Tag-Archiv für 'antimilitarismus'

Same procedure as every year…

Das der erste Aufruf für die Proteste gegen die sog. „Sicherheitskonferenz 2012″ verkürzt, oberflächlich und analytisch an vielen Punkten schlicht falsch ist, überrascht wenig.
Und wie schon im letzten Jahr, wird sich gleich im ersten Absatz auf den Rassisten, Antisemiten und Gaddafi-Freund Jean Ziegler berufen, der sich auch mal gern als „weißen N----“ bezeichnet.
So richtig und wichtig ein Protest und eine fundierte Kritik gegen eine Veranstaltung wie sie SiKo wäre, beim Aktionsbündnis (und allen, die da dann unkritisch mitlaufen) brauch ich wohl gar nicht mehr anfangen zu suchen.

Das folgende Video widme ich der Stadt Bad Reichenhall


via The Presurfer

Nachtreten solange es geht

Nachdem es wenig überraschend so scheint, als würden Kreise aus Politik und Bundeswehr hart daran arbeiten, dass der Reichenhall-Mitrovica-Skandal möglichst bald im Sande verläuft, legt das Rabatz nochmal nach und thematisiert Bennennung und Gestaltung der Kaserne.

Der Skandal geht weiter…

Okay, es wird immer dicker. Nachdem bei der Bad Reichenhall-Geschichte das an der einen oder anderen Stelle noch als Einzelfall abgetan wurde, hat das Rabatz heute laut Abi-Bild weitere Fotos veröffentlicht, diesmal von einem Tag der offenen Tür in einer Kaserne in Brannenburg.
Darauf zu sehen: Kids mit echten Waffen.
Bisher kam der sich immer mehr ausweitende Skandal ja nur aufgrund der Recherchen und Veröffentlichungen des Rabatz zu stande. Ich frage mich, ob es nicht auch noch die eine oder andere linke Gruppe woanders gibt, die vielleicht auch noch solche oder ähnliche Fotos hat. Jetzt wäre dann wohl die Zeit, um sie zu veröffentlichen und den aktuellen Schwung mitzunehmen, um der Bundeswehr richtig an den Karren zu fahren.

Der Verfassungsschutz und die Presse

Im Bezug auf die juristischen Gefechte die sich der bayrische „Verfassungsschutz“ mit dem a.i.d.a.-Archiv liefern zu müssen meint, muss ich einen aktuellen Kommentar nochmal hervorheben:

Wegen bild.de, vor allem aber gmx.net und web.de war der Server gestern hoffnungslos überlastet: Sie alle müssen jetzt in den Bayerischen Verfassungsschutzbericht, weil sie direkt auf eine linksextreme Seite verlinkt haben!

Weit gereist

Objections to the children’s camp were first raised by the radical leftist group Rabatz, which called the incident a “scandal” in a statement.

“This is a disgusting insult to the victims” in Mitrovica, said spokeswoman Anna Jade. She called for those responsible to resign and also questioned allowing children to play with fake weapons.

Bundeswehr slammed for children’s ‚Mitrovica‘ war games camp

Soweit ist es schon

Ich gratuliere dann mal dem rabatz zur Unglaublich guten Pressearbeit

Artikel bei bild.de

Traditionell dumm

Für Menschen, die Deutsche Zustände thematisieren und anprangern wollen, könnte man den Ort Bad Reichenhall zynisch als „the gift, that keeps on giving“ bezeichnen.
Nachdem es dort vor kurzem ein Gedenken mit Rechtsterroristen gab, und kurz darauf das rabatz eine Demo dort machte, fand nun eine Woche später ein „Tag der offenen Tür“ in der nach SS-General Rudolf Konrad benannten Kaserne statt.

Das rabatz berichtet:

Beim Tag der offenen Tür in der Bad Reichenhaller General-Konrad-Kaserne hatte die Bundeswehr als „Kinderprogramm“ das Modell einer offensichtlich durch Krieg zerstörten Stadt aufgebaut. Ruinen und kleine Brandherde bestimmten die Szenerie. Zwei Bundeswehrsoldaten ließen unter einem Tarnnetz Kinder mit Waffennachbauten auf die Miniaturstadt schießen. Die Bundeswehr hatte ein Miniatur-Ortsschild für diese Stadt gebastelt: „Klein-Mitrovica“.
Bundeswehr verherrlicht Pogrome

Die im Kosovo gelegene Stadt Mitrovica erlangte traurige Berühmtheit, als dort 1999 trotz Anwesenheit der KFOR albanische Nationalisten das gesamte Roma-Viertel des Ortes plünderten und zerstörten. Mehrere tausend Häuser wurden dabei zerstört, ca. 8000 Roma wurden aus dem Ort vertrieben¹.

2004 wurden bei Anti-Serbischen Pogrome, die von Mitrovica ausgingen, viele Häuser und Einrichtungen der serbischen Bevölkerung zerstört, im ganzen Kosovo gab es viele Tote und hunderte zerstörte Häuser².

Im Zuge der Besatzung Jugoslawiens im Zweiten Weltkrieg waren in Mitrovica ab April 1943 Truppen der 1. Gebirgs-Division der Wehrmacht, der auch die Bad Reichenhaller Gebirgsjäger angehörten, stationiert³. Die Vorgängerorganisation der heutigen (Bundeswehr)Gebirgstruppe war dort zur „Partisanenbekämpfung“ eingesetzt. Als Teil der Truppen des nationalsozialistischen Deutschlands waren die Gebirgsjäger an zahlreichen Massakern und Kriegsverbrechen, bspw. auf Kefalonia und auf Kreta beteiligt.

Erst vorletzte Woche hatte das RABATZ-Bündnis mit einer Demonstration auf die ungebrochene Verherrlichung der Wehrmacht durch die Bundeswehr und weite Teile der Reichenhaller Bevölkerung aufmerksam gemacht. Die Antifaschist_innen kritisierten dabei v.a. das sog. „Kretagedenken“, bei dem der deutsche Angriffskrieg gegen Kreta verherrlicht wird.

Auch in München geht manchmal was


Quelle: Indymedia

Hände weg von Libyen?

Eines der folgenden Zitate ist von der SDAJ München, eines von der Kameradschaft München. Nur welches von wem ist, hab ich vergessen.

Während die Luftschläge anhalten, gibt es bereits das erste Gerangel bei der NATO, wer in Libyen künftig das Sagen haben soll. Unter der Hand werden hier wohl schon Besatzungszonen aufgeteilt und vor allem der Zugriff auf die libyschen Ölvorkommen geregelt. Für uns ist Libyen deshalb ein weiteres klassisches Beispiel eines imperialistischen Krieges. Die USA und ihre Verbündeten haben hier kein anderes Ziel, als bereits im Irak. Sie wollen ihren Einfluss ausweiten und die Ressourcen Libyens in ihre Gewalt bringen.
Sicherlich war Gaddafi kein Musterschüler und sicherlich war er in Libyen Diktator. Allerdings sind das bei weitem keine Gründe, um ein freies Land anzugreifen. Zahlreiche Staaten in Afrika und den arabischen Ländern werden von Diktatoren beherrscht. Viele von diesen sind schlimmer als Gaddafi. Trotzdem unterhält die westliche Wertegemeinschaft zu ihnen beste Beziehungen und unterstützt Sie mit Geld und Waffen.
Gaddafis Fehler war also nicht ein Diktator zu sein. Sein Fehler war, sich nicht bedingungslos den westlichen Interessen unterzuordnen.
[…]
Für uns heißt es jedenfalls weiterhin:

Hände weg von Libyen!
Imperialismus bekämpfen. Jetzt und Überall!

Seit 19.3. bombardieren Frankreich, Großbritannien und die USA mit Kampfflugzeugen und Tomahawk-Marschflugköِrpern Tripolis und andere Städte Libyens. Spezialkommandos des CIA und des britischen Geheimdienstes MI6 operieren schon seit Wochen in Libyen, um gegnerische Ziele zu markieren.
[…]
Jetzt werden die Menschen, die sich berechtigterweise gegen die Willkürherrschaft Gaddafis auflehnen, erneut für die Machtansprüche der USA und der EU-Staaten missbraucht.
Dem Westen geht es auch im Libyen Konflikt ganz und gar nicht um demokratische Rechte, sondern um die Sicherung seines Einflusses in Nordafrika und um den Zugriff auf die Öl- und Gasressourcen des Landes. Libyen verfügt über die größten Öl-Reserven Afrikas und 70 Prozent seiner Öl- und Gasexporte gehen in die EU.
[…]
Die neuen Bündnispartner des Westens, die Führungsmitglieder der Gegenregierung kommen vorwiegend aus dem Funktionärs- und Militärsapparat des Gaddafi-Regimes, wo sie versucht haben, die Privatisierung der staatlich gelenkten Wirtschaft voranzutreiben. Als Experten neoliberaler Wirtschaftspolitik werden sie – zum Nachteil der Bevölkerung – das Land den westlichen Konzerne ausliefern.

Welcome to Minga

Während die meisten froh sein dürften, dass er endlich weg ist, wollen ihn die ersten schon wieder zurück haben. Die Facebook-Gruppe „Wir wollen Guttenberg zurück“ wächst ähnlich rasant wie zuvor die Gruppe „Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg“. Und nun ist dort die Idee der Gutti-Fans geboren, ihre Unterstützung nicht mehr nur virtuell auszudrücken, sondern auch in persona.

Am 5. März um 13 Uhr soll es in verschiedenen deutschen Städten und Orten Pro-Guttenberg-Demos geben. Auch in München. Dort wollen sich die KT-Anhänger am Marienplatz treffen, um ihrem Liebling zu huldigen.

Im Perlacher Wirtshaussaal beginnt das Referat mit einer Viertelstunde Verspätung, man kennt das von der Uni. Bedienungen versorgen die Besucher derweil mit warmem Essen. Stefan Ullrich, 46, versucht seinen Vortrag wissenschaftlich zu fundieren, er zitiert unablässig Bibel- und Koranstellen. Vorgestellt wurde er als „Islamkritiker der ersten Stunde“, er ist auch Initiator der Internetseite „Deus vult“. So lautete der Schlachtruf der Kreuzritter.

Vor ein paar Jahren war Ullrich kooptiertes Vorstandsmitglied der Harlachinger CSU, inzwischen hat er die Partei verlassen. Seine Botschaft an diesem Abend lautet: Das Christentum ist die Religion der Liebe und des Heils – der Islam die Ideologie der Gewalt und der Angst.

Beginnend mit dem 9. März stehen acht junge Leute vor Gericht. Der Vorwurf: Sie haben zusammen mit tausenden Bürgerinnen und Bürger einen Naziaufmarsch verhindert.

Am 8. Mai haben viele Menschen, junge und alte, Trachtenvereine, Politprominenz und Antifa sich gemeinsam erfolgreich und friedlich einem Aufmarsch der Neonazis entgegen gestellt. […]

Die Kriminalisierung Einzelner ist in Wirklichkeit der nachträgliche Versuch einer Kriminalisierung der gesamten Blockade.

Interessanterweise wollen die Sprachrohre der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend schon einräumen, dass die Schreie aus dem internationalistischen Block, wie zum Beispiel, „Israel zurück ins Meer“, antisemitisch waren, es also einen Israel-bezogenen Antisemitismus überhaupt gibt. Aber, obwohl dessen gewahr, wollen sie im Zweifelsfall trotzdem nicht für den jüdsichen Staat und gegen den Antisemitismus eintreten. Die Antisemitinnen und Antisemiten dürfen infolge also weiter in den „organisierten Ketten“ mitmarschieren. Für das „Problem“ mit den „Antideutschen Provokateur_innen“ hat die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend hingegen schon an einem „Schlüssel zur Lösung“ für das nächste Mal gefeilt: Eine „breiter aufgestellte Ordner_innenstruktur“ muss her.

Nazis, Militarismus und Männlichkeit

Das Abfeiern deutschen „Soldatentums“ ist in diesem Kontext sowohl Ausdruck als auch Mittel zur Festigung und Durchsetzung nationalsozialistischer Ideologiefragmente. Die deutschen Armeen waren nicht nur für die kriegerische Politik Deutschlands notwendig. Männliche Soldaten waren die gesellschaftliche Vorbildrolle schlechthin im Nationalsozialismus.
Von Partei bis hin zur Jugenderziehung in Hitlerjugend (HJ) und Bund deutscher Mädel (BDM), vom Kulturbetrieb bis zur Alltagssprache waren so gut wie alle gesellschaftlichen Institutionen nach militärischem Vorbild aufgebaut und daran ausgerichtet. Das Prinzip des Kampfes und des Krieges hatte grundlegende Bedeutung.
Die Welt durch eine klare Grenzziehung zwischen „Wir-Gruppe“ und „den Anderen“ einzuteilen ist ein Kernelement von Ungleichheitsideologien wie dem Nationalsozialismus. Beim Militär findet diese zweigeteilte Logik ihren Ausdruck im Denken in „Kameraden“ und „Feinden“ ². Ein Dazwischen gibt es nicht.
Militarismus findet sich nicht nur bei Nationalsozialist_innen. Zwar ist die Wehrmacht beim Gros der hiesigen Bevölkerung nicht mehr allzu hoch angesehen, aber militärische Tugenden finden dennoch ein nicht unerhebliches Echo. Männlichkeitskult, Disziplin oder Gehorsam bestimmen nicht nur die Naziszene oder die Bundeswehr sondern weit mehr gesellschaftliche Bereiche.
[…]
Es greift zu kurz, Militarismus ohne den Bezug auf den Faktor Geschlechtlichkeit zu kritisieren. Geschlechter sind nichts naturgegebenes; sie sind sozial konstruiert, von Menschen gemachte Verhältnisse. Heutige Vorstellungen von „männlich“ und „weiblich“ sind zweigeteilt, Menschen sollen hiernach entweder „Männer“ oder „Frauen“ sein. Beiden werden gegenteilige Eigenschaften zu- beziehungsweise abgesprochen. Durch die Einteilung in „Männer“ und „Frauen“ werden alle Menschen in ein Hierarchiesystem gestellt. Hinzu kommt, dass es nichts außerhalb dieser Logik geben soll. Menschen, die den herrschenden Geschlechterlogiken nicht entsprechen oder nicht entsprechen wollen erfahren dafür mitunter massive gesellschaftliche Sanktionierungen.
Das Militär ist eine spezifische Form männlicher Zurichtung. Ihm unterliegen klar als „männlich“ konstruierte Eigenschaften, wie Macht, Dominanz, Härte, Disziplin und Gehorsam, männerbündelnde Kameradschaften, (waffen-)technologisches Expertentum und aggressiv-gewalttätiges Verhalten.
Der Faktor der Männlichkeit beim Militär ist auch an dessen Kehrseite erkennbar. So wird Kriegsdienstverweigerung häufig mit „unmännlichen“ Attributen, wie Feigheit, Inkonsequenz oder Schwäche dargestellt. Ebenso waren und sind sexualisierte Gewalt und Krieg immer miteinander verbunden. Kein Krieg findet ohne systematische Übergriffe und Vergewaltigungen statt. Und nicht erst seit den Folterungen von Abu Ghraib kommt es zu sexualisierter Gewalt gegen Gefangene als Mittel zur Erniedrigung und Unterwerfung.
Normative Vorstellungen von Männlichkeit sind nichts Statisches. Sie stehen innerhalb diskursiver Felder und sind stetigen internen – mal kleineren, mal größeren – Wandlungen unterworfen. Es gibt verschiedene Vorstellungen dessen, was als „männlich“ gelten darf, die teilweise auch in Konkurrenz zueinander stehen. So sind die stetig abnehmenden Zahlen derer, die sich bei der Bundeswehr verpflichten, sicherlich kein Indiz dafür, dass die hiesigen Verhältnisse weniger patriarchal geworden sind. Krieg wurde und wird auch nicht ausschließlich von „Heteromännern“ geführt (siehe dazu Fußnote 1) und Frauen dürfen jetzt auch den „Dienst an der Waffe“ tun. Dennoch sind die zugrunde liegenden Prinzipien und Machtstrukturen trotz verschiedener Wandlungen immer noch männlich-patriarchal.
Antimilitaristische Praxis muss gegen die konkreten Ziele, Institutionen und Organisationen ebenso vorgehen wie gegen deren elementare Prinzipien wie eben Männlichkeit und das mit dem Blick auf Transformation, Wechselwirkungen und Widersprüche.

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Action Day