Archiv der Kategorie 'Kritiken'

True Blood

It’s an imperfect show, sure, but it’s great popcorn TV for absurd, horny feminists.

In den USA ist am Sonntag die neue Staffel True Blood gestartet und bei Feministe soll es nach jeder Episode einen Tuesday True Blood Roundtable geben.
Tuesday True Blood Roundtable: Bad Blood (S03E01)

I love you Phillip Morris

Die Kritik von Jet bei den 5 Filmfreunden lässt hoffen:

Denn der Film greift nicht das langbärtige Komödienklischee auf, das für gewöhnlich allen queeren Mainstream-Comedys in irgendeiner Variation zur Massentauglichkeit verhilft. Nämlich das der Versicherung, alles von normativen Gesellschaftsbildern abweichende sei letztlich nur Mittel zum Zweck oder schlichte Behauptung – und damit ungefährlich. So schlüpfte Robin Williams einst als “Mrs. Doubtfire” in Fummel, um wieder seinen Kindern nahe sein zu können. Transsexualität genügte hier als Joke, so lange sich dahinter kein Ernst zu verbergen drohte und die einzige wirklich schwule Figur als tuntiger Visagist auftrat. In “I Now Pronounce You Chuck & Larry” wiederum spielten Adam Sandler und Kevin James ein schwules Pärchen wider Willen, das nur wegen Pensionsvorteilen eine Lebensgemeinschaft bildete. Am Ende führen sie den CSD in New York an (es bedarf schließlich heterosexueller Initiative, um homosexuelle Rechte einzuklagen) und der Film meint ein Plädoyer für Schwule einzustimmen – doch küssen wollen sich die Männer hier trotzdem auf keinen Fall.

Das alles sind Komödien, die in ihrem Humorverständnis von Gleichberechtigung träumen, aber Homophobie nur nähren. Ihr Erfolg war einer rein heterosexuellen Perspektive und damit komfortabler Publikumssicherheit geschuldet. “I Love You Phillip Morris” nun spinnt eine wirkliche und umweglose Liebesgeschichte zwischen Männern. Hier spielen zwei heterosexuelle Hollywoodstars zwei homosexuelle Typen, die nur ihrer Liebe wegen ein Paar sind. Schwulsein ist hier gar so selbstverständlich, dass sich der Film nicht nur den Verzicht auf böswillige Klischees leisten, sondern auch ganz einfach hauptsächliche eine tradierte Gaunergeschichte erzählen kann. In deren Mittelpunkt eben nicht Frau und Mann, sondern Mann und Mann stehen. So einfach ist das, und leider doch so bemerkenswert.

Zeiten ändern dich?

„Zeiten ändern dich“ ist die größtmögliche erdenkliche Fremdscham auf Zelluloid, ein peinliches und offen gesagt erbärmliches Stilisieren von Mist, das seinen einzigen Mehrwert, wenn überhaupt, aus der unfreiwilligen Dekonstruktion seiner Titelfigur gewinnt.

Das kommt – wenig überraschend – dabei heraus, wenn Uli Edel, Regisseur von Meisterwerken wie Christiane F. und Der Baader-Meinhof Komplex das Leben von Bushido mit selbigen in der Hauptrolle verfilmt. Natürlich vom Prouzenten von Der Untergang.
Unterhaltsamer als der Film dürfte wohl die Kritik bei 5Filmfreunde sein.

Bingo!

Ja, der Hype, in dem ich mitgeschwommen bin, war berechtigt. Punkt.

Noch 2 Links dazu, das war’s dann damit vorerst:

„Pulp fiction“ bezwingt den faschistischen Todeskitsch. Den wabernden Bildern von der gefährlichen Umarmung von Diskurs und Nazi-Bild setzt dieser Regisseur einen Schlag mit dem Baseballschläger entgegen.

Georg Seeßlen beim Abi-Bild

Und nochmal Seeßlen, diesmal in der Jungle World:

Fast hätte es wirklich eine »Basterd«-Truppe gegeben. Und wie im Tarantino-Film wäre sie aus Hollywood gekommen, allerdings nicht nur auf der Leinwand. Eine historische Abschweifung zu »Inglourious Basterds«.

Fundamentalisten des Kinos

Es gibt offensichtlich auf beiden Seiten »Fundamentalisten«: Bewohner des Popcorn-Universums, die jede kritische Öffnung ihrer geschlossenen Kinowelt als Kränkung betrachten; Bewohner des Diskurs-Universums, denen die Vorstellung von purem Vergnügen als unsittliches Angebot erscheint. Wenn ich mich bei einem Rundblick über die Filmkulturen nicht sehr täusche, so gibt es kein Land, in dem sich intellektuelle und Popcorn-Fraktion so unentspannt, unversöhnt und ideologisch aufgeladen begegnen wie in Deutschland. Das hat wohl einen größeren Zusammenhang. Der große Bruch zwischen dem Diskurs- und dem Popcorn-Universum wird hier überlagert und verstärkt von einem allgemeinen antiintellektuellen Impuls auf der einen und einem antipopulären Impuls auf der anderen Seite.
[…]
Nun geht es um die Existenz gleich auf zwei Ebenen: Um das Recht einer Unabhängigkeit der Kritik von ökonomischen Verwertungsinteressen und um das Recht auf ideologische Unabhängigkeit. Denn die wirkliche Konfliktlinie verläuft nicht zwischen intellektueller und Popcorn-Kritik, sondern zwischen Unabhängigkeit und Abhängigkeit. Unabhängigkeit von den ökonomischen Interessen des Betriebes, der Politik, der Medienlandschaft und den Erwartungshaltungen des Publikums.
[…]
Das gefährlichste Argument der fundamentalistischen anti-intellektuellen Popcorn-Kritik ist eben der Kurzschluss zwischen Unterhaltung und Ideologie. Wenn es gefällt (und eben »gut gemacht« ist), dann ist es auch gut, egal ob es dumm macht, lügt und propagandistisch ist. In diesem Punkt wird eine ausgeprägt konformistische Popcorn-Kritik selber zu dem, was sie den Gegnern eigentlich vorwirft, nämlich politisch. Nur nennt man es dort nicht so. Das gefährlichste Argument der fundamentalistischen intellektuellen Kritik gegenüber dem Popcorn-Universum ist, es von vornherein als dumm und reaktionär hinzustellen. In diesem Punkt wird eine konformistische intellektuelle Filmkritik zu dem, was sie dem Gegner unterstellt: blind.

Georg Seeßlen in der filmzentrale zu den scheinbaren Widersprüchen der deutschen Fimkritik. Warum er dabei immer auf diesem deutsch rumhackt, ist mir nicht so ganz nachvollziehbar, aber ansonsten sehr lesenswert.

via 5Filmfreunde

Zu erwartender Mist

It is as if an idiot who enjoyed Shakespeare cut words out of the play, re-assembled them and expected it to be just as good. All you get is nonsense.
[…]
Don’t see it. Don’t rent it. If you love Donnie Darko, as I do, just don’t go there.

popsyndicate über überflüssige Fortsetzung zu Donnie Darko

Ein Haufen (antisexistischer) Filme

Ich habe in letzter Zeit fleißig Filme geguckt. Zum einen die Rob-Zombie-Knaller Haus der 1000 Leichen und dessen Fortsetzung The Devil’s Rejects, beide unblutiger und dafür athmosphärischer als erwartet.

Dann hab ich noch Female Trouble von John Waters gesehen, den ich absolut weiterempfehlen kann, allerdings fällt mir nicht angemessenes ein, das ich gerade dazu schreiben kann.

Ausführlicher berichten möchte ich von 3 Filmen: But I‘m A Cheerleader und If These Walls Could Talk 1&2.

Die versuchte Rekonstruktion
des heteronormativen Normalzustands

Yeah! Ich bin so intellektuell, eine solche Überschrift zu wählen. Fakt ist, dass es genau darum geht in But I‘m A Cheerleader (mäßiger deutscher Titel: Weil ich ein Mädchen bin). Und doch ist der Film weniger intellektuell, sondern vor allem ein großer Spaß, der mit permanentem Augenzwinkern diverse Klischees dekonstruiert.
Hauptfigur des Films ist die junge Cheerleaderin Megan. Da es ihr keinen Spaß macht, wenn ihr gutaussehender, Football spielender Freund sie küsst, weil sie in ihrem Spind Fotos von jungen Frauen in Bikinis und nicht wie ihre Freundinnen von halbnackten Kerlen hat und weil in ihrem Zimmer ein Poster von Melissa Etheridge hängt, glauben ihre Eltern und Freunde, dass Megan lesbisch ist.

Deshalb wird sie zu True Directions geschickt, einen Umerziehungscamp für Homosexuelle. Dort sollen alle die ihnen zustehenden Geschlechterrollen lernen. Während die Jungs beigebracht wird, Football zu spielen, sich kräftig und so richtig männlich an den Sack zu packen und Autos zu reparieren, sollen die Mädchen Hausputz, Bügeln und Tischmanieren lernen.

Doch wo so viele Schwule und Lesben auf einem Haufen sind, bleiben die verbotenen Romanzen natürlich nicht aus.

Gesondert hervorzuheben ist dabei auch das großartige Produktionsdesign, wo es eben Klischees entsprechend nur zwei wirkliche Farben gibt: Rosa und Blau.

Wäre nicht die Grundkonstruktion des Films auf dem Konflikt schwul/lesbisch vs. heteronormative Spießerwelt aufgebaut, dann wäre es dies eine unterhaltsame aber belanglose Teeniekomödie. So aber schafft der Film geschickt die Balance zwischen leichtfüßigem Humor und der Vermittlung von Grundlagen der Gender Studies.

Top!

‚‘If men had babies, we wouldn‘t be having this
conversation. It would be a done deal.'‘

Dieses Zitat stammt von Cher. Sie hat bei einer der 3 Episoden von If These Walls Could Talk (auf deutsch: Haus der stummen Schreie) Regie geführt. Schwangerschaftsabbrüche im Kontext unterschiedlicher Zeiten ist das Thema.

1952: Die verwitwete Krankenschwester Claire (Demi Moore) ist schwanger und das nur 6 Monate nachdem ihr Mann starb. Nachdem der Versuch selbst abzubrechen scheitert, entschließt sie sich, sich von einem Kurpfuscher helfen zu lassen.

1974: Die Lehrerin und vierfache Mutter Barbara (Sissy Spacek) ist erneut schwanger. Dabei ist sie gerade erst in den Schuldienst zurück gekehrt und wollte sich eigentlich stärker auf ihre Karriere konzentrieren. Jetzt denkt sie darüber nach abzutreiben.

1996: Christine (Anne Heche) ist von ihrem Professor geschwängert worden. Der möchte, dass sie abtreibt. Doch vor der Klinik von Dr. Thompson (Cher) trifft sie auf eine Gruppe von ProLiferinnen, die sie überzeugen wollen, die Schwangerschaft auszutragen.

Neben den inhaltlichen Parallelen wird der Film als ganzes dadurch zusammen gehalten, dass alle Episoden im selben Haus spielen. Die hochkarätige Besetzung überzeugt auf ganzer Linie. Insgesamt wird ganz klar deutlich, dass die Entscheidung für oder gegen einen Abbruch ganz allein bei der jeweiligen Frau liegen sollte und kein Mensch das Recht hat, sich moralisch über diese Frauen und ihre konkrete Lebenssituation zu stellen.

Insebsondere die letzte Episoden mit den amerikanischen Lebensschützern ist dann auch für die aktuelle Situation in Deutschland durchaus interessant zu sehen, wird doch gezeigt, wie deren so genannte Gehsteigberatung funktioniert. Denn auch in Deutschland treten diese reaktionären Abtreibungsgegner_innen immer häufiger in Erscheinung, sei es durch eben solche Gehsteigberatung oder durch ihre 1000-Kreuze-Märsche.

Dabei zeigt der Film insbesondere, welch gewalttätiges Niveau der Kampf der ProLifer in den USA damals hatte (wie es heute aussieht, weiß ich gar nicht so genau), wenn sich die Ärztin eben nur mit schussicherer Weste auf den Weg in die eigene Klinik machen kann.

Einen lesenswerten Artikel über die Entstehung des Films gibt es bei der New York Times.

„What, do you think I was protecting *MY* right to screw frat boys?“

In der Quasi-Fortsetzung If These Walls Could Talk 2 (deutscher Titel: Women Love Women) wird zwar das selbe Grundkonstrukt mit 3 zeitlich versetzten Episoden, die im selben Haus spielen, verwendet, allerdings geht es diesmal um das Leben von Lesben.

1961: Nachden Edith (großartig: Vanesse Redgrave) ihre Lebenspartnerin Abby durch einen Unfall verloren hat, tritt plötzlich deren Familie (u.a. Paul Giamatti) in Ediths Leben. Da das Haus, das Edith und Abby gemeinsam abbezahlt haben, auf dem Papier Abby gehörte, soll Edith nun plötzlich ausziehen.

1972: Eine lesbische-feministische WG wird aufgrund ihres offenen Umgangs mit ihrer Homosexualität aus ihrer feministischen Uni-Gruppe geworfen. Dann verliebt sich Linda (Michelle Williams) in die Butch Amy (Chloë Sevigny), was den anderen so gar nicht ins politische Weltbild passt.

2000: Das paar Kal (Ellen DeGeneres) und Fran (Sharon Stone) hat sich entschlossen, ein Kind zu bekommen. Nachdem der ursprüngliche Plan, dass Fran von einem Schwulen befruchtet werden soll, scheitert, entscheiden sie sich für einen Spender von der Samenbank. Doch die die Entscheidung, welches denn jetzt das richtige Sperma ist, fällt schwer.

Inhaltlich und politisch ist im Einzelnen nichts schwerwiegendes gegen die Episoden einzuwenden, insgesamt stößt aber die Gesamtkonstruktion des Films arg an ihre Grenzen. Entstand im ersten Teil ein Spannungsverhältnis ja gerade aus den Verhältnis von Parallelen und Unterschieden der einzelnen Episoden, so sind die in der Fortsetzung behandelten Konflikte einfach zu unterschiedlich, als dass sich die einzelnen Episoden zu einem geschlossenen Ganzen zusammen fügen. Das mag der geänderten Themensetzung entsprechend vielleicht auch angemessen und gewollt sein, funktioniert aber nur eingeschränkt.
Dazu kam dann bei mir auch noch eine ganz subjektive Aversion gegen Sharon Stone.

So ist dieser Film zwar auch mal ganz interessant anzusehen, aber da gibt es sicherlich bessere Filme.
(das ist eine Aufforderung zum kommentieren, falls wer da gute Beispiele hat)

Tropic Thunder

Das hätte ich auch nie gedacht, dass ich es mal so einfach schaffe Antirassismus und einen neuen Film von Ben Stiller in einem Post zu verknüpfen. Und ich kann es durch einen einfachen Verweis:
/film hat eine etwas SPOILER-haltige aber sehr lesenswerte Kritik/Analyse des neuen Ben Stiller Films Tropic Thunder.

But underneath its sheen of light-hearted hilarity lies a biting message not just about the lengths to which actors will go for an Oscar, but about the ridiculousness of white cultural appropriation.
(…)
Tropic Thunder subverts the spectre of white cultural appropriation that hovers over not only this film, but of many others that Hollywood has already released. It takes appropriations that should be offensive and makes them objects of ridicule. It is as subversive as it is funny, as offensive as it is thought-provoking. For all this it deserves both our applause and laughter. It is one of the best films of this summer. Go see it.

Gut gebrüllt, Löwe?

„Prinz Kaspian“ ist ein Agenda-Film, daran besteht kein Zweifel, und offensichtlicher kann er sich als solcher auch nicht mehr zeigen. Seine diesbezügliche Ehrlichkeit – im Gegensatz zum Vorgänger, der noch durchaus subtiler vorging – müsste man Regisseur Andrew Adamson sogar hoch anrechnen.
(…)
Als Spektakel funktioniert auch dieser zweite Narnia-Film ganz hervorragend. Aber: dass „Prinz Kaspian“ mehr ist, dass der Film auch erziehen will, ist offensichtlich, schon bedingt durch seine junge Zielgruppe. Hinter dem offensichtlichen Bibelpädagogik-Subtext verbergen sich Politpropaganda und Kriegsdurchhalteparolen. Ein Kinderfilm als Rekrutierungsvideo. Die christliche Rechte braucht Nachwuchs.

Der erste war schon stinklangweilig und fies moralinsauer.
Heise-Kritik zu Teil 2

Immer schön der Reihe nach…

Zunächst einmal vorab: Ich liebe TV-Serien!
Lange habe ich davon eher wenig gehalten, aber das, was insbesondere in den USA zur Zeit an Serien produziert wird, ist oftmals um Dimensionen besser und komplexer, als vieles, was in den Kinos zu sehen ist.
Dazu hat die Jungle World jetzt auch eine Textreihe gestartet, ich bin gespannt auf die kommenden Beiträge.
Gleichzeitig bietet der JuWo-Text auch eine große Kritikfläche, die unkritische Lobhudelei auf die Serie 24. Ich muss zugeben, das auch ich die ersten 2 Staffeln gebannt verfolgt habe, aber bereits in Staffel 3 wurde das Schema doch sehr redundant. Wenn mensch über diese Serie spricht bzw. schreibt, darf aber nicht ihr inhaltlicher, ideologischer Gehalt außer acht gelassen werden, liefert 24 doch diverse Argumente für Folter und mehr Geheimdienste.

Aber eigentlich wollte ich jetzt gar nicht über 24 schreiben, sondern über Roots.
Als sämtliche Roots-Episoden 1977 innerhalb von einer Woche ausgestrahlt wurden, entstand ein Phänomen, das bis heute einzigartig ist. Roots war der Straßenfeger schlechthin. Die Finalfolge hatte eine Einschaltquote von 85%! US-Kneipen erlebten drastische Umsatzeinbrüche. Viele Sportsbars versuchten dem zu entgehen, indem sie selbst Roots zeigten. Ein unglaublicher Hype war entstanden.

Heute ist die entscheidende Frage: War der Hype gerechtfertigt?
Generell ist die Frage, wie sehr Hypes überhaupt gerechtfertigt sind. Mit der Erwartungshaltung, die sich vor dem ersten Sehen aufbaut, wenn mensch solche Geschichten liest, wird eine Serie nie mithalten können.
Festzuhalten ist, das Roots 1977 absolut den Nerv der Zeit traf. Debatten über Rassismus waren in den Vorjahren auf vielfältige Art und Weise u.a. durch das Civil Rights Movement angestoßen worden und wurden nun durch diese Serie breit in der Gesellschaft verankert.
Gibt es seitdem keinen Rassismus mehr in den USA?
Genau hier kann dann auch eine Kritik an der Serie ansetzen.
Roots erzählt die Geschichte des Afrikaners Kunta Kinte, der versklavt und in die USA verschifft wird. Die Erzählung folgt ihm und seinen nachfolgenden Generationen bis zur Befreiung durch die Abschaffung der Sklaverei.
Immer wieder schimmert der erhobene Zeigefinger durch, was anstrengend wäre, wenn die Geschichte nicht mit so großartigen SchauspielerInnen auf einer ganz persönlichen Ebene erzählt wird. Gleichzeitig wird mensch das Gefühl nicht los, das sich die (weißen) Produzenten und Regisseure der Serie permanent für Vergangenes entschuldigen, nur um sich dann mit dem Happy End freizusprechen. Eine Thematisierung von Rassismus als kontinuierliche Kategorie von Denk- und Handelsweisen der gesamten Gesellschaft wird zwar kurz vor Schluss ganz grob angerissen, aber zuletzt doch eher weichgespühlt. Allerdings ist hier zu bedenken, dass es später noch eine ebenfalls hochgelobte Fortsetzung Roots – Die nächsten Generationen gab, die ich noch nicht gesehen habe.
In Anbetracht der Entstehungszeit und in Anbetracht dessen, das es sich um eine absolute Mainstreamproduktion handelt, ist die Auseinandersetzung mit Sklaverei und Rassismus als einem entscheidenden Teil der US-Vergangenheit im Großen und Ganzen gelungen und die Serie auch wegen ihrer Spannung durchaus weiter zu empfehlen.

Juno

Eigentlich hatte ich mir für die nächsten Tage vorgenommen, ne kurze Kritik (bzw in diesem Fall eher Empfehlung) zu Juno zu schreiben, der zur Zeit im Kino läuft.
Dank mädchenblog brauche ich das jetzt nicht mehr zu machen, weil ich dem Text so zustimmen kann.
Ergänzen kann ich nur, dass ich den Film auf englisch gesehen habe, und er da absolut großartig ist. Ein Bekannter, der sowohl Original, wie auch Synchronfassung gesehen hat, sagte mir auch, das der Film im Deutschen noch einiges verliert.

Roots

Ich habe mir gestern eine DVD gekauft, bzw genauer gesagt ein paar DVDs, nämlich die TV-Serie „Roots“ aus den 70er Jahren.
Auch auf die Gefahr hin, dass das jetzt Werbung ist: Ich habe die komplette 1te Staffel für 8€ (!) bei Karstadt bekommen.
Die ersten 1 1/2 Folgen habe ich bisher gesehen und das ganze ist durchaus unterhaltsam. Aber vieles wirkt recht spekulativ, gerade die Darstellung des Stammeslebens von Kunta (dem Hauptcharakter). Hier werden durchaus die sattsam bekannten Ethnikitsch-Clichés des wilden Afrikanischen Stammeslebens zelebriert, woran auch der positive Blickwinkel wenig ändert. Aber das ist (nach einem lustigen Gastauftritt von O.J. Simpson) bald vorbei, wenn Kunta, wie erwartet versklavt wird. Ab hier erzählt die Serie von Kuntas Verschiffung in die USA und spannt den Bogen über mehrere Generationen bis zur Sklavenbefreiung (aber soweit bin ich noch nicht).

„Roots“ war damals das TV-Highlight schlechthin. Die letzte Folge hat bis heute den 3ten Platz der höchsten Einschaltquoten der USA (nach einem Super-Bowl-Finale und dem Finale von M*A*S*H). Ob die Serie die entsprechende Erwartungshaltung erfüllen kann, nach den ersten 1 1/2 Folgen habe ich da leichte Zweifel, aber unterhaltsam ist sie trotzdem.

Eine Frage stellt sich mir nur: Ich habe in dem ganzen Dorf von Kunta kein einziges Buch gesehen. Dennoch scheint er Moslem zu sein, wo ich den Islam mit seinem Koran immer als „Buchreligion“ verstanden hatte. Ich hab bei einer kurzen Recherche im Internet dazu nicht viel finden können. Falls es tatsächlich schon Menschen gibt, die diesen Blog lesen, und falls diese auch noch was dazu wissen: War damals der Islam in Afrika schon so weit verbreitet?