Archiv der Kategorie 'Antira'

Münchner Zustände

Der 21-Jährige aus Guinea will am Dienstag gegen 19.50 Uhr von Pasing aus mit der S3 in Richtung Innenstadt fahren. Die steht abfahrbereit am Gleis, der Mann schafft es gerade noch in den Zug. „Da seine Freundin etwas langsamer war, hielt er die sich schließenden Türen auf, damit sie zusteigen konnte“, sagt Wolfgang Hauner von der Bundespolizeiinspektion München. „Der Triebfahrzeugführer war darüber so erbost, dass er den Afrikaner per Lautsprecherdurchsage beleidigte.“

Was sich der junge Mann – und sämtliche anderen Fahrgäste – daraufhin anhören muss, ist dieser Satz: „Wenn de Tür kaputt is’, zahlt’s der N----.“

AZ: Rassismus in S-Bahn: „Dann zahlt’s der N----!“
via efendisizler

„Das Problem (…) ist tatsächlich gar nicht die Sprache.“

Wenn wir davon ausgehen, dass Astrid Lindgren nicht nur keine negativ konnotierten Wörter verwenden wollte, sondern sogar aufgeschlossen für alles Fremde — in diesem Fall für die Bewohner der Südsee — war, dann können wir versuchen, diese Aufgeschlossenheit mit zu übertragen. Dazu müssen wir aber in den Inhalt der Geschichten eingreifen, denn diese sind — egal, wie aufgeschlossen und tolerant Lindgren war oder nicht war — von Anfang bis Ende von einem tiefgreifenden Rassismus durchdrungen.

Das fängt mit der relativ trivialen Tatsache an, dass die Bewohner der Südsee schlicht keine schwarze Haut haben, und das allein die Idee, dass alle „Fremden“ Schwarz sein müssen ein koloniales Herrschaftsdenken spiegelt, dass einem kalte Schauer den Rücken herunterlaufen lassen würde — wenn dieses Denken nicht so tief verankert wäre, dass wir es kaum bemerken.

Sprachlog: Pippi Langstrumpf, N----prinzessin und Übersetzungsproblem

Gegen Abschiebungen – Für globale Bewegungsfreiheit

Eine Demo mitten durch den Flughafen? Das wird ein grandioser Spaß!

Millionen Urlaubsreisenden gilt das “Tor zur Welt” als Sprungbrett ins erholsame Vergnügen, Geschäftsleuten dient das Luftverkehrskreuz wie selbstverständlich beim zunehmend globalen Marketing. Für die Grenzpolizei ist der Flughafen vor allem EU-Außengrenze, gleichermaßen Kontrollposten und Abschiebeplattform. Dementsprechend erleben Tausende von MigrantInnen und Flüchtlinge schon bei ihrer Ankunft den Flughafen München als Nadelöhr für rassistische Kontrollen und Internierung oder später als Endstation vor der Abschiebung.

Aufruf bei der antifa nt

Der Untergang der Zivilisation

Es sind PI-Kommentare wie dieser, die angesichts der jüngsten Ereignisse in Norwegen aufhorchen lassen: „Multikulturalismus ist Völkermord wie der Holocaust, nur subtiler“. Ein anderer Leser ergänzt: „Wenn der Islam nicht bekämpft und ausgerottet wird, ist das der Untergang der Zivilisation“.
[…]
Auf dem Blog werden in hysterischer, pathologisch fragwürdiger Art und Weise, Angstszenarien propagiert, die auf den ersten Blick so lächerlich erscheinen, dass viele Menschen die Gefahr die von ihnen ausgeht, nicht ernst nehmen wollen. Doch diejenigen, die als Leser bleiben, radikalisieren sich, wiegeln sich gegenseitig auf, ergötzen sich an Gewaltphantasien und Kommentierungen, die man zu Recht anderswo nicht posten dürfte.
[…]
Wer einerseits muslimische Mitbürger wegen mangelnder Sprachkenntnisse oder ihrer kulturellen Gewohnheiten als ungleich erachtet, andererseits aber so genannte „gut integrierte“, ja nahezu assimilierte Migranten als „fünfte Kolonne“ der Unterwerfung Europas unter den Islam brandmarkt, dem ist in Gesprächen nicht mehr rational zu begegnen. Das geschlossene Weltbild schafft sich seine eigenen Fakten, seine eigenen Realitäten fernab des Wahren.

Störungsmelder: PI-News: Das Hassblog der Rechtspopulisten

Brüder im Geiste

Anders Behring Breiviks, der mutmaßliche Doppelattentäter von Oslo, war kein Neonazi. Eine Zeit lang war er in der rechtspopulistischen norwegischen Fortschrittspartei aktiv. Die ist ein Vorbild für rechtspopulistische Parteien in Deutschland. Das politische Milieu ,dem Breivik entstammt, gibt es auch in Deutschland – und es wächst.
[…]
Was Pro NRW und Die Freiheit eint, ist eine schon fast paranoide Angst vor dem Islam. Jeder Neubau einer Moschee wird als drohender Beginn des Untergangs des Abendlandes gewertet. Die Kritik am Islamismus hat vor allem einen Sinn: Nicht seine autoritären Denkmuster in Frage zu stellen sondern Rassismus zu kaschieren. Denn autoritäre Denkmuster sind der Kern der Rechtspopulismus.

Eines der zentrales Medium der Rechtspopulisten in Deutschland neben der Postille “Junge Freiheit” die Online-Plattform „PI-News“. PI-News besteht vor allem aus Nachrichten über Ausländerkriminalität, der drohenden Islamisierung und zu großem Einfluss linker Ideen. Die geheuchelte Sympathie gegenüber Israel hat nur den Zweck, sich das Image der geläuterten Rechten zu geben.

Ruhrbarone: Breiviks deutsche Brüder im Geiste

für die persönliche Entwicklung weißer Helden

Mississippi Burning ist längst zu einem Modellfall, zu einem oft zitierten Referenzwerk für politisch liberale, humanistisch und progressiv gestimmte Hollywoodfilme geworden. Deren Bemühung um eine Dramatisierung der mißlichen Position sozial benachteiligter Minoritäten krankt aber häufig daran, daß sie aus (oft kommerziellen Beweggründen) nicht anders können, als von weißen Protagonisten zu erzählen, die angesichts der Ungerechtigkeit, die andere Ethnien erfahren, Schuldgefühle entwickeln und sich im Laufe des Films zur Rettung derselben durchringen müssen. Die Minderheitengruppen selbst bleiben passive, verängstigte Opferfiguren, die nicht mehr zu tun haben, als auf die Erlösung von bösen weißen Männern durch gute weiße Männer zu warten. Ihre eindimensionale Figurenzeichnung als unfreiwillige Märtyrer, spirituelle Unschuldslämmer und Auslöser für die persönliche Entwicklung weißer Helden prangerten nicht wenige Historiker und Kritiker schon bei Richard Attenboroughs Segregationsdrama Schrei nach Freiheit aus dem Vorjahr an.

Schnitt: Whitewash

Deutscher Alltag

Und trotzdem hat Alberto, der 2008 vom Bund als „Botschafter für Demokratie und Toleranz“ ausgezeichnet wurde, Schwedt jetzt verlassen. Als im März, bei einem Fußballspiel seines 17-jährigen Sohnes, ein Gegenspieler ihn als „Negersau“ beschimpfte und drohte, „ich schlag dich tot“, war Schluss. Alberto zog vor wenigen Tagen nach Karlsruhe. In Schwedt suchte er seit Jahren erfolglos einen Job – und bekam Ehrenämter: Ausländerbeauftragter, Jugendclub-Leiter, Fußballtrainer. In Karlsruhe arbeitet er jetzt in einem Kindergarten.

Der Wegzug des einzigen schwarzen Ausländerbeauftragten Brandenburgs – er hat Schwedt eine heftige Rassismus-Debatte eingebrockt. Bürgermeister Jürgen Polzehl (SPD) gibt sich zerknirscht. Er wolle rassistische Vorfälle in Schwedt gar nicht verschweigen. „Aber wir haben immer hinter Herrn Alberto gestanden.“ Polzehl erzählt vom Bündnis gegen Fremdenfeindlichkeit, von einer „toleranten Stadt“ – auch gegenüber der „handvoll Leute mit dunkler Hautfarbe“. Albertos Vorwürfe seien „ein bisschen überspitzt“, „nicht nachvollziehbar“.

taz: Der Kämpfer gibt nach 21 Jahren auf
via anders deutsch

Weiß

Im Kontext kolonialer Vergangenheit revitalisiert ‚weiß‘ als unsichtbare Normalität und dominante Kategorie Geschichte, wobei sie die rassifizierte Differenz und weiße Hegemonie enthistorisiert und entpolitisiert, sprich: dethematisiert. Das Schweigen über die koloniale Vergangenheit Europas und Deutschlands kann daher als spezifische, dominant ‚weiße‘ Machtartikulation verstanden werden: Die realgeschichtliche Kolonialisierung wird mit einem „weißen Schleier“ überzogen. Diese „Weißwaschung“ der Geschichte richtet für weiße Metropolenbewohner_innen eine komfortable Scheinwelt ein, in der die Bedeutungslosigkeit von Kolonialismus suggeriert wird.

Dass auch das deutsche Nationenverständnis weiß markiert ist, lässt sich unter anderem daran ablesen, dass ein deutscher Pass nicht zwangsläufig vor rassistischer Diskriminierung schützt.

Medienelite: weiß.

Das schöne Cuba

Warum Cuba? Immer mehr normale Leute entdecken das letzte echte sozialistische Land auf Erden und lassen sich von Castros lebenslustigem Volk mitreißen. Im vergangenen Jahr reisten 200.000 Deutsche nach Cuba und es wird eine Zunahme von 30 Prozent allein der Besucher aus Deutschland erwartet Cuba boomt! Was macht Cuba heute aus: Musik: Cuba ist einfach das Land mit der vielfältigsten Musik. Und die lebt. Mit Wim Wenders fing es an.

Aus dem Klappentext eines Cuba-Reiseführers. Ich hab grad mal gesucht und nicht gefunden. Es müsste doch mal ein Blog geben, dass rassistische, kulturalistische und sonstwie -istische Reiseführertexte sammelt und kommentiert. Ist ja nicht so, dass mensch nicht höchstwahrscheinlich schon beim ersten Buch ‚n Haufen Treffer landen würde.

Erster großer Erfolg gegen Burschis

Für den 16. Juli 2011 hatte die rassistische, deutschnationalistische “Burschenschaftliche Gemeinschaft” (BG) einen so genannten “Festkommers” – also eine Feier von Burschenschaften, bei der traditionellerweise Lieder gesungen und Reden gehalten werden – angekündigt und als Veranstaltungsort das “Sudetendeutsche Haus” in der Münchner Hochstraße gewählt. Nun wurde bekannt, dass der Vorstand der “Sudetendeutschen Stiftung” seine Überlassungszusage wieder zurückgenommen hat und die BG somit knappe 3 Wochen vor dem Kommers ohne Veranstaltungsort da steht.

weiterlesen bei Bash Back

Von Eigen- und Fremdbezeichnungen

Wenn es um Antiziganismus geht, hat sich in München in den letzten Jahren in Teilen der radikalen Linken durchgesetzt, z.B. auch von Hetze „gegen (vermeintliche) […] Sinti_za und Rom_nija“ zu sprechen.

Der Freitag hat nun einen relativ spannenden Artikel zu Diskussionen über Selbstbezeichnungen von als „Zigeunern“ edit: unter dem Namen „Zigeuner“ verfolgten/kriminalisierten/diskriminierten veröffentlicht:

Vielleicht ist „Sinti und Roma“ doch keine gute Bezeichnung für jene, die ­„Zigeuner“ heißen wollen. Die Debatte zeigt, wie viel ­Politik im Namen steckt

Nach dem dritten Ordnungsruf war das Mikro aus: Immer wieder hatte der mecklenburg-vorpommersche NPD-Landtagsabgeordnete Tino Müller das Wort „Zigeuner“ verwendet. Ein diskriminierender Begriff, befand Landtagsvizepräsident Hans Kreher (FDP), dafür gehört das Rederecht entzogen.

Umso überraschter war Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider (SPD), als sie Post von der Vorsitzenden des Vereins „Sinti Allianz“ bekam: Der Vorgang habe anhaltende Diskussionen in ihrem Bevölkerungsteil verursacht, schrieb Natascha Winter. Sie finde es „höchst problematisch“, dass die Verwendung des Begriffs „Zigeuner“ zu Ordnungsrufen führe. „Dies trägt dazu bei, dass die Volksbezeichnung von ca. zwölf Millionen Menschen, die in Europa leben, tabuisiert wird“.

Für ihren Verein sei nicht „Zigeuner“ ausgrenzend, sondern im Gegenteil die Bezeichnung „Sinti und Roma“. „Ein Rassist, der Zigeuner hasst, wird sie nicht lieben aufgrund einer Namenstilgung zugunsten fragwürdiger, unwissenschaftlicher und ausgrenzender Ersatzformeln wie Sinti und Roma“, so Winter im Brief.

Auf Nachfrage erklärt Winter: „Es gibt viele Zigeuner, die nicht Sinti und Roma sind, und sie möchten hier in Deutschland nicht missachtet werden, indem man sie einem anderen Zigeunervolk zuordnet“. Sie vertrete „ein Drittel der hier lebenden Zigeuner, das sind vor allem Sinti“. Im Verein organisiert seien zehn Sinti-Verbände und ein Lowara-Stamm. In der Öffentlichkeit tritt aber vor allem Frau Winter auf, die anderen „verrichten überwiegend ihre Arbeit, entsprechend der Sinti-Tradition, heraus aus der Stille“, heißt es auf der Website der Sinti-Allianz. Öffentlichkeitsarbeit machten sie nur, um „dem unseriösen Alleinvertreteranspruch“ bestimmter Organisationen entgegenzutreten – gemeint ist der Zentralrat der Sinti und Roma.

via Antiziganismus Watchblog

Alles dumme Wixer!

Die Burschenschaftliche Gemeinschaft ist ein 1961 in München gegründeter Zusammenschluss verschiedener rechter Burschenschaften aus Österreich und Deutschland, wobei sie in ihrem völkischen Nationalismus Österreich sowie einige Gebiete in Polen und Tschechien als Teile eines Großdeutschlands begreifen. Ihre Vorstellung von Nation gründet dabei in der rassistischen Blut-und-Boden-Ideologie, die systematisch nicht-weiße Menschen, Jüd_innen, Sint_izza, Romni_ja und viele andere ausschließt. Aber auch ihr Geschlechterbild ist von sexistischen und heteronormativen Ideologien geprägt. Konkret heißt dies, dass Frauen* einzig als Mütter und Ehefrauen betrachtet werden und nur den Männern* öffentliche Bereiche wie etwa die Sphäre der Politik oder die elitären, männerbündlerischen Burschenschaften selbst offenstehen. Dies sehen sie begründet in einem biologischen Unterschied von Mann und Frau, aus dem heraus die Gesellschaft organisiert werden soll. Dass sich Menschen jenseits dieser binären Geschlechternormen oder heteronormativer Begehrensstrukturen verorten, erscheint den „Burschenschaftlern“ als der ultimative Angriff auf die „natürliche Ordnung der Gesellschaft“.

In der BG sind 42 „farbentragende“ und „schlagende“ Burschenschaften organisiert. „Farbentragend“ bedeuet das sie als Erkennungszeichen eine Kappe auf dem Kopf und ein Band um den Oberkörper in den jeweiligen Farbe ihrer Burschenschaft tragen. “Schlagend“ heißt, dass sie Wert auf den Zweikampf im Fechten legen. Nach innen sind die einzelnen Burschenschaften straff hierarchisch und autoritär organisiert. Wer in eine solche Burschenschaft eintritt, muss ihre Ideologien sowie Geschlechterbilder verinnerlichen. In ritualisierten Besäufnissen und dem Mensurfechten soll eine „ideale Männlichkeit“ ausgebildet werden. Wer sich einer Burschenschaft anschließt geht einen Bund fürs Leben ein. Die Mitgliedschaft endet nicht mit dem Verlassen der Uni. Auf diese Weise ist gesichert, das Werte und Normen erhalten bleiben und das die sog. „alten Herren“ ihren Verbandsbrüdern in einflussreiche Stellungen in Wirtschaft oder Politik verhelfen. Burschenschaften verstehen sich selbst als Ausbildungsstätten der „gesellschaftlichen Elite“ und möchten sich abheben vom Rest der Studierenden, die sie als abzuwertende und ungebildete Masse ansehen.

Bash Back! Gegen den Festkommers der Burschenschaftlichen Gemeinschaft