Tag-Archiv für 'links'

Debatte und Diskurs

Nur am Rande verfolgen konnte ich die aktuell in einigen Blogs und anderswo stattfindende Debatte rund um Antifapolitik. Dankenswerterweise hat Bikepunk die bisherige Diskussion grob zusammen gefasst.
Grundsätzlich kann ich auch verstehen, wenn einige Leute Antifapolitik als staats- und „demokratie“erhaltend sehen. Allerdings muss imho auch auf der rein praktischen Ebene geschaut werden, wie das dann in der Realität aussieht, und die heißt gerade in Süddeutschland, dass Naziausfmärsche eigentlich immer bis zum bitteren Ende durchgezogen und oftmals auch durchgeprügelt werden, egal wie sich der Protest dagegen artikuliert. Das heißt dann auch zwangsläufig, dass selbst der reine Anti-Naziprotest oftmals sehr leicht das Gewaltmonopol des Staates in Frage stellen kann. Da es immer noch oft am leichtesten ist „unpolitische“ Menschen gegen Nazis zu mobilisieren, ist dies doch schonmal ein wunderbarer Anknüpfungspunkt für grundlegende Agiation und Staats- und Gesellschaftskritik.
Aktuell finde ich persönlich wäre eigentlich eine Debatte um Abschottungspraktiken innerhalb der Radikalen Linken eher nötig. Das reicht von krasser Abgrenzungspolitik in linken Zentren gegenüber all jenen, die nicht gleich ins optische Klischee eines/einer „ordenlichen Linken“ passen über die Aktionsform des schwarzen Blocks bzw. das, was oftmals auf kleineren Demos davon übrig bleibt und eben von außen dann doch eher albern wirkt und gleichzeitig den Focus der Polizei so auf diese Demonstrationsteilnehmer_innen lenkt, was ein sinnvolles und kräftiges agieren und agitieren im Sinne einer „Propaganda der Tat“ meist verunmöglicht.
Wie andere Formen klarer und aussagekräftiger Aktionen nicht nur aber insbesondere gegen Nazis aussehen können, bleibt zu diskutieren.
An einem Ansatz mal eine gesammelte solidarische Kritik an der Aktionsform Black Bloc zu üben – gerade auch in Anbetracht immer schärferer Repressionsmaßnahmen wie den neuen Versammlungsgesetzen in Bayern und BaWü – hat sich der Infoladen Ludwigsburg versucht. Den lesens- und diskussionswürdigen Text findet ihr hier.

Links aufgeräumt

So, ich hab dann mal meine Linksektion etwas aufgeräumt und ergänzt um ein paar weitere Seiten, die ich schon länger in meinem Feed-Reader habe.
Zunächst hab ich im*moment*vorbei dazu gepackt, da unsere beiden Blogs sich in letzter zeit ja doch schon öfter hin und her gelinkt haben.
Antifatechnisch ist das a.i.d.a.-Archiv aus München und Recherche Nord aus Norddeutschland dazu gekommen, zwei extrem gute Rechercheseiten.
Dann auch noch die Orwell Diaries, die Tagebücher von George Orwell immer genau 70 Jahre später.
Dann noch rebel:art, eine sympatischer Streetart-Blog.
Bei Motionographer gibt es immer wieder krasse Animationen.
Was bei den 5 Filmfreunden zur Zeit passiert ist ziemlich surreal, wirkt aber eher wie ein seltsamer Werbegag. Mal abwarten.
Und last but not least: The Manchester Morgue, ein Blog mit einem großen Talent immer überraschende Trashperlen auszugraben.

Die neue Linke???

SpiegelOnline, von blackone letztens treffend als „Abiturienten-Bild“ bezeichnet, hat einen geradezu herrlich absurde Auszüge aus dem Buch „Links – Comeback eines Lebensgefühls“ veröffentlicht.

Einzelne verschlafene Gestalten saßen über Latte macchiato und Apple-Laptop, sorgfältig darauf bedacht, trotz nach vorne gebeugter Kopfhaltung ihre Ray-Ban-Sonnenbrillen nicht ins Rutschen zu bringen.

So sehen sie also aus, die wirklich Linken dieser Republik. Aber Autor Christian Rickens fällt nicht nur durch klare und nachvollziehbare Milieuzuschreibungen auf, sondern hat auch noch ein paar gute Tipps parat:

Liebe Linke, es kommt noch schlimmer: Ich halte nicht nur die parlamentarische Demokratie, sondern auch die Marktwirtschaft für außerordentlich begrüßenswert. Der ökonomische Wettbewerb um das beste Angebot zum niedrigsten Preis in freien Märkten, das individuelle Streben nach materiellem Vorteil als Motor des Fortschritts: All dies sind wunderbare Mechanismen, die es auch für Linke zu nutzen und zu erhalten gilt.

Und ich dachte immer, dass eine (mal mehr mal weniger differenzierte) Kapitalismuskritik entscheidender Teil eines linken Selbstverständnisses wäre. Aber wer ist schon dieser Marx?
Vielen Dank für die Erleuchtung!