Arbeiterpartei” DSSS damit, die aufgeheizte Stimmung zu ihrem Zweck zu nutzen. Für den 10. September kündigte sie gleich drei Aufmärsche beziehungsweise Kundgebungen in der Region an. In Nový Bor, Varnsdorf und Rumburk rief sie dazu auf, gegen Roma auf die Straße zu gehen. Am Bahnhof von Nový Bor sammelten sich bereits am frühen Samstagnachmittag etwa 300 Neonazis, weitgehend aus dem Spektrum der rechten Skinheadszene. Etwa 200 BewohnerInnen des Ortes beobachten die Szenerie vom Straßenrand und reihten sich wenig später in die Demonstration ein. Immer wieder klatschten Teile der am Rand stehenden Bevölkerung Beifall zu den Parolen “Tschechien den Tschechen”, “Roma sollen arbeiten” und “radikal, sozial, national”. Als der Zug auf dem Marktplatz von Nový Bor ankommt, warten dort noch einmal knapp 300 applaudierende Menschen.
[…]
Antiziganistische Demonstration
Wie schon eine Woche zuvor wollen sie zu den von Roma bewohnten Häusern ziehen. Auf halbem Weg werden sie an einer engen Straßenkreuzung von einer Polizeikette aufgehalten. Daraufhin werden die Beamtinnen und Beamten mit Flaschen bzw. Knallkörpern beworfen und von der Menge beschimpft. Nach etlichen Steinwürfen fährt ein Wasserwerfer auf und die Polizei schafft es mit Unterstützung durch berittene Einheiten, den Mob etwas zurückzudrängen. Die Stimmung bleibt aggressiv, immer wieder kommt es zu verbalen und körperlichen Angriffen auf Journalisten. Einem Fotografen werfen die Neonazis eine Mülltonne entgegen, ein anderer wird gezielt mit Steinen beworfen. Im Getümmel verliert ein Neonazi seinen Totschläger. Während ein Teil der Menschenmenge von der Polizei in die Seitenstraßen der Kleinstadt zurückgedrängt werden kann, setzt der Rest nach und versucht erneut die Polizeisperre zu durchbrechen. Aus der Menge fliegen erneut Blendgranaten auf die Polizei. Immer wieder versuchen berittene Beamte, die randalierende Menschenmenge zurückzudrängen.
[…]
Während Neonazis für den 17. September schon wieder zu einem Aufmarsch in Varnsdorf aufrufen, verharmlost die Sächsische Zeitung die rassistisch motivierten Ausschreitungen. Demnach waren sie “der vorläufige Höhepunkt der seit Wochen anhaltenden UNRUHEN zwischen der tschechischen Bevölkerungsmehrheit und der Roma-Minderheit in der von hoher Arbeitslosigkeit geprägten strukturschwachen Region.”

Keine hundert Kilometer von Dresden entfernt, mitten in der Europäischen Union, fürchten Menschen Tag für Tag um ihre Wohnungen, um ihre Kinder, um ihr Leben. Sie werden bedroht von einem rassistischen Mob, der nicht vorrangig aus Neonazis besteht, sondern aus den ganz normalen Nachbarn und Nachbarinnen, den ganz normalen BwohnerInnen von Rumburk, Varnsdorf und von Nový Bor. Sie sind gezwungen im Feindesland zu leben. Und sie sind gezwungen, ihre Kinder in diesem Feindesland aufwachsen zu sehen. Sie brauchen unsere Unterstützung.

Alternative Dresden News: Pogromartige Stimmung gegen Roma in Tschechien

Hermann, Stürzenberger und die Kameradschaft

Inwieweit Michael Stürzenberger, ehemaliger Pressesprecher der Münchner CSU, inzwischen in der rechten Partei „Die Freiheit“, mit seinen ehemaligen Parteikammeraden noch zusammenarbeitet, weiß ich nicht. Aber zumindest in einem Politikfeld ziehen die CSU und „Die Freiheit“ gerade gemeinsam an einem Strang, nämlich bei der Forderung doch endlich das Kafe Marat zu schließen und grundsätzlich gegen alles zu schießen, was ihnen irgendwie zu links erscheint.

So hat der Bayrische Innenminister Hermann mal wieder das Bedürfnis gehabt, den Druck auf die Stadt München zu erhöhen, das Kafe doch endlich dicht zu machen. Gleichzeitig präsentierte er letztens die neue Internetplattform „Bayern gegen Linksextremismus“.
Was es damit auf sich hat fasst der Isarmatrose ganz gut zusammen:

Auf Grund von einem Anstieg linksextremistischer Straftaten auf 372 Vorfälle im Jahr 2010, ist der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) so sehr in Sorge, dass ihm offensichtlich die 1.513 rechtsextremistische Straftaten entgangen sind und er den Aufbau des Informationsportal begrüßte. Auf der Homepage werden für Lehrer Lehrmaterialien und Vorschläge der Unterrichtsgestaltung angeboten, sowie Verhaltenstipps und Kontaktadressen von Ansprechpartnern für Zeugen linksextremistischer Aktionen, die allerdings durch das bayerischen Innenministeriums sehr schwammig definiert sind und unterschiedlich ausgelegt werden können.

Allein die Teilnahme an einer Demonstration, auf der etwas für den Beobachter unerklärliches passiert, reicht nach Ansicht des Innenministerium für eine Meldung bei der Polizei aus. Die Betreiber der Seite lassen den Leser wissen, dass es nicht notwendig ist, „rechtlich prüfen oder belegen zu können, ob ein bestimmtes Verhalten tatsächlich relevant ist oder nicht.“ Das Innenministerium freut sich offenbar über jede Meldung und ruft damit zum unkontrollierten denunzieren auf. Jeder, der an einer Demonstration teilnimmt oder sich vielleicht nur zufällig in der Nähe aufhält, kann dadurch Opfer einer Denunziation werden. Die Seite richtet sich offensichtlich nicht gegen linksextremistische Gewalttaten, sondern gegen Linke und Andersdenkende per se.
[…]
Rechtsextreme Websites, wie Politically Incorrect, auf der sich schon der christliche Terrorist weißer Hautfarbe, der im Juli mindestens 91 Menschen in Oslo und auf der Insel Utøya tötete, Ideen für seine rassistische Hetzschrift holte, werden, im Gegensatz zu KZ-Überlebenden wie Ernst Grube, nicht einmal im Landesverfassungsschutzbericht erwähnt. Der bayerische Innenminister ist offensichtlich auf dem rechten Auge blind und konzentriert sich mit dem gleichen ideologischen Eifer, wie seine Parteifreunde Hans-Peter Uhl und Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, die das Internet gerne in ein Gefängnis verwandeln würden, gegen politische und gesellschaftliche Strömungen ein, die seinem Weltbild nicht entsprechen.

Und für PI schreibt dann wiederum Michael Stürzenberger. In seinem letzten Artikel zum Marat, hatte er dann auch zunächst als Quellenangabe für eine Sache die Seite der Kameradschaft München Nord verlinkt. Dabei sind PI und Die Freiheit doch sonst so sehr darauf erpicht, dass ihnen keine_r vorhalten kann, sie wären Nazis oder würden mit Nazis zusammenarbeiten.
Inzwischen ist die Verlinkung dann auch wieder verschwunden, einen Screenshot hab ich leider nicht vorliegen (falls da wer einen von hat, hätte ich nichts gegen einen Kommentar einzuwenden).

Das ist zumindest insofern interessant, wird doch die Erwähnung des aida-Archivs im Verfassungsschutzbericht mit einer handvoll Links zu angeblich linksextremen Webseiten begründet.

Zur Abwechslung mal Rassismus bei den Danuben

Eine neue Schmähschrift treibt die Spaltung der Deutschen Burschenschaft voran: Ein Alter Herr hetzt darin gegen Überfremdung und Asiaten, die keine „Arier“ seien. Ein Mitglied wird dabei erneut angegriffen: Kai Ming Au. Der erwägt jetzt eine Anzeige.

Die Hetzschrift des Alten Herrn aus Bayern liest sich wie ein Pamphlet aus den dreißiger Jahren: Kann die Deutsche Burschenschaft „glaubwürdig gegen Umvolkung und Überfremdung auftreten, wenn sie allen Ausländern freien Eintritt einräumt?“ Tatsächlich stammt der Text aus dem Jahr 2011.

Der Alte Herr Fred Duswald ist Mitglied der pflichtschlagenden und extrem rechten Verbindung „Danubia München“, die zeitweilig vom bayerischen Verfassungsschutz beobachtet wurde und auch Mitglied im Dachverband Deutsche Burschenschaft (DB) ist. Den Artikel veröffentlichte er unter der Überschrift „Paßtum contra Volkstum“ in der August-Ausgabe der rechtskonservativen Zeitschrift „Die Aula“ in der Rubrik „Akademisches Leben“.
[…]

Was die Ultras unter den Burschenschaftern erzürnt, ist Kai Ming Aus Ankündigung, auf dem kommenden Burschentag 2012 für ein Verbandsamt zu kandidieren. Falls der Sprecher der Mannheimer Burschenschaft „Hansea“ zum Vorsitzenden des „Ausschusses für Jugend und Nachwuchswerbung“ in der DB gewählt würde, käme das dem ideologischen Super-GAU für den rechtsextremen Flügel des Verbands gleich: „Siegt der Chinese, dann heißt seine Zielgruppe: Au wie Ausländer. Bei Hansea Mannheim steht schon der zweite Chinamann auf der Matte“, schreibt Duswald.

SpOn: Burschenschafter hetzen gegen „Nicht-Arier“