Tag-Archiv für 'medien'

Alle die mit uns auf Kaperfahrt fahren…

Ihre Musik kündet von einer Zeit, da noch von Mensch zu Mensch kommuniziert wurde, mit nicht mehr als einer Gitarre und naturbelassener Stimme. Optimierungstechnologien wie die Computersoftware Autotune, mit der auch der schlechteste Sänger jeden Ton trifft, waren noch nicht erfunden. Für viele Anhänger des Vollbartfolks ist das bloße Nichtmitmachen bei der permanenten Selbstaufrüstung bereits eine Kritik am digitalen Kapitalismus. Wer daran glaubt, der hält auch die Fleet Foxes, diese unqueerste, geheimnisloseste, bescheidenste und patenteste aller Vollbartbands, für die Krone der Schöpfung, der unverfälschten.
[…]
„Mojo“ und „Uncut“, die Zentralorgane der retrogressiven Musealisierung des Rock, feiern Bands wie die Fleet Foxes. Sie dürfen sogar aufs Cover, eine Ehre, die sonst nur Toten, über Sechzigjährigen und den Gallagher-Brüdern zu Teil wird. Bei „Mojo“ und „Uncut“ widmen sich jahrzehntelang gereifte Edelfedern des Rockjournalismus auf hohem Niveau der Traditionspflege. Jubiläen werden gefeiert wie sie fallen, 60 Jahre Rock‘n'Roll, 50 Jahre Beatles, 40 Jahre T. Rex, 35 Jahre Punk und, ja, 20 Jahre „Nevermind“ von Nirvana. Weiße, heterosexuelle Männer schreiben Monat für Monat an der Bibel der weißen, heterosexuellen Rockmusik.

Mal überraschend guter Popjournalismus bei SpON: Haare überwuchern Haltung

Beste Schlagzeile ever!


via Oire Szene

Das schöne Cuba

Warum Cuba? Immer mehr normale Leute entdecken das letzte echte sozialistische Land auf Erden und lassen sich von Castros lebenslustigem Volk mitreißen. Im vergangenen Jahr reisten 200.000 Deutsche nach Cuba und es wird eine Zunahme von 30 Prozent allein der Besucher aus Deutschland erwartet Cuba boomt! Was macht Cuba heute aus: Musik: Cuba ist einfach das Land mit der vielfältigsten Musik. Und die lebt. Mit Wim Wenders fing es an.

Aus dem Klappentext eines Cuba-Reiseführers. Ich hab grad mal gesucht und nicht gefunden. Es müsste doch mal ein Blog geben, dass rassistische, kulturalistische und sonstwie -istische Reiseführertexte sammelt und kommentiert. Ist ja nicht so, dass mensch nicht höchstwahrscheinlich schon beim ersten Buch ‚n Haufen Treffer landen würde.

Kunst und Kultur

Wäre nun das Ästhetische bloß die Form und das Politische der Inhalt, so wären beide trefflich vereint in einer „Ökonomie“, einer „ordentlichen Verwaltung des Hauses“ (die man den Göttern ebenso wie den Philosophen und den weisen Herrschern zugeschrieben hat, ehe die Kapitalisten sie in die Hände bekamen): Alles was sich lohnt zu errichten, um dem absehbaren und vorhergesagten Untergang entgegen zu wirken: Schönheit und Ordnung als Mittel, die Zeit vor dem Jüngsten Gericht zu verlängern.

So sagt eine einfache Formel, Faschismus sei zunächst eine „Ästhetisierung des Politischen“, auf die eine linke und humanistische Reaktion die „Politisierung des Ästhetischen“ sei. Das klingt einleuchtend, beschreibt aber noch lange nicht das Schlachtfeld, auf dem sich die beiden mehr oder weniger strategischen Impulse treffen. (Und natürlich ist das eine wie das andere auch Rückzugsgebiet für die „Geschlagenen“: Die Intellektuellen, die sich an der Politik einen blutigen Kopf – oder sogar blutige Hände – geholt haben, ziehen sich in die Kunst zurück; die Kunst, die an der Welt gescheitert ist, zieht sich ins Politische zurück – und wird „Kultur“.)

Kultur aber ist, da sind sich wiederum Linke und Rechte beinahe einig, „wie der ganze Mensch lebt“, und das heißt eben: Kultur ist weder was gutes noch was schlechtes, sondern es ist eben der Versuch des Menschen in einer Gesellschaft zu leben, oder es ist ein Versuch der Gesellschaft, mit den Menschen zu leben (man weiß gar nicht, welcher von beiden Seiten die Sache schwerer fällt; zum Zynismus neigen am Ende doch beide).

Das Schönste an Deutschland ist die Autobahn: Das Ästhetische und das Politische (I)

Safety Second

Nachdem ich festgestellt hab, dass mich das großartige Safety First Projekt zu seinen Freunden zählt, weise ich doch gerne auf deren 2te Runde am kommenden Wochenende hin:
Westend

Truthiness in öffentlichen Debatten

Was kön­nen wir von Thilo S. ler­nen? Wir leben in einem Zeit­al­ter der nor­ma­ti­ven Kraft der Öffent­lich­keit. Hin­ter der Wirk­macht von Öffent­lich­keit steht das Fak­ti­sche längst zurück. Schon vor Jah­ren prägte der ame­ri­ka­ni­sche Sati­ri­ker Ste­phen Col­bert das Wort der Trut­hi­ness. Trut­hi­ness (Wahr­heit­lich­keit) bezeich­net »Wahr­hei­ten«, die aus dem Bauch her­aus gefühlt wer­den und kei­ner ratio­na­len, logi­schen oder fak­ti­schen Über­prü­fung stand­hal­ten müs­sen. Wenn sol­che »Wahr­hei­ten« nur oft und laut genug wie­der­holt wer­den, wer­den sie in den Köp­fen der Men­schen zur Rea­li­tät.
[…]
Berufs­dem­ago­gen wie Thilo S. machen sich diese neue Medi­en­wirk­lich­keit zu nutze. Der viel zitierte Meis­ter der Wahr­heit­lich­keit, gerne auch »unbe­queme Wahr­heit« genannt, ist statt Vor­den­ker doch nur Kind des Zeit­geis­tes, denn mit der glei­chen Vir­tuo­si­tät auf der Kla­via­tur der Auf­merk­sam­keits­spi­rale heizt der Selbst­dar­stel­ler Glen Beck die ame­ri­ka­ni­sche Empö­rungs­kul­tur an. Dabei geht es die­sen moder­nen Dem­ago­gen über­haupt nicht um poli­ti­sche Fra­gen oder eine inhalt­lich geführte Debatte. Die Auf­merk­sam­keit an sich ist der Wert, auf den es bei­den ankommt.
[…]
Das Phä­no­men der Empö­rungs­spi­rale bei mora­lisch auf­ge­la­de­nen und seman­tisch ent­leer­ten Reiz­wor­ten wird immer mehr zur Gesetz­mä­ßig­keit, die eine inhalt­li­che Aus­ein­an­der­set­zung ver­hin­dert. Auch jene, die anders als Berufs­dem­ago­gen an sol­chen Debat­ten inter­es­siert sind, müs­sen fest­stel­len: Es fin­det stän­dig Abgren­zung statt inhalt­li­cher Aus­ein­an­der­set­zung mit Begrif­fen statt, die zu Kampf­be­grif­fen gewor­den sind. Ras­sis­mus oder Sexis­mus sind Bei­spiele für sol­che Kampf­be­griffe, die in Debat­ten nicht mehr zur Refle­xion der eige­nen Posi­tion die­nen, son­dern nur über ihre nega­tive Kon­no­ta­tion wir­ken. Ras­sis­mus ist böse, also will ich nichts damit zu tun haben und dis­tan­ziere mich nach­drück­lich — egal, ob meine Aus­sa­gen womög­lich tat­säch­lich ras­sis­tisch waren. Die Magie des Bauch­ge­fühls, kein Ras­sist zu sein, ist stär­ker als Argu­mente sein könn­ten. Trut­hi­ness at work.

Wie der Vor­wurf »Sexis­mus« dazu führt, dass sich die Inhalts­leere der blo­ßen Ableh­nung des Wor­tes selbst ent­larvt, lässt sich an Nadine Lantzschs Bei­trag Das Dampf­schiff und den anschlie­ßen­den Kom­men­ta­ren ein­drucks­voll nach­voll­zie­hen. Begriffe wie Demo­kra­tie oder Auf­klä­rung sind umge­kehrt posi­tiv kon­no­tierte Begriffe, die sich jeder gerne attes­tiert, ohne dass dar­über auch nur ein Jota an Klä­rung der eige­nen argu­men­ta­ti­ven Posi­tion erwächst.

Kontextschmiede: Über Diskussionskultur, Wahrheitlichkeit und Berufsdemagogen

Sarrazin in München

Presseerklärung der „antifa nt“ zur Veranstaltung der Deutschen Verlags-Anstalt mit dem Rassisten Thilo Sarrazin im Münchner Literaturhaus am 29.September 2010
München, 31. August 2010

Für Mittwoch, den 29. September kündigt das Münchner Literaturhaus eine Veranstaltung der Deutschen Verlags-Anstalt mit dem Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin an. Wir fordern die Veranstaler_innen, sowie die Verantwortlichen des Literaturhaus auf, eine solche rassistische Veranstaltung in ihren Räumlichkeiten nicht zuzulassen. Sollte dies nicht geschehen, kündigen wir öffentlichen Protest gegen diese rassistische Veranstaltung an.
(mehr…)

Moderne Heilige

St. Gentrifizian

Sankt Gentrifizian ist der Patron der Hausbesetzer, Demonstranten und Vermummten, der Graffitisprüher, der Stadtsoziologen, aber auch der Fahrradfahrer und Fußgänger. Er wird als Kiezheiliger angerufen, um meist ärmere Stadtteile vor allzu großer Veränderung im Zuge sogenannter Aufwertung zu bewahren und die Sanierung oder den Abriss von Häusern und die Verdrängung der Bewohner des Bezirks durch zahlungskräftigeres Publikum zu verhindern.
[…]
Der Legende nach hat St. Gentrifizian bei einer der rituellen Kreuzberger Straßenschlachten ein Auto angezündet. Als er dann triumphierend auf den Wagen gestiegen ist wie Erzengel Michael auf den Teufel, soll er tragischerweise bei lebendigem Leibe verbrannt sein. (mehr…)

Tumblingerstr. als Stop-Motion-Animation

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sorry, vergessen: via doobybrain
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Podcasts

Was ist ein Podcast? Bei Wikipedia wird das so beschrieben:

Podcasting bezeichnet das Produzieren und Anbieten von abonnierbaren Mediendateien (Audio oder Video) über das Internet. Das Kofferwort setzt sich aus den beiden englischen Wörtern iPod und Broadcasting zusammen.[1] Ein einzelner Podcast (deutsch: ein Hörstück, genauer Hördatei oder Bewegtbilddatei) ist somit eine Serie von Medienbeiträgen (Episoden), die über einen Feed (meistens RSS) automatisch bezogen werden können.

Man kann Podcasts als Radiosendungen auffassen, die sich unabhängig von Sendezeiten konsumieren lassen. Handelt es sich um Fernsehbeiträge oder anderes Videomaterial, das auf diesem Weg verbreitet wird, spricht man von Vodcast, Video podcast oder Vidcast. Podcasting wäre so als Teilbereich von Video/Audio-on-Demand zu betrachten. Jedoch stehen letztere Begriffe eher für kostenpflichtige und durchsuchbare Dienste, während „Sender“ (auf Englisch „Feeds“ genannt) Podcasts in aller Regel kostenlos und in einer vom Konsumenten ausgewählten Menge nach und nach in neuen Folgen anbieten.

Technisch können diese Feeeds dann mit sog. Podcatchern abonniert werden. Das Programm lädt dann automatisch die nächste Episode runter, sobald diese verfügbar ist.
Ich bin inzwischen ein ziemlicher Fan davon geworden und gestalte mir mit Video- und Audiopodcast jeden Tag einen angenehmen weg zur Arbeit.

Im folgenden möchte ich ein paar Podcasts, die ich regelmäßig höre, vorstellen und weiter empfehlen.

heiter scheitern
Joke, Marlen und Steff präsentieren uns in diesem sympatischen Podcast Ein queeres Stößchen aus den Zonen der Unbewohnbarkeit (und aus Hamburg).
Die polyfidele Dreierbeziehung aus Hamburg diskutiert diverseste Themen aus einer queeren und sehr persönlichen Perspektive.
Anspieltipp: hs09 immer noch ledig

nrrrdz
Marlen (von heiter scheitern) und Kathrin (von i heart digital life) diskutieren über feministische Perspektiven auf die und aus der Netzwelt.
Das Internet darf kein feminismusfreier Raum sein!
Anspieltipp: nrrrdz000004: kritiken der kritiken an den kritiken

AG Queer Studies: …jenseits der Geschlechtergrenzen
Hier gibt es Mitschnitte der gleichnamigen Ringvorlesung aus Hamburg.
Anspieltipp #1: Nina Mackert: Juvenile Delinquency und die Produktion normaler Familien in den USA der 1950er
Anspieltipp #2: Iris Wigger: Die “Schwarze Schmach am Rhein”

/Filmcast [engl.]
„Slashfilmcast“ gesprochen, ist dies eigentlich 3 Podcast in einem.
Kern des Formats ist der Titelgebende /Filmcast. Dort besprechen David Chen, Devindra Hardawar und Adam Quigley sowie gelegentliche Gäste jede Woche die Filme, die sie in der vergangenen Woche gesehen haben, aktuelle Filmnews und ein aktueller Film erhält eine ausführliche Kritik und Nachbesprechung.
Dabei wird auch peinlich genau darauf geachtet, bei Bedarf immer entsprechende Spoiler-Warnungen zu geben.
Das zweite Format im Feed ist das /Filmcast After Dark wo im Anschluss an die Aufzeichnung des /Filmcast die Moderatoren und Gäste alle möglichen Themen – auch gerne kontrovers – diskutieren.
Und zu guter letzt gibt es auch noch unregelmäßig Interviews – vor allem mit Regisseuren – die dann auch im Feed zu finden sind.
Anspieltipp: The /Filmcast: After Dark – Ep. 81 – The Role of Race and 3-D in Avatar
In dieser Episode diskutieren sie mit Annalee Newitz über ihren (lesenswerten) Artikel When Will White People Stop Making Movies Like „Avatar“?

The Tobolowsky Files [engl.]
Ursprünglich als weiteres Format im Feed des /Filmcast gestartet, sind die Tobolowsky-Files inzwischen in einem eigenen Feed zu finden.
Hier erzählt Schauspieler Stephen Tobolowsky Geschichten aus seinem Leben. Das ganze ist dann sehr spannend, sehr emotional und herzerwärmend.
Anspieltipp: The Tobolowsky Files Ep. 34 – A Good Day at Auschwitz

Extra3
Extra3, oder x-3, ist „die einzige Satiresendung im deutschen Fernsehen“, bekannt auch durch YouTube-Hits wie Super Kim.
Zur Zeit ist leider Sommerpause, da werden dort „nur“ Klassiker wie die SoKo Wand und Farbe recycled.
Sonst gibt es dort jeden Sonntagabend die gesamte Sendung zu sehen.

Sendung mit der Maus
Brauch ich wohl nicht zu erklären.
Ist vor allem aus Nostalgie, wobei ich letztens sehr geschockt war, über das hier.

Die Königsklasse des NS-Vergleichs

In der heutigen Print-Ausgabe der SZ wird auf einer der letzten Seiten in einem Kommentar athens.indymedia.org mit den Reden von Göbbels gleichgesetzt.

Da ich den Wortlaut leider nicht mehr zur Hand habe und das auch nicht auf der Internetseite der SZ finden konnte, würde ich mich über ein wörtliches Zitat des entsprechenden Satzes in den Kommentaren freuen.

Brand in Schweizer Asylbewerberheim

Medienspiegel.ch schreibt:

Habe ich ein altmodisches Verständnis von Journalismus? Offenbar – hoffnungslos veraltet.

Heute Nacht (Donnerstag, 25.2.) um 3.45 Uhr brannte in Kappelen ein Asylbewerberheim lichterloh. Es kam zu dramatischen Szenen, wie ich mich nicht erinnern kann, von so etwas in den letzten Jahren gelesen zu haben: 14 Schwerverletzte, 30 Verletzte insgesamt, schwere Knochenbrüche, Beckenbrüche nach Stürzen aus dem Fenster, «verängstigte Mütter halten schreiende Kinder auf dem Arm, ein Mann schlotternd barfuss in der Kälte, Rettungswagen in Minutentakt.»

Unsere sonst so kreglen Online-Dienste zitieren auch noch Stunden später als Quelle ihrer dürren Kurzmeldungen entweder sda («Tagesschau»), «die online-Ausgabe des Bieler Tagblatts» (Newsnetz) oder «einen Polizeireporter» («20minuten.ch»).

Die «Tagesschau» hat noch um 10.30 Uhr eine karge 12-Zeilen-sda-Meldung aufgeschaltet. Bei «NZZ Online» und Newsnetz verschwanden die Meldungen zwischendurch gar völlig.

Noch um 10.30 Uhr wird «auf die Medienkonferenz um 10 Uhr» verwiesen. Dort kann man sich wenigstens bequem hinsetzen.

Sechs Stunden nach einem solchen Ereignis? Nicht in Timbuktu, sondern im Kanton Bern, bequem im Zug, erster Klasse, vollklimatisert in 40 Minuten erreichbar.